Glaubt ihr an ein leben nach den Tot?

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Ella
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Darf ich ein bisschen ketzern und salbadern? Ich verspreche, ich mache es auch so unverständlich wie möglich, ok?

Leben nach dem Tode? Altern? Krankheit?

Hm hm, hm hm... wie einige hier habe ich auch (vor 30 Jahren das erste Mal) geraume Zeit auf Operationstischen, Intensivstationen, Wartezimmern und dgl. verbracht. Und egal, was und wo es zwackt und zwickt, eines darf einem da nicht passieren: Panisch werden, unbedingt etwas (nicht) wollen, Angst kriegen - Halt! Nein, das Problem ist nicht der (faktische) Kontrollverlust. Das Problem ist man selbst.

Anderer Ansatz:

1. Altern ist Prozess sich stetig verändernder Sichtweisen auf eigene und fremde Wertekataloge.
2. Eigene Wertekataloge sind hinterfrag- und änderbar
3. Scheiss auf die Werte, sei neugierig

Zu den unzählig vielen Wertekatalogen (die speziell Minoritäten, aber normalerweise allen, die gerade ausserhalb eines die Norm stützenden Wertekataloges existieren, i.d.R. das Leben zur Hölle machen) gehören ebenso mehrheitlich unbestrittene wie Körperzustand (z.B. Gesundheit, Unversehrtheit; aber fragt mal Bodytransformers, wie die darüber denken), Autonomie (Entscheidungsfähigkeit, Kontrolle über alle Parameter von A wie Ausscheidung bis Z wie Zahlungsverkehr), aber auch folkloristischere wie Jugend und Ästhetik oder noch dubiosere wie Erfolg oder Religion.

Diese Wertekataloge unterliegen - jedenfalls bei Menschen, die sich über den Zustand von Gemüse hinausentwickelt haben - einer individuellen und sich stetig verändernden Sichtweise.

Reflektiert(eres) Leben bedeutet, diesen Prozess (und den Grad der jeweilig eigenen Wahlmöglichkeiten) wahrzunehmen - und zwar unbewußt ab Stunde -X, mindestens ab Stunde 0 und normalerweise ab dem Moment, wo Dir Menschen in der Strassenbahn einen Sitzplatz anbieten.

Während dieses Prozesses kann alles unter Haben verbucht werden (Erfahrungen positiver wie negativer Natur machen, Neues gewinnen ebenso wie Loslassen können). Sogar das Leidensmoment ist nicht ausschließlich die (finale) Qual, sondern ein Prozess, dem man ebensogut mit - wenn schon nicht Freude, so doch Interesse - beiwohnen kann (weil man es ohnehin muss).

Wo genau liegt das Problem?

Doch eigentlich ausschließlich bei einem einzigen, von Seamstress bereits benannten Aspekt - dem Zwangscharakter (Kontrollverlust). Zwang macht Angst. Freiwilligkeit macht Neugier. Doch auch Kontrolle ist ein Wert (und keineswegs ein ausschließlich positiv besetzter).

Möglicherweise ist es eine Alternative, diesen letzten aller Werte emotionslos zu hinterfragen.

Nicht, daß dies so besonders neu wäre: Fremdautoritäre ebenso wie auf freiwilliger Selbstzurücknahme fußende Religionen oder Wahnsinnige, die "Krankheit als Weg" postulierten, stossen auch in das Horn der Kontroll--Hinterfragung - aber immer mit Blick auf eine auszuübende Macht und deren Benefizien (naja, wohl eher Malefizien), sei es durch Autoritäten, die keine Kontrolle wünschen, sei es durch einen selbst auf dem Weg zu noch mehr, zur ultimativen, zur selbstkontrollierten Selbstaufgabe.

Was mir als mein Weg vorschwebt, ist vielmehr die fortschreitende Aufgabe der Wertung. Aber nicht im Sinne der zwanghaften Aufgabe des inneren Dialoges ("ich will nicht mehr mit mir reden, also bin ich nicht mehr") sondern der Stärkung der wertungsfreien, neugierzentrierten Sichtweise ("aha, so gehts also weiter").

Und dann ist es nicht mehr so schlimm, wenn sie Dir ein Bein abnehmen. Oder wenn Du in die Windel kackst. Und es ist scheissegal, ob Du nach dem Tode Energie, eine Made, der eigene Grossvater oder die nächstlebige Nobelpreisträgerin wird. Alles ist eine Erfahrung.

Mal sehen, Freunde, was hinter der nächsten Ecke kommt...

lgc

PS:
Das sehe ich auch als eine Alternative zu Roxannes Überlegung, die auch mir lebenslang eigen ist, mich aber immer seltener umfängt. Nebstbei: Wirklich guter Humor wächst immer auf wirklich ernstem Humus. In diesem Sinne, keep on keepin' on, babe

PPS:
Noch jemand Kaffee? Kuchen wäre auch noch genügend da...

Die Karawane bellt, der Hund zieht weiter...