Buch-Neuerscheinung: Telefonate mit Denise

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Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Ich finde, gerade für diejenigen, die noch nicht wissen, ob sie TS sind oder nicht, sind Lebensgeschichten oft nützlicher als irgendwelche wissenschaftliche Fachbücher. Weil sie bei den Lebensberichten sehen können, ob sie ähnliche Gefühle haben.

Der Klappentext sagt aber nur grob aus, worum es geht, er kann aber keine Auskunft geben, ob das Buch gut ist oder nicht. Vereinzelt gibt es aber auch Klappentexte, wo man sich fragt, ob der Autor des Textes das Buch jemals zu Gesicht bekommen hat. (Es ist allerdings nicht so schlimm wie manchmal bei den hier in China sehr billig erhältlichen DVDs, wo auch schon mal der Text zum falschen Film abgedruckt wird...)

Kalen
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dabei seit: 07.02.2007

Ich hab es gerade bestellt.
Bin gespannt auf die Telefonate.

Leider liest die Allgemeinheit sowas nur selten, die Leserschaft wird also wohl begrenzt sein.

Mal sehen as so nettes drinsteht.

Ich befinde mich auf einer Reise www.transseelische-reise.de . Two-Spirit ein alter Weg, der gerade wiederentdeckt wird.Welchen Weg wir auch wählen, es wird der eigene individuelle Weg sein, wenn er aus uns "selbst" kommt.

maramuenchen
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dabei seit: 16.12.2007

Ich glaub nicht, dass ein Buch von jemand, der bei so menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Blättchen wie BILD und WELT gelernt hat, was taugen kann.
Mara

seamstress
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dabei seit: 10.06.2007

Hallo Mara,

auch wenn ich der Springer-Presse auch nicht gerade freundlich gesinnt bin, so halte ich so ein Pauchalurteil für nicht gerechtfertigt und ziemlich daneben.

Wenn Du Dir das Buch nicht zu Gemüte führen willst, brauchst Du auch kein Urteil darüber abzugeben. Anderen mag es gefallen.

Grüße
Sabine

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It's a Barnum and Bailey world
Just as phony as it can be
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AnneTG
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dabei seit: 18.01.2005

Merkwürdig, dass dieses Buch hier im tt ausschließlich auf der Basis der Verlagsankündigung diskutiert wurde, und zwar vor seinem Erscheinen, dass sich aber bisher keine geäußert hat, die das Buch auch gelesen hat.

Nun denn, ich habe es gerade ausgelesen, so dass ich meine Eindrücke aufschreiben und nebenbei den Thread nach oben schieben kann (auf dass vielleicht noch die eine oder andere weitere Bewertung folgt).

Meine Meinung: Das Buch ist eindeutig besser als es die Postings in diesem Thread vermuten ließen. Es zählt zu den besseren deutschsprachigen Büchern zum Thema Transsexualität, was aber bei der oft geringen Qualität der deutschen TS-Literatur (im Unterschied zur englischsprachigen!) auch nicht besonders schwer ist.

Die Journalistin Jana Henschel lernt Denise kennen, ist fasziniert von ihrem transsexuellen Lebensweg und will mehr von ihr erfahren. Dazu führt sie lange und intensive Telefongespräche mit ihr und erfährt nicht nur ihren schweren Lebensweg, sondern sie entwickelt auch mehr und mehr Sympathie, ja sogar Bewunderung für sie. In den langen Telefongesprächen baut sich nach und nach eine enge Vertrautheit und Freundschaft zwischen den beiden auf.

Das Buch richtet sich vor allem an Menschen mit wenig Vorkenntnissen über TS. Man hat den Eindruck, dass die Autorin Jana Henschel, die im Hauptberuf Redakteurin bei der Frauenzeitschrift "Frau von Heute" ist, vor allem deren Leserinnen vor Augen hat. Sie stellt naive oder naiv scheinende Fragen, taucht darüber mehr und mehr in die ihr zunächst fremde Welt von Denise ein, beginnt, sie und ihren Lebensweg zu verstehen, entwickelt mehr und mehr Sympathie für sie und baut am Ende eine tiefe Fraundschaft zu ihr auf. Zu keinem Zeitpunkt lässt die Interviewerin Zweifel daran aufkommen, dass sie Denise voll als Frau und Freundin akzeptiert.

