Zeitungsartikel: Klage gegen Chirurgen

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Kiana
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Im Hamburger Abendblatt wurde heute (13.12.07) ein hochinteressanter Artikel zum Thema "Intersexualität" veröffentlicht, aber lest selber:

http://www.abendblatt.de/daten/2007/12/13/826940.html

Grüsse
Kiana

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Ergänzend dazu die offizielle Haltung der Bundesregierung:

http://www.bundestag.de/aktuell/hib/200 ... 68/09.html

Viele liebe Grüße

Beate 

Frances
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Ich finde diese offizielle Haltung der Bundesregierung ganz schön überheblich.

Frances

n/v
Roxanne
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Beate_R schrieb:
Ergänzend dazu die offizielle Haltung der Bundesregierung:

http://www.bundestag.de/aktuell/hib/200 ... 68/09.html

Da heißt es: "In Anbetracht der Tradition der Zweigeschlechtlichkeit sei es für Eltern eine schwierige Entscheidung, keine Geschlechtszuweisung ihres Kindes vorzunehmen und es in einem "Zwischenraum der Geschlechter" aufwachsen zu lassen. In der Antwort heißt es weiter, nach dem Kenntnisstand der Regierung bestehe eine "relativ weit gehende Übereinstimmung" darüber, dass eine frühe eindeutige Festlegung des Geschlechts die Entwicklung einer stabilen Geschlechtsidentität erleichtere. Sie sei für die allgemeine psychische Entwicklung und Identitätsbildung "wichtig und hilfreich"."

Nicht von der Hand zu weisen, obwohl man sich auch mal überlegen sollte, ob es die weiseste Entscheidung ist, für ewig auf diese "Tradition der Zweigeschlechtlichkeit" zu setzen und nicht auch das zu akzeptieren, was die Natur zusätzlich vollbringt...

Natürlichkeit ist langweilig    

Frances
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dabei seit: 21.03.2005

Na ja dauernd im falschen Geschlecht rum laufen ist nicht so schön.
Dann lieber dazwischen leben, bis selber entschieden bzw. das Geschlcht gefühlt werden kann.

Frances

n/v
Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Roxy,

die Konsequenz dieser Haltung der Bundesregierung ist ja gerade diese vorzeitige Bastelei im Genitalbereich - ohne Einwilligung der Betroffenen, zum Teil gegen ihren ausdrücklichen Willen und unter Zwangsausübung (ich weiss von jemand der/die in ihrer Jugend dazu genötigt wurde, sich die Brust amputieren zu lassen). Das führt dazu, dass Kindern die Neovagina bougiert werden muss, und dass die das als sexuellen Missbrauch empfinden. Das führt insgesamt zu einer ganz erheblichen Traumatisierung der Betroffenen, unter der sie oft genug ein Leben lang leiden. Und wenn bei der Geschlechtszuweisung dann auch noch das falsche Geschlecht zugewiesen wird, entsteht zusätzlich noch der innere Konflikt, den wir am eigenen Leib kennengelernt haben. Wie gesagt, *zusätzlich* zu allem anderen und u.U. in erheblich geringerem Umfang körperlich kompensierbar als bei uns.

Darüber hinaus wird durch diese Haltung das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen auf eine in meinen Augen nicht akzebtable Weise missachtet.

Aus diesem Grunde empfinde ich die Haltung der Bundesregierung als vollkommen indiskutabel. Es es die gleiche Art von menschenverachtender Ignoranz, aus der heraus auch uns gegenüber Fortschritte in der Gesetzgebung verweigert werden (ausser auf höchstrichterlichen Druck hin).

Viele liebe Grüße

Beate 

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Richtig.

Neulich bei einer Tagung an der medizinischen Hochschule in Bremen zum Thema waren einige (erwachsene) IS da. Und keineR war mit dem zufrieden. Kann naturlich auch statistisch dadurch verzerrt werden, daß die wo zufrieden sind nicht zu solchen Tagungen gehen.

