Artikel in der WAZ

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Roxanne
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Unser ehemaliges Mitglied, BarbaraTV, macht mich auf folgenden Artikel in der WAZ aufmerksam:

Zitat:
Im falschen Körper
WAZ, 06.02.2008, Von Robert Gerlings

Ramona war Ingenieur, verheiratet, Vater - ein Mann. Aber einer, der sich stets als Frau gefühlt hat.Sie wählte die Frauenrolle: eine Entscheidung, die sie mit sozialem Abstieg und Ausgrenzung bezahlen musste

Ruhrgebiet. Fragen, nichts als Fragen, schwirren durch den Kopf. Wie fühlt sich das wohl an, jahrezehntelang als Mann durchs Leben zu laufen, obwohl Er innen drin immer eine Sie war? Erst im falschen Körper stecken, und dann im richtigen? - Irgendwo oben, draußen vor der Haustür, bewegt sich etwas. Eine Luke - "Momeeent, ich komme gleich" - das Fensterchen fällt sofort wieder zu, nichts mehr zu sehen. Warten. Dann geht die Tür auf. "Hallo, herein", sagt Ramona*. Eine Transsexuelle.

Der Händedruck - ganz schön fest. Sie ist groß, die Ramona, hat die Haare zum Zopf gebunden, sie ist nicht mehr die Jüngste. Aber sie lächelt, kleine Fältchen umspielen Mund und Augen, . . . - wie fühlt sich das wohl an, ständig so begafft zu werden? "Ich hab' es gelernt, Körpersprache genau zu lesen. Ich merke, wer meinen Blicken ausweicht, immer an mir vorbeiguckt." Und sie merke auch, wer ihr auf der Straße nachguckt, auch wenn sie hinten keine Augen im Kopf hat.

Dass Fremde neugierig sind, kann sie verstehen und erklären: "Das Thema elektrisiert, weil es immer auch die eigene Sexualität betrifft, das eigene Partnerbild, die eigene sexuelle Identität." Dennoch komme sie sich manchmal vor wie in einem Zoo - begafft, den "normalen" Menschen vorgeführt.

Das, sowie die permanenten Fragen, ist Ramona leid. Sie will Antworten lieber hören als selbst welche zu geben. Anfangs, da habe sie noch gekämpft, wollte den schweren Brocken aus Vorurteilen und Unwissenheit wegschieben, aber sie hat sich verhoben. "Ich habe resigniert."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begreift Transsexualität als
Krankheit, als eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung. Die Bezeichnung Krankheit findet Ramona schrecklich. "Diabetes - das ist eine Krankheit."
Sie spricht lieber von einer seelischen Behinderung, von einem
"Software-Fehler", einer Fehlprägung. Das klinge zwar auch nicht schön, aber das liege nur an der Einstellung des Gegenübers. Pervers sei sie, ja, in der Bedeutung von abgewandelt, aber der Begriff an sich sei ja besonders schlecht belegt. Und von Transsexualität "betroffen" ist sie auch nicht - betroffen macht sie "nur die Reaktion der Gesellschaft". Oder das Verhalten eines Ex-Freundes, der sie zwar besucht hat - aber immer nur nachts, damit keiner was sieht.

Den typischen Rollenkonflikt Transsexueller, die Entscheidung für eines der zwei Geschlechter zu fällen, beschreibt Ramona als Dilemma. "Das hat sehr viel mit Unglücklichsein zu tun." Vor der Entscheidung für die Frauenrolle sei sie als Mann unglücklich gewesen, und das sei sie nach dem Entschluss - und der ist unumkehrbar - geblieben, weil sie schlimm enttäuscht worden ist; auch von den Menschen, von denen sie gedacht hat, dass sie sie lieben. Und Ramona bringt sogar noch Verständnis dafür auf: Sie hätten Angst gehabt, weil "sie den Ansehensverlust nicht miterleiden wollten".

Vorher, da ist sie Ingenieur gewesen, mit Direktorengehalt, das Haus steht in guter Gegend - heile Welt. Heute hingegen spricht sie vom viel zu hohen Preis, den sie bezahlt habe, spricht vom sozialen Abstieg: "Je höher man steht, desto tiefer fällt man - bis auf das Niveau einer Hure." Für Sozialhilfe sei sie aber noch nicht genug verarmt.

Den Job hat sie verloren, und trotz Antidiskriminierungsgesetz auch wenig
Chancen auf einen neuen. Neulich hat sie sich auf eine Sekretärinnenstelle
beworben und ist nicht genommen worden. "Sicher, ich bin überqualifiziert, aber daran lag es nicht - sondern an den Unterstellungen, was sonst noch in meinem Leben passieren würde." Für Transsexuelle gebe es nur zwei Berufe, die die Gesellschaft toleriert - "in einer Travestie-Show, oder als Hure".

Über ihren Lebenslauf will sie nicht viele Worte verlieren, er sei nichts Besonderes, zumindest nicht für Transsexuelle. "Als kleiner Junge habe ich es gemerkt, hatte eine schwierige Pubertät, habe geheiratet, bin Vater geworden - und dann habe ich es nicht mehr ausgehalten" - der innere Druck habe den Deckel vom Topf gepustet. Das Outing kam spät, und das, sagt sie, sei charakteristisch. "In der Pubertät geht es ja auch darum, bloß nicht ausgegrenzt zu sein."

Hätte sie noch einmal die Wahl, würde sich Ramona nicht mehr für eine Seite entscheiden, sondern als transvestitischer Transsexueller leben, der je nach Situation in die verschiedenen Rollen schlüpfen kann. "Auch wenn transsexuellen Transvestiten oft vorgeworfen wird, letztlich inkonsequent zu sein - ich empfehle das jedem, der etwas zu verlieren hat. Ich stelle mir das schön vor, es nicht so kompliziert zu haben." Durch die schlechten Erfahrungen habe sie heute Gewissheit: "Ich kann keine Frau sein, sondern nur ein Mann, der sich wie eine Frau fühlt."

*Name geändert

Quelle: WAZ

Natürlichkeit ist langweilig    

andrea.stgt EX
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Zitat:
Im falschen Körper
WAZ, 06.02.2008, Von Robert Gerlings

Ramona war Ingenieur, verheiratet, Vater - ein Mann. Aber einer, der sich stets als Frau gefühlt hat.Sie wählte die Frauenrolle: eine Entscheidung, die sie mit sozialem Abstieg und Ausgrenzung bezahlen musste...

... Vorher, da ist sie Ingenieur gewesen, mit Direktorengehalt, das Haus steht in guter Gegend - heile Welt. Heute hingegen spricht sie vom viel zu hohen Preis, den sie bezahlt habe, spricht vom sozialen Abstieg: "Je höher man steht, desto tiefer fällt man - bis auf das Niveau einer Hure." Für Sozialhilfe sei sie aber noch nicht genug verarmt...

*Name geändert

Quelle: WAZ

... das ist bei mir einer der wesentlichen Punkte gewesen , über den ich mir im Vorfeld ausgiebig Gedanken gemacht habe ... ich habe für mich persönlich den sozialen Abstieg in Kauf genommen , um nun glücklich im Einklang meiner Selbst leben zu können ... denn kein Job und Geld der Welt vermag mir das zu zahlen , was ich leben darf ... ein Glückliches und Zufriedenes Leben ... auch wenn es nun bescheidener geworden ist , so bin ich doch reicher an neuen und wahren Freudinnen und Freunden geworden ... einfach unbezahlbar ...

Liebs Grüßle
Andrea

jasminchen
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Hi,

"Ich kann keine Frau sein, sondern nur ein Mann, der sich wie eine Frau fühlt." Was anderes sagt F 64.0 auch nicht.

Wenn jemand diese Psychokacke verinnerlicht, ist er selber schuld, dass er scheitern muss.

Ich BIN eine Frau bzw. Mädchen. Das ist der kleine, aber feine Unterschied. Das Medizinsystem kann mich mal kreuzweise.

LG Jasmina

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Sama79
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dabei seit: 10.11.2006

Roxanne schrieb:

Zitat:
Im falschen Körper
WAZ, 06.02.2008, Von Robert Gerlings

[...]

Hätte sie noch einmal die Wahl, würde sich Ramona nicht mehr für eine Seite entscheiden, sondern als transvestitischer Transsexueller leben, der je nach Situation in die verschiedenen Rollen schlüpfen kann. "Auch wenn transsexuellen Transvestiten oft vorgeworfen wird, letztlich inkonsequent zu sein - ich empfehle das jedem, der etwas zu verlieren hat. Ich stelle mir das schön vor, es nicht so kompliziert zu haben." Durch die schlechten Erfahrungen habe sie heute Gewissheit: "Ich kann keine Frau sein, sondern nur ein Mann, der sich wie eine Frau fühlt."

Quelle: WAZ

Nein, das könnte ich mir für mich persönlich nicht vorstellen. Als transvestitischer Transsexueller...dann hätte ich ja weiter dasselbe Problem wie vor einigen Monaten noch gehabt. Jetzt mit dem Outing ist vieles besser - vor allem seelisch. Klar gibt es Einschränkungen. Aber ich glaube nicht, daß die Chancen, die ich als Mann gehabt hätte, überwiegen. Mein Wohlbefinden ist mir dafür viel zu wichtig.

Schade, aber diese Person hat wahrscheinlich einfach Pech gehabt.

seamstress
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dabei seit: 10.06.2007

jasminchen schrieb:
Wenn jemand diese Psychokacke verinnerlicht, ist er selber schuld, dass er scheitern muss.
Ich BIN eine Frau bzw. Mädchen. Das ist der kleine, aber feine Unterschied. Das Medizinsystem kann mich mal kreuzweise.

