RIP Virginia Prince

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Beate_R
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Hallo in die Runde,

es geht gerade durch die Medien: Virginia Prince ist im Alter von 96 Jahren gestorben: http://www.myhusbandbetty.com/2009/05/03/rip-virginia-prince/

Viele liebe Grüße

Beate 

Annabelle_Legault
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und wenn Du jetzt noch der Runde verrätst wer nun "Virgina Price" war....wäre das fein Wink

Zwischen Wahnsinn und Verstand ist oft nur eine dünne Wand. (Daniel Düsentrieb)

Beate_R
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Gerne.

Virginia Prince prägte den Begriff Transgender und benutzte ihn zur Abgrenzung von Transsexuellen - und das wohl ziemlich radikal. Sie lebte eine überwiegend soziale Transition, nahm aber zumindest zeitweilig auch Hormone. Virginia Price war zudem Gründerin und Leiterin der amerikanischen Crossdresser-Vereinigung Tri Ess.

Viele liebe Grüße

Beate 

Konstanze
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Hi Annabelle,

VP hat den Begriff Transgender geschaffen.

Sie lebte  gesellschaftlich als Frau und lehnte jegliche körperliche Veränderung ab.

 

n/v
Annabelle_Legault
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und wieder mal was dazu gelernt Wink

Zwischen Wahnsinn und Verstand ist oft nur eine dünne Wand. (Daniel Düsentrieb)

AnneTG
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dabei seit: 18.01.2005

Diese Nachricht macht mich traurig. Virginia Prince war eine der großen alten Damen der Transgender-Bewegung. In den 1950er und 60er Jahren, als biologisch männliche Personen in weiten Teilen der Vereinigten Staaten noch für das Tragen von Frauenkleidern in der Öffentlichkeit wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses eingesperrt wurden (auch Virginia ist das einmal wegen des Versandes „obszönen Materials“ passiert), leistete sie Pionierarbeit durch Herausgabe von Zeitschriften (Transvestia und Femme Mirror) und die Gründung der Selbsthilfevereinigung „Foundation for Full Personality Expression – FPE“, die später mit einer anderen Organisation zur „Society for the Second Self“ verschmolz und heute noch mit verschiedenen Regionalgruppen unter dem Namen Tri-Ess existiert. Damit schuf sie für viele transidentische Menschen erstmals die Möglichkeit, sich zu treffen und in einen Austausch untereinander zu treten. Von Virginia Prince stammt der Begriff „Transgender“. Sie verstand darunter Menschen, die ohne medizinische Eingriffe in dem Gegengeschlecht leben. In den 60er Jahren vollzog sie selbst diesen Rollenwandel im Alter von über 50 Jahren.

Virginia Prince war unter transidentischen Menschen nicht unumstritten. Aus heutiger Sicht muss man vieles an dem kritisieren, was sie sagte und schrieb. Sie grenzte Transgender scharf von Homosexuellen und Transsexuellen ab. Ihr wurde nicht zu Unrecht die Pflege eines sehr traditionellen und konservativen Frauenbildes sowie Homophobie und Diskriminierung von Transsexuellen vorgeworfen, die in ihren Selbsthilfegruppen nicht erwünscht waren.

Man muss ihre Einstellung aber im historischen Kontext sehen. Virginia Prince ging es primär darum, transidentische Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen und ihnen ein Selbstwertgefühl zu geben. Sie war ein Geschöpf ihrer Zeit und glaubte, dies nur so erreichen zu können. In ihren Publikationen lässt sich jedoch ein behutsamer Meinungswandel erkennen, der zeigt, dass sie sehr lernfähig und offen für neues Denken war.

Mit 96 Jahren hatte sie ein erfülltes Leben. Wir verdanken ihr viel, ohne dass uns das wirklich bewusst ist. Möge sie in Frieden ruhen.

Anne


 

Liv-Marit Norton
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dabei seit: 13.02.2006

Beim Blättern in der Archiven der "Zeit" (Nr. 36 vom 5.9.1969) fand ich folgenden Artikel über Dr. Virginia Prince. Ihr Mut zu dieser Zeit verdient allen Respekt........

Anschauungsunterricht

Der Kongreß tagte in London. Internationale Experten der Psychiatrie und der Sozialarbeit referierten über „Die kranke Gesellschaft". Das Thema „Transvestiten und ihre Umwelt" erregte die Teilnehmer besonders. Da meldete sich die 56jährige Dr. Virginia Prince zur Diskussion. Die blonde, hübsch gekleidete Sozialarbeiterin schilderte bewegt das Los der Transvestiten: Die meisten lebten in Elend und Verzweiflung, Selbstmord erscheine ihnen oft als einziger Ausweg, weil sie irrtümlicherweise annähmen, der Drang, sich entgegengesetzt zu ihrem eigenen Geschlecht zu kleiden, offenbare eine homosexuelle Veranlagung. Dr. Prince tadelte die Gesellschaft dafür, daß sie die Geschlechter so rigoros polarisiere. Bei Mann und Frau gebe es viele „überlappende Eigenschaften". So sei es gar nicht verwunderlich, daß bei manchen Menschen im Verlauf, des Erziehungsprozesses keineswegs alle Eigenheiten des anderen Geschlechts unterdrückt würden. Wenn sich also ein Mann wie eine Frau kleide, so nehme er damit Kontakt mit dem Teil seiner selbst auf, den die Gesellschaft ihn unterdrücken heißt. Die Revolte vieler junger Leute gegen diesen gesellschaftlichen Zwang, der auch Erscheinungen wie die Uni-Sex-Mode hervorgerufen hat, sei zu begrüßen. Die beredte Anwältin für mehr Verständnis gegenüber den Transvestiten schloß mit einer Überraschung: Am Ende des Diskussionsbeitrags gab sie sich als Mann zu erkennen: Dr. Charles Prince, Autor zahlreicher einschlägiger Bücher und Herausgeber einer Zeitschrift für Transvestiten, denen sie sich seit dem 12. Lebensjahr zurechnet.

 

http://www.zeit.de/1969/36/ZEITLICHES?page=1

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !

Heike_007
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dabei seit: 10.04.2006

Liv-Marit Norton schrieb:
... Dr. Prince tadelte die Gesellschaft dafür, daß sie die Geschlechter so rigoros polarisiere. Bei Mann und Frau gebe es viele „überlappende Eigenschaften". So sei es gar nicht verwunderlich, daß bei manchen Menschen im Verlauf, des Erziehungsprozesses keineswegs alle Eigenheiten des anderen Geschlechts unterdrückt würden. Wenn sich also ein Mann wie eine Frau kleide, so nehme er damit Kontakt mit dem Teil seiner selbst auf, den die Gesellschaft ihn unterdrücken heißt. ... Die beredte Anwältin für mehr Verständnis gegenüber den Transvestiten schloß mit einer Überraschung: Am Ende des Diskussionsbeitrags gab sie sich als Mann zu erkennen: Dr. Charles Prince, Autor zahlreicher einschlägiger Bücher und Herausgeber einer Zeitschrift für Transvestiten, denen sie sich seit dem 12. Lebensjahr zurechnet.

Die Ansicht, dass während des Erziehungsprozesses alle Eigenheiten des jeweils anderen Geschlechts unterdrückt würden, finde ich sehr interessant. Das kannte ich so noch nicht, auch wenn der "Zeit"-Artikel schon 40 Jahre alt ist. Wenn ich so in Gedanken mein bisheriges Leben betrachte, so sehe ich durchaus Parallelen.

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).