Liebe Grüße
Triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Zuerst: Nicht, daß der Eindruck entstanden ist, ich finde es toll, was da immer wieder in Krankenhäusern abläuft, also wie bei Kleinkindern ein "eindeutiges" Geschlecht zurechtgefummelt wird. Nein, das tue ich nicht.

Aber die Argumentation der Regierung ist für mich nachvollziehbar. Das heißt ich kann verstehen, warum so gehandelt wird. Man versucht den Kindern eine bessere Entwicklungschance zu geben, in dem man sie halt nicht als exotische Zwitter, sondern als Junge oder Mädchen aufwachsen lässt. Man versucht jemandem zu schützen und zu helfen, der noch nicht selbst entscheiden kann, nimmt ihm aber dadurch für alle Zeit die freie, eigene Entscheidung ab - und das kann mächtig in die Hose gehen.

Ich fände es richtiger, wenn man die Gesellschaft daran gewöhnt, daß es halt mehr als Mann und Frau gibt und die Kinder als das aufwachsen lässt, als was sie geboren sind. Wenn sie sich später mal dafür entscheiden Mann oder Frau zu werden, dann ist es ihre Entscheidung.

Die Natur bringt auch Arten mit kleiner Anzahl hervor. Wenn es eine seltene Katzenart mit Geweih gäbe, würde kein Mensch auf den Gedanken kommen, allen die Geweihe abzusägen um sie wie "normale" Katzen aussehen zu lassen. Nein, sie würden unter Artenschutz stehen.

Natürlichkeit ist langweilig    

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Hallo Roxy,

macht es denn nicht einen Unterschied, was man juristisch oder medizinisch macht oder was man dann im Alltagsleben macht? Intersexuelle Kinder körperlich nicht in irgendeine Richtung anzugleichen, ihnen vielleicht einen geschlechtsindifferenten Namen zu geben, ihne KEIN juristisches Geschlecht zuzuweisen bedeutet doch nicht, dass man sie provokativ als androgynes Monster in die Welt schickt, sondern vor allem schaut, wie sich das Kind entwickelt und es darin unterstützt.
Und selbst wenn die Intersexualität bekannt würde - leicht würden es diese Kinder vermutlich nicht haben, aber ist das bei jemand der Fall, der, sagen wir, ein Hörgerät oder bereits als Kind eine starke Brille benötigt, vielleicht Spaltenträger, vielleicht "nur" stark stottert... ? Wer schaut diesen Kindern denn schon zwischen die Beine?

Aus meiner Sicht ist da nicht mehr als die Toleranz gefordert, die gegenüber doch recht vielen anderen ebenso nötig ist.

Viele liebe Grüße

Beate 

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Ich habe jetzt deinen Text viermal durchgelesen und nachgedacht, ob wir dasselbe meinen - oder aneinander vorbeireden.

Ich denke, wir wollen dasselbe. Lasst die Kinder als das aufwachsen, was sie sind: Nicht Junge, nicht Mädchen, sondern beides (bzw. etwas dazwischen).

Natürlich haben es die ersten Kinder schwer, aber das ging den ersten schwarzen oder asiatischen Kindern auf der deutschen Schulbank oder im Kindergarten auch nicht anders. Heute ist es Normalität. Die Ersten sind immer Wegbereiter und brauchen Unterstützung der Gesellschaft, die folgenden Generationen werden die Hilfe nicht mehr brauchen.

Aber dazu muß das staatliche Dogma der zweigeschlechtlichen Gesellschaft fallen.

Natürlichkeit ist langweilig    

Kiana
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dabei seit: 14.05.2007

Noch einer kleiner Nachtrag:

In der SPIEGEL- Ausgabe 47 vom 19.11.2007 erschien ein Artikel passend zum Thema: SEXUALITÄT: Und Gott schuf das dritte Geschlecht.

Leider ist der Artikel bei SPIEGEL-ONLINE nur kostenpflichtig (0,50 €) abrufbar, ich schicke den Link trotzdem mal:

http://service.spiegel.de/digas/find?DID=54002246

Aber vielleicht hat ja jemand die Print-Ausgabe noch rumliegen, wenn nicht dann ran an die Altpapiercontainer.

Viel Spass
Kiana