Cveta im TG-Forum schrieb:
Hi,
davon, dass man sich von seinen Therapeuten und Ärzten Honig um den Mund schmieren lässt, sieht die Außensicht auch nicht besser aus. Ich erliege ja manchmal auch meiner Selbstillusion. Ich bin genauso Frau wie ich ein Igel bin.
LG Cveta

Hallo Cveta,
du wechselst ja deine Ansichten am laufenden Band. Oder war das im TG-Forum doch nur ein Provo-Thread? Ich würde mir wünschen, du mögest manchmal nachdenken bevor du schreibst...
:roll:

Sabine

__________________________
It's a Barnum and Bailey world
Just as phony as it can be
But it wouldn't be make-believe
If you believed in me

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

seamstress schrieb:
jasminchen schrieb:
Wenn jemand diese Psychokacke verinnerlicht, ist er selber schuld, dass er scheitern muss.
Ich BIN eine Frau bzw. Mädchen. Das ist der kleine, aber feine Unterschied. Das Medizinsystem kann mich mal kreuzweise.

Cveta im TG-Forum schrieb:
Hi,
davon, dass man sich von seinen Therapeuten und Ärzten Honig um den Mund schmieren lässt, sieht die Außensicht auch nicht besser aus. Ich erliege ja manchmal auch meiner Selbstillusion. Ich bin genauso Frau wie ich ein Igel bin.
LG Cveta

Hallo Cveta,
du wechselst ja deine Ansichten am laufenden Band. Oder war das im TG-Forum doch nur ein Provo-Thread? Ich würde mir wünschen, du mögest manchmal nachdenken bevor du schreibst...
:roll:

Sabine

Hallo Sabine,

ich liebe die Stilmittel der Ironie und Satire. Damit wollte ich nur die Absurdität der Diagnose F 64.0 darlegen. Erstens bin ich mit TS nicht geistesgestört (ICD 10 F-Kategorie). Zweitens kann ich mich nicht für etwas halten, was ich hirnorganisch schon seit mit Geburt bin und seit meiner gaOP erst recht ohne jeden Zweifel.

LG Jasmina

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Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Aha.

Und woher weisst Du das mit der Hirnorganik bei Dir? Hast Du Dein Gehirn untersuchen lassen?

Du weißt ja, wie das abläuft - das Gehirn wird seziert; die BSTc-Region wird unter dem Mikroskop untersucht. Vorher muss das Gehirn amputiert werden. Bist Du Dir immer noch sicher, dass Du erwiesenermaßen hirnorganisch weiblich bist :mrgreen: ?

Viele liebe Grüße

Beate 

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Beate_R schrieb:
Aha.

Vorher muss das Gehirn amputiert werden. Bist Du Dir immer noch sicher, dass Du erwiesenermaßen hirnorganisch weiblich bist :mrgreen: ?

Hallo Beate,

dann stelle ich halt nach meinem Ableben der Uniklinik Amsterdam mein Gehirn zu Verfügung, wenn bis dahin keine neuen Beweise gefunden wären.

LG Cveta

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jana-cd
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dabei seit: 18.02.2007

Man, man, man,

ist doch (leider) immer wieder zu beobachten:

Es wird ein neuer Beitrag eingestellt, die Diskussion fängt themenbezogen an und geht dann in die persönliche Schiene.

Ist es denn hier nicht möglich, dass jeder seine Meinung sagen kann, ohne gleich in der Luft zerrissen zu werden? Wo ist die Toleranz geblieben? Es entsteht mir der Eindruck, dass hier bei TT einige sind, die für sich Toleranz erwarten, selbst aber nicht bereit sind, diese Toleranz anderen gegenüber zu geben. Ist schon echt schade, denn eigentlich geht es hier im TT doch allen um das gleiche Thema - oder hab ich da was falsch verstanden?

Kommt es hier auf die hirnorganische Auslegung an? Gute Transen können nur die sein, die mit weiblichen Hirnen gesegnet sind? Das ist doch wie im Kindergarten, wenn die Mädchen nicht mit den Jungen spielen wollen.
Bin ich schlecht, weil ich mich "nur" als CD verstehe? Kann ich deswegen nicht weiblich denken? Vielleicht denke ich weiblicher als andere hier oder manch Biofrau.

Leute, lasst die Kirche im Dorf und mich leben, denn ich finde es schön, hier zu sein und Gleichgesinnte gefunden zu haben.

Übrigens hatte ich das Vergnügen, BarbaraTV kennen zu lernen und sag schon mal Danke an Roxanne, dass sie diesen WAZ-Artikel eingestellt hat.
Manche scheinen nicht begriffen zu haben, welcher Sinn hinter dem Artikel gesteckt hat...

In diesem Sinne...
Liebe Grüße an alle von der Jana

andrea.stgt EX
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dabei seit: 12.09.2006

... ich würde einfach mal sagen , das der Artikel zum Denken anregen soll , das es sich lohnt über seinen eigenen Weg und die Möglichkeiten nachzudenken die wir alle in den veschiedensten Lebensmodellen finden können ... manche haben wohl das nicht ganz passende Modell gewählt ... meine Achtung vor denen die in der Lage sind dies zuzugeben und versuchen trotz alle dem das Beste daraus zu machen , was wohl einige nicht können obwohl sie begriffen haben , einen Fehler gemacht zu haben ...