Was ist eigentlich 'weiblich'?

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Lennon
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dabei seit: 07.05.2011

Das ist eine Frage, die ich mir als Cis-Frau seit Beginn der Pubertät stelle.

Was genau ist eigentlich weiblich? Kochen, putzen, Kummerkasten spielen (Mama-Rolle), schminken, frisieren, shoppen, heiraten, auf Kinder und Ehe fixiert sein usw.?

Ihr habt da noch einmal einen ganz anderen Blick, da ich weiblich sozialisiert wurde.

Also: Was ist für euch 'weiblich'?

Kerstin Sonsbeck
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dabei seit: 09.12.2009

Hi Lennon,

das ist eine sehr gute Frage. Nich alles was typischerweise nur Frauen machen ist automatisch typisch weiblich. Eigentlich kann man gar nicht sagen das irgendeine Tätigkeit weiblich ist. Das sind alles nur Clichees und (veraltete) Erwartungen. Das meiste ist anerzogen. Wie Du schon selber über Dich gesagt hast, bist Du weiblich sozialisiert, die meisten Männer eben männlich. Alles was Du aufgezählt hast können auch Männer machen.

Das Körpergefühl ist anders, die Sichtweisen und dadurