Zum Thema längere Laufzeiten für AKW

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Beate_R
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Michi_2 schrieb:
... dass das Salz wasserdicht bleibt....

Und vor allem nicht thermisch mobilisiert wird und die nächstbeste Mikrospalte aufweitet, um sich weiter Raum zu verschaffen.

Der Hochschwarzwald dürfte viel besser geeignet sein (Granit... wurde auch schon mal diskutiert und in der Schweiz sogar praktiziert). Vor allem kann der Atom-Mappus dann mal zeigen, ob er in Wahrheit nicht vielleicht dem Sankt-Florians-Prinzip huldigt.

Viele liebe Grüße

Beate 

claudiaw
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War mal Anfang der 90er verantwortlich für die bergmännische Planung eines geplanten Endlagers in England ... habe dabei soviel über Atomenergie mitbekommen, dass ich zum absoluten Gegner dieser Energieform geworden bin! Ich kenne derzeit keine geologische Formation, wo man den Abfall nach menschlichem Ermessen sicher unterbringen kann:

- im Granit: viel zu viele Risse, so dass noch zusätzlich zum Einlagerungsbehälter ein zweiter Schutzgeschaffen werden muss, um diesen vor Wässern zu schützen ... na gut, aber die Schweden und Finnen machens ... direkt unter der Ostsee und Wasser ist ja 'n guter Neutronenfänger ...

- im Salz: durch kein geophysikalisches Verfahren ist bis heute feststellbar, ob sich direkt neben einem Einlagerungsbohrloch nicht ein Gas- oder Wasser(Sole)-Einschluß befindet ... was passiert, wenn es hier bei der Einlagerung von hochradioaktiven, verglasten Stoffen (T=~200°C) zu einer Umläufigkeit kommt, daran wage ich nicht zu denken; nebenbei: solche Salzstöcke wie z. B. in Gorleben sind ja keineswegs homogen, sondern man findet dort auch noch alle möglichen Einschlüsse von Kohlenwasserstoffen, was schon bei der Verbindung der beiden Schächte zu Konstruktionen bei den Fahrzeugen für die Auffahrung führte, die nach Ex1 und Ex2 zertifiziert sein mussten; darüber hinaus kenne ich eigentlich kein Salzbergwerk, welches nicht Problem mit Zuflüssen hätte - z. B. auch die, in die heute munter sog. Problemabfälle eingelagert werden ... 

- im Erz (Schacht Konrad): ein tolles, homogenes, standfestes Gebirge aus oolithischem Eisenerz mit dem Schwachpunkt, dass man sich bisher aus Kostengründen erspart hat, was bei "normalen" Salzbergwerken eigentlich üblich ist, nämlich die beiden Schächte mit sog. Vorbausäulen zu versehen

- im vulkanischen Tuff: die USA fahren da ein Grubengebäude im Westen der Nuclear Test Site auf (Yucca Mountain); eigentlich nicht schlecht, wenn nur der kleine und gar nicht so alte (in geologischen Zeiträumen) Vulkankegel in der Nähe wäre (kann man sich alles bei google earth angucken)

- im Ton: vielleicht noch die beste geologische Formation, da bestimmte Tone selbstabdichtend wirken - habe ich allerdings keine Erfahrung mit.

Politisch geshen bin ich der Meinung, dass sich die größten Schreihälse pro Atomenergie auch in ihrem direkten Hinterhof um die sichere Entsorgung kümmern sollten; die großkotzigen Typen aus dem Süden sind aber schon einmal in Wyhl und Wackersdorf gescheitert und die Länder dort werden wohl bald grün regiert werden, wenn die sowas wie 'ne Endlagerung dort anfangen wollen (wär auch nicht sinnvoll, da Süddeutschland viel erdbebengefährdeter ist, als der Norden der Republik)

und - diejenigen die's betrifft - Atomkraftbefürworter halte ich als Ingenieur heute einfach nur noch für nicht genügend informiert oder einfach verblendet!

Zonja ich gebe zu, dass durch die Kohleverbrennung mehr Radioaktivität in die Umwelt kommt, als durch den BETRIEB von AKW's - nur wenn man sich die Gesamtbilanz anguckt, nämlich die Erzgewinnung z. B. in Afrika mit einschließt, sieht's schon gar nicht mehr so gut aus. Für mich heißt deshalb Nutzung von Solarenergie (dierkt oder über den "Umweg" Wind+Wasser oder Wasserzerlegeanlage (Wasserstoffwirtschaft) sowie Energieeinsparung das Gebot der Stunde. 

Glückauf

Claudia

claudiaw
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dabei seit: 18.12.2004

Zonja,

warum ist die technisch wissende Intelligenz bei Anti-Atom-Kraft Demos nicht dabei ...?

Für mich persönlich als einer der Adressaten sehr einfach zu beantworten: weil für mich dort auf der einen Seite das - durchaus richtige (!) - gefühlte Argument einer oft diffusen und nicht klar artikulierbaren Gefährlichkeit gegen knallharte, wirtschaftliche Interessen steht ...

in diesem Spannungsfeld, wo schon der gesunde Menschenverstand meist ausgeschaltet wird, hat man als weitgehend rational argumentierender Mensch i. e. Ingenieur kaum eine Chance und hält sich halt so lange raus, bis diese Chance kommt ...

Beispiel: guck' Dir doch K21 an: da ist derzeit alles so ideologisch festgefahren (Baumbesetzer gegen Bahnhofsabreisser aus Prinzip), dass kaum eine Seite rationalen Argumenten zugänglich ist ... erst wenn man die Baugrube entwässert und die Tunnel durch den Stuttgarter Karst bohrt, wird man feststellen, was für'n - IMHO teilweise wirklich gefährlichen - Scheiss man geplant hat ...

Meine Erfahrung hat mir gezeigt: viele Menschen werden erst durch PERSÖNLICHE Erfahrung klug ...

Dass das in unserem Gemeinwesen immer wieder Milliarden kostet müssen wir wohl hinnehmen ...

Glückauf

Claudia

 

 

Brigitte
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dabei seit: 22.07.2008

Roxanne schrieb:

Schade, daß es so unmoralisch ist, den Atommüll woanders zu entsorgen. In der Sahara gäbe es Staaten, die das Zeug gegen Gebühr liebend gern im Sand verbuddeln lassen würden...Cool

Hallo,

Nordafrika hat schon bei den französischen Atomtests genug Radioaktivität abbekommen.

Brigitte

Chantal-TS EX
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Roxanne schrieb:
Schade, daß es so unmoralisch ist, den Atommüll woanders zu entsorgen. In der Sahara gäbe es Staaten, die das Zeug gegen Gebühr liebend gern im Sand verbuddeln lassen würden...Cool

Radioaktivität macht an Grenzen nicht halt und ist sehr heimtückisch, da man keinerlei Empfindung für Teilchen oder Energiestrahlung hat. Folgeschäden sind nie im Zusammenhang mit der Verstrahlung zu empfinden. Denken wir an Hiroschima, Nagasaki und Tscherobyl und wie sich hundert Tausende verhalten haben. Sie sind dort geblieben und selbst 1986 mit all unserem Wissen, wollten sich viele Russen der Rettung durch "Deportation" entziehen.

Man muss, wie Claudia es schon sagte, sehr zwischen Betrieb und Gesamtrisiko unterscheiden. Und viele vergessen den eigentlichen Sinn der Atomkraftwerke. Es ging auch um Plutonium für Bomben, auch darum die hohen Forschungsgelder.

Mit lieben Grüßen

 

Zonja EX
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dabei seit: 09.02.2008

Ist ja alles richtig, -  was die Kernenergie betrifft, bin ich ja prinzipiell eurer Meinung. Ich will sie auch um Gottes Willen nicht verharmlost sehen.
Aber auch in euren Reaktionen fehlen mir wieder die vergleichenden Werte/Bewertungen zwischen Kernenergie und fossiler Energie.

Liv schreibt zur Kernenergie:
...wie entsorgen (sagenhafte Wortschöpfung, so niedlich!) wir eigentlich den Atommüll?

Bestimmt ein großes, zukunftsträchtiges Problem. - ABER: Wie/Wo entsorgen wir denn seit ...zig Jahren und künftig die Abgase der fossilen Kraftwerke? Und wo/wie deren thermische Überproduktion?

...Radioaktivität macht an Grenzen nicht halt und ist sehr heimtückisch, da man keinerlei Empfindung für Teilchen oder Energiestrahlung hat.

Auch richtig. - ABER macht die Klimaerwärmung vor Grenzen Halt? Stoppen die Abgase an Staatsgrenzen? Und wie empfinden wir im Alltag aktuell die Abgasteilchen und deren gesundheitlichen Schäden für uns persönlich?

Michi_2 schreibt:
...Was mich am meisten stört ist die Idee, das Zeug möglichst tief einzubuddeln. Wer weiß, wie in 5.000 Jahren die Zivilisation drauf ist,...

Stört mich auch. - ABER: Wie weit wird sich bis dahin unser Globus als Folge der bisher schon vollzogenen(!) Umweltschäden durch die verdeckte/schleichende Entsorgung der Rückstände fossiler Energiegewinnung lebensfeindlich entwickelt haben? Und wieweit wird diese Entwicklung überhaupt reparabel sein? Ist sie überhaupt noch zu stoppen, wenn z.B. die ersten Methane aus den oberen 10 cm Permafrost-Böden entweichen?

Chantal schreibt zur Kernenergie:
Die sind dabei, gehen aber in der Menge anderer unter. Natürlich sind die dabei. Physiker, Geologen, Ingenieure.