Das Buch eignet sich bestens als Geschenk für Freundinnen, Mütter, Schwestern, Kolleginnen und andere Frauen, denen wir die Innenwelt von TS näher bringen möchten. Für uns selbst beinhaltet es aber wenig Neues. Alle Themen, die im Buch angesprochen werden, sind hier im transtreff mehr oder weniger oft rauf und runter diskutiert worden.

Ich hätte mir auch an der einen oder anderen Stelle mehr Tiefgang und ein intensiveres Nachbohren gewünscht. Für meinen Geschmack wird das Buch an vielen Stellen auch zu emotional. Insgesamt stellt dies aber seine Qualität nicht in Frage. Wenn unsere unmittelbare persönliche Umgebung so viel Verständnis für uns mitbringen würde wie dieses Buch und seine Autorin, dann müssten wir hier viele Konflikte mit unserer Umwelt nicht mehr diskutieren.

Auch wenn ich inhaltlich wenig Neues erfahren habe, so kann ich doch sagen, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat und dass ich eine neue Geschenkidee gefunden habe.

Anne

P.S.: "Frau von Heute" gehört dem Springer-Verlag. Damit ist auch Jana Henschel bei Springer beschäftigt. Das Buch erinnert aber in keiner Weise an Bild oder an den Schreibstil oder an die journalistische Praxis, die man sonst oft an Springer-Zeitungen kritisieren muss.

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

off-topic...

AnneTG schrieb:
P.S.: "Frau von Heute" gehört dem Springer-Verlag. Damit ist auch Jana Henschel bei Springer beschäftigt. Das Buch erinnert aber in keiner Weise an Bild oder an den Schreibstil oder an die journalistische Praxis, die man sonst oft an Springer-Zeitungen kritisieren muss.

Ich persönlich meine, daß das große Verlagsprogramm des Springer-Konzerns so breit gefächert ist, daß man (ausser für ganz links oder rechts politisch Beheimatete) für jeden Geschmack etwas findet. Die Bild-Schiene ist m.E. nicht aussagekräftig für den ganzen Konzern und erscheint mir manchmal als ein Relikt von 1968..

Natürlichkeit ist langweilig    

seamstress
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dabei seit: 10.06.2007

Für alle Interessierten poste ich mal den Link zu einem Interview, das die Co-Autorin Denise Cline am 13.10.08 in der Radiosendung "Mensch, Otto!" auf Bayern 3 gegeben hat. Sie erzählt dabei über ihr Leben, vor allem natürlich unter dem Aspekt der Transsexualität.

Bayern 3, "Mensch, Otto!", 13.10.08 - Interview mit Denise Cline

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denise
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dabei seit: 05.10.2007

danke für den link. es ist doch immer wieder eine interessante erfahrung die stimme eines menschen real zu hören. es rundet das bild, dass sich im eigenen kopf beim lesen des buches aufgebaut hat, ab.

jana1965bs
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dabei seit: 22.10.2008

Ach, das Buch wurde hier schon diskutiert...ist mir beim Durchsehen der älteren Beiträge gar nicht aufgefallen.

Ich habe es selbst gelesen und fand es nicht schlecht. Ist absolut keine objektive, wissenschaftliche Abhandlung, aber das war mir auch von vornherein klar. Aber auch keine neutral erzählte Geschichte "Stationen meines Lebens". Ich finde, besonders die jeweilige Gefühlswelt von Denise kommt immer wieder sehr gut rüber, so gut dass es doch im Laufe der Zeit einiger Taschentücher bedurfte Smile

Liebe Grüße
Jana