Meine Autobiographie "Der bunte Mann" ist nun erschienen

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Konstanze
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Elli-Hunter schrieb:
Viele Jahre lang haben mich immer wieder Transmädels darauf angesprochen und mich gebeten meine Erfahrungen in ein Buch zu packen,  ich tat es und plötzlich wollte es keiner lesen. .... Also bitte was denkt Ihr (ob Ihr es gelesen habt oder nicht) an was lag es?

Nuja, wieviele haben dich angesprochen? 50? 100? diese werden wohl auch dein Buch gekauft haben. Ich nehme an, diese waren Kunden von dir. Also im Prinzip Fans von deiner Arbeit. Ob diese auch eine aussagekräftige Stimmungslage über einen Buchbedarf liefern können steht auf einen anderen Blatt.

Ich weis auch nicht, wo du geworben hast, wenn es rein Online war, muss  man bedenken, dass man vieles auch online lesen kann und bei diesem Klientel auch nicht unbedingt Bedarf nach einem gedruckten Storys herrscht.

Auch ist der Begriff "Bunter Mann" als negativer Ausdruck für Transvestit entstanden und wird immer noch so wahrgenommen. Deine online Präsenz ist auch zu gering, als dass ein Standing entsteht, die dieses aufheben würde. Ich persönlich fand es ziemlich daneben, diesen Ausdruck zu verwenden.

Evtl. spielt auch das Marketing des Verlags eine Rolle. Dein und Julas Buch sind zu ähnlicher Zeit mit ähnlicher Auflage erschienen. Bei der Vorstellung von Julas Buch am letzten SF Vorabend wurden die letzten Reste der ersten Auflage unter Volk gebracht.

btw. mittlerweile spielt sich das Transsein sehr viel auf Veranstaltungen ab. Bei diesen bist du auch nicht so präsent. Die Ursachen werden wohl multikausal sein.

 

n/v
Elli-Hunter
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Vielen Dank für Eure Beiträge, für die konstruktiven Kritiken. Ja, ich muss Euch recht geben, es war sehr vermessen zu denken man könnte mit mehr Zuspruch rechnen. @Konstanze ja ich bin so gut wie nie auf Transveranstaltungen, besser nicht mehr, zu sehen. Aber warum? Ich passe nicht dorthin und mir wird auch dort ständig und ausschließlich Geschäftsinteresse unterstellt. Ich bin keine Partytranse, ebenso wenig wie Thomas in seinem normalen Leben ein Partymensch ist. Ich behaupte einfach das Transvestiten Männer in Frauenkleidung sind, so wie ich selbst. Die einen sehen besser aus die anderen weniger, die einen geben sich Mühe, die anderen nicht, die einen haben Verstand und Witz und andere sind ständige Kritiker an allem was sie lesen und von sich geben. Viele überschätzen sich, na vieleicht habe ich das auch getan mit meinem Buch. Ja, mit was habe ich gerechnet? Nicht mit Reichtum oder dem Ruhm eines Ken Folett aber es war Mühe, Zeit, Arbeit und Geld für etwas was ich schon wusste und für andere geschrieben habe.  Nun gut, ich werde die letzten Exemplare auch noch verscheppern und 2. Auflage wird es keine mehr geben. Ist es nicht so dass das ganze Leben ein fortwährender Lernprozess ist.

 

Eure Elli Hunter

 

 

AnneTG
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dabei seit: 18.01.2005

@ Elli

Nach meiner Einschätzung ist der Markt für deutschsprachige Literatur zu transidentischen Themen nicht sehr groß. Wenn das Buch sich auf die Betroffenen und deren Freunde und Familien als Zielgruppe konzentriert und nicht auf irgendwie reißerische Weise eine breite Öffentlichkeit zu erreichen versucht, dann ist die hier genannte Größenordnung der verkauften Auflage gar nicht so schlecht.

Ich habe auf meiner Homepage (http://annetg.beepworld.de/index.htm) rd. 100 deutsch- und englischsprachige Bücher zu diesem Thema vorgestellt und besprochen. Auch dein Buch habe ich gelesen und dort kommentiert (mit überwiegend positiver Tendenz, wie du nachlesen kannst).

Aus der geringen Resonanz, die ich auf meine Besprechungen erhalte, schließe ich aber, dass sich nur wenige von uns durch das Lesen von Büchern mit diesem Thema auseinandersetzen.

Anne

 

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Monika-Tersch schrieb:

...zusätzlich ist der Kreis der Käufer natürlich begrenzt... ein Normalo ohne Interesse an der Sache, wird es nicht lesen.

 

Zu den "Normalos", die Interesse an der Sache haben könnten oder haben sollten, zählen noch Psychologen und Soziologen sowie Kulturhistoriker u.ä.
Auch deren Zahl ist natürlich ziemlich begrenzt. Aber gezielte Werbung in einschlägigen Fachzeitschriften - idealerweise flankiert von Besprechungen im redaktionellen Teil (Suche und persönliche Ansprache der dafür zuständigen Redakteure, ggf über die Anzeigenabteilung!) - können sowas erfahrungsgemäß fördern und das Verkaufspotential in diesen Kreisen aktivieren.

Im sicherlich noch erheblich größeren Kreis der "Betroffenen" dürfte die Heimlichtuerei wahrscheinl das größte Hindernis sein. Da hast du möglicherweise das meiste Potential schon ausgeschöpft. Auf der anderen Seite sind 22 Wochen auch wirklich noch nicht viel. Da kommt vlt noch bisserl was. Ich denke auch, daß das bisherige Ergebnis für die Werbung in T-Foren allein recht beachtlich ist, wie Jennifer schon schrieb. Was für eine Wahnsinnsauflage hast du eigentlich drucken lassen?

Interesse an der Sache bei sogenannten "Normalos" zu wecken, erfordert wohl ein Mindestmaß an eher etwas reißerischen Vermarktungsstrategien. Ohne Erwähnung im Fernsehen oder der Boulevardpresse geht da wohl nicht allzu viel. Wenn man da keinen Gottschalk oder mindestens Lilo Wanders o.ä. bzw. irgendeinen Schreiber von lokalen Klatschkolumnen kennt, dürfte es schwer sein.

Lesungen in Buchhandlungen zu bekommen dürfte bei Selbstverlag auch nicht so einfach sein. Auf die Tippel-Tappel-Tour im Außendienst wirst du wahrscheinl bei entsprechend fragwürdiger Effizienz keine Lust haben.
Aber ohne professionelle Vermarktungsstrategien + den damit verbundenen Aufwand dürftest du wohl die Grenzen des Möglichen bald erreicht haben.

Ein Versuch wäre es vlt wert, eine vorgefertigte "Rezension" / werbende Inhaltsangabe an möglichst viele Stadtzeitschriften + Szenenmagazine (Prinz, Stadtstreicher, u.ä.), kostenlose Veranstaltungszeitschriften, Werbe-Wochenblätter, Feuilletonredaktionen (ZEIT/Zeitmagazin, FAS, Spiegel, Focus, Stern, usw.) zu schicken. Parallele Kleinanzeigen (erst schalten, wenn ernsthafte Veröffentlichungsabsichten erkennbar, aber geschickt in Aussicht stelllen, z.b durch die Frage nach der Anzeigenpreisliste) können da bisweilen weiterhelfen. Zumindest bei den Kleineren. Die Großen sind da wohl zu teuer bei ungewisser Wirkung. Da geht nur was, wenn sich zufällig ein Redakteur für das Ding interessiert.

 

Ich wünsch dir noch viel Erfolg. Das Buch hat es eigentlich verdient.
Aber ohne ein bisserl professionellen Vermarktingaufwand wirst du nicht viel weiterkommen.
Ich weiß, wovon ich spreche. Vermarktung von Nischenprodukten ist heutzutage ein ziemlich hartes Pflaster.

 

liebe grüße
triona

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Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

@ Konstanzes Kritik am Titel:

Das dürfte sich wahrscheinlich eher in der T-Szene nachteilig auswirken.
Für eine Vermarktung bei "Normalos" dürfte das gewissen Erwatungshaltungen bei möglichen Lesern eher entgegenkommen. (Vgl meine obigen Ausführungen zu etwas "reißerischen" Vermarktungsstrategien.)

Lesungen bei TV-Veranstaltungen würde ich allerdings nicht so negativ betrachten.
Die Veranstalter suchen doch immer wieder nach netten "Schaudarbietungen". Und wenn diese nix kosten, um so besser. Und wem dein "Geschäftsinteresse" auf den Wecker geht, der hat am Inhalt des Buches wohl auch kein allzu großes Interesse.

 

lieber grüße
triona

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Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Elli-Hunter schrieb:
Ja, mit was habe ich gerechnet? Nicht mit Reichtum oder dem Ruhm eines Ken Folett aber es war Mühe, Zeit, Arbeit und Geld für etwas was ich schon wusste und für andere geschrieben habe. 

Der Mensch dürstet nach Anerkennung - das ist völlig normal. Dabei wird manchmal etwas viel erwartet. Gräm dich nicht, verwerfe traumhafte Erwartungen und freue dich über das Erreichte: es ist nicht nichts.

Trionas Kommentar kann ich mich anschliessen. Lass dir Zeit und rechne damit, daß in 15 Jahren dein Buch ein gesuchter "Klassiker" sein könnte.

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Johanna
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Hallo Elli,

ich denke mal, innerhalb der TG-Szene hast du das kurzfristige Potential in etwa ausgeschöpft. Etwas mehr könntest du vielleicht noch mit Aktionen bei TG-Veranstaltungen verkaufen. Andererseits gibt es bereits eine ganze Reihe von Büchern über TG, und ich muss nicht jedes haben, zumal es für TS geeignetere Bücher (d. h. mit medizinischem Teil) gibt. Mein Bedarf an Lebensgeschichten ist mittlerweile auch gedeckt.

Damit das Buch ein Erfolg wird, mussen mehr "Normalos" es kaufen. Diese werden aber nicht in Amazon danach suchen, sondern es eher beim örtlichen Buchhändler in der Auslage sehen und interessehalber mitnehmen. Und da sind die Möglichkeiten eines Selbstverlages ohne Marktmacht sehr begrenzt.

Empfehlenswert könnte der Versuch sein, freie Rezensionsexemplare an Zeitschriften zu schicken, wie Triona auch vorschlug:

Triona schrieb:
Ein Versuch wäre es vlt wert, eine vorgefertigte "Rezension" / werbende Inhaltsangabe an möglichst viele Stadtzeitschriften + Szenenmagazine (Prinz, Stadtstreicher, u.ä.), kostenlose Veranstaltungszeitschriften, Werbe-Wochenblätter, Feuilletonredaktionen (ZEIT/Zeitmagazin, FAS, Spiegel, Focus, Stern, usw.) zu schicken.

Vielleicht sind auch Frauenzeitschriften (Brigitte u. A.) einen Versuch wert. Die haben ohnehin keine Probleme damit, Werbung zu drucken. Die lokale Presse (mit einem Bericht über dich) könnte auch ein Versuch wert sein.

Kleinanzeigen (Trionas anderer Vorschlag) würde ich nicht machen. Da informiert sich niemand über Bücher, und farbige Hochglanzanzeigen sind zu teuer.

 

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Johanna schrieb:

Vielleicht sind auch Frauenzeitschriften (Brigitte u. A.) einen Versuch wert. Die haben ohnehin keine Probleme damit, Werbung zu drucken. Die lokale Presse (mit einem Bericht über dich) könnte auch ein Versuch wert sein.

Gute Ergänzung meiner Beispiele.
Ich würde es auch mal bei der EMMA versuchen.

Das gezielte Verschenken einiger Rezensionsexemplare ist allemal besser und wirkungsvoller, als das Verramschen oder gar Einstampfen einer größeren Restauflage.

Johanna schrieb:

Kleinanzeigen (Trionas anderer Vorschlag) würde ich nicht machen. Da informiert sich niemand über Bücher, und farbige Hochglanzanzeigen sind zu teuer.

Informiert werden die Leser ja auch über den redaktionellen Teil (Rezension).

Bei großen Verlagen, die ja großen Wert auf die "Unabhängigkeit" ihres redaktionellen Teils legen, reicht wahrscheinl auch ein freies Rezessionsexemplar oder es wird eh nix.
Kleinere hingegen + vor allem kostenlose Blätter sehen das sehr gerne. (eine Hand wäscht die andere.)
Müßte natürlich daneben stehen oder zumindest auf der selben Seite. Dort sind sie meist auch nicht ganz so teuer.
So funktioniert das zumindest bei technischen Erzeugnissen. (Wenn das Produkt wirklich auf Interesse bei den Lesern stößt oder dieses dadurch geweckt wird.)
Auf jeden Fall ist es immer besser, wenn man irgend jemand bei der Presse kennt. Entweder in der Anzeigenabteilung oder in der Redaktion.
Irgendwer dort muß das als eine gute Idee ansehen.

 

liebe grüße
triona

 

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Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Eure Vorschläge zu Rezensionsexemplaren an Zeitschriftenverlage und Zeitungen sind gut gemeint, aber teuer. Man muß wissen, daß die Verlage mit Büchern bombadiert werden und nur in den seltensten Fällen gelesen und/oder tatsächlich besprochen werden. Große Verlage mit hohen Auflagen können es sich leisten, da mal 500 Bücher durch die Welt zu schicken. Für einen kleinen Herausgeber im Selbstverlag ist das nicht möglich. Wenn, dann kann man wirklich nur ausgewählte Fachpublikationen bedenken oder die Verlage/Zeitschriften vorher gezielt anschreiben und anfragen, ob Sie an einem Rezensionsexemplar Interesse haben.

Die Idee mit einer kleinen Anzeige in einem Psychiaterblättchen fand ich ganz reizvoll. Die 100 oder 200 Euro könnten gut angelegt sein...

Natürlichkeit ist langweilig    

Johanna
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Roxanne schrieb:
Eure Vorschläge ... sind gut gemeint, aber teuer. Man muß wissen, daß ....

Das kann sein. Ich komme ja nicht aus der Branche, und ich habe keine eigenen Erfahrungen damit. Das waren ein paar Gedanken von mir, ohne Gewähr auf Erfolg.