Natürlich sind auch solche dabei, keine Frage. ABER: Verschwindend wenige (die zudem auch "ihre" Interessen dabei vertreten). Die riesengroßegroße Mehrheit phyikalisch-technischer Fachleute verschwendet sich lieber in Leserbriefen großer Tages- und Wochenzeitungen, Fachbüchern und Fachartikeln; sachkundige Argumentationen im Bereich Physik sind nämlich für die Masse leider schwer zu verstehen, deswegen aber nicht weniger richtig und ehrlich. Und die Fachleute verharmlosen ja auch nicht die Kernenergie; sie betten die Notwendigkeit der Kernenergie in das vorläufig noch gültige Energiekonzept nur mit anderen Prioritäten und horizontalen Sichtweisen ein: Vergleichend und abwägend mit anderen Energiequellen, wobei leider die fossile Energiegewinnung so beurteilt wird, wie sie den Zukunftsvergleich nun mal eben nur (und ideologiefrei) verdient hat.  

Wer sich länger mit dem Thema beschäftigt kommt sehr schnell zu einer eindeutigen Meinung.

Das ist schon sehr kräftig daneben; ist also jeder Dr.Ing. und Prof. Dr. rer. nat. und naturwissenschaftlich gebildeter Mensch nur deshalb für die Kernenergie, weil er sich "nicht lange genug" mit dem Thema beschäftigt haT?!

claudiaw schreibt zur Kernenergie:

War mal Anfang der 90er verantwortlich für die bergmännische Planung eines geplanten Endlagers in England ... habe dabei soviel über Atomenergie mitbekommen, dass ich zum absoluten Gegner dieser Energieform geworden bin! Ich kenne derzeit keine geologische Formation, wo man den Abfall nach menschlichem Ermessen sicher unterbringen kann:

Das kann ich nachvollziehen; ich weiß auch um die Gefahren + Probleme der Entsorgung bzw. Endlagerung..
ABER: WO und WIE bringt man "nach menschlichem Ermessen" die gasförmigen und thermischen Abfälle der fossilen Verbrennungskraftwerke unter? Wo/Wie in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft?!

Es sind übrigens die Ölkonzern-Chefs(!), die gerade jetzt weltweit beginnen, die Gefahren des fortlaufenden Ölkonsums zu beschwören! Und die Biologen, Geologen, Klimatologen, Glaziologen, ... stimmen voll mit ein. Und oh Wunder: Diese Leute favorisieren (als Brückenlösungen bis zu ausreichenden alternativen/umweltfreundlchen/nachwachsenden Energiequellen) unbedingt die Kernenergie.
Und auch die Ökologen spielen dieselbe Saite, wenn auch aus anderen - hier noch gar nicht genannten - Gründen: Fossile Stoffe sind quasi die einzigen Rohstoffe der gesamten organischen Chemie. Unsere Lebensart und -qualität wäre ohne Fossilien schlagartig unmöglich. Und diese wenigen und zeitlich nur noch sehr(!) begrenzt zur Verfügung stehende fossilen Rohstoffe verbrennen wir in unvorstellbaren Maßen, um die Stube zu heizen, den Haarföhn zu betreiben und Licht im Keller zu machen und Auto zu fahren (auch "Elektro"-Autos verbrauchen fossile Stoffe).

Das Thema ist zu komplex, um es hier qualifiziert zu debattieren. - Ich habe es nur angeschnitten, weil mich die Einseitigkeit der öffentliche Energiedebatten gegen Kernkraft gewaltig auf den Zeiger geht; gar nicht mal so sehr die fachlichen Argumentationen, sondern vielmehr die dilettantisch-ideologiosch orientierte Diskussion. Und das totale Auslassen der fossilen Energien in der vergleichenden Bewertungen mit der Kernenergie ist ein Dumm-Halten des Volkes ohne Gleichen, die mich auch stört. Ich verherrliche nicht die Kernenergie, aber ich erlaube mir, sie im Vergleich zu fossilen Energei zu bewerten, auch und gerade als sehr aktiver und tätiger Umweltfreund und -schützer.

Abschließen das Wort zum Sonntag: "Gott schütze uns vor Rassismus, Kommunismus, Nationalsozialismus, Kapitalismus, Political Korrektness und gelebter Ideologie."

Zonja hat fertig.

 

 

 

 

Chantal-TS EX
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dabei seit: 22.08.2010

Darum haben wir als Alternativen ALLE ausschließlich die Sonnenenergie basierte Stromerzeugung bevorzugt.....

Nur weil die Verbrennung von ÖL, Kohle und Gas auch dämlich ist, rechtfertig das nicht die Entlagerung.

Liv-Marit Norton
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dabei seit: 13.02.2006

Zonja schrieb:
Abschließen das Wort zum Sonntag: "Gott schütze uns vor Rassismus, Kommunismus, Nationalsozialismus, Kapitalismus, Political Korrektness und gelebter Ideologie."Zonja hat fertig.

Da sagst Du etwas Wahres, liebe Zonja ! Smile .....und überhaupt, sind wir Menschen eigentlich mehr als ein Darmendgeräusch in den unendlichen Weiten des Weltalls (wenn überhaupt!!) ?? Nehmen wir uns einfach nicht so ernst, wir vernichten uns ja so oder so, aber bis dahin....... Wink

Liebe Grüße

Liv- Marit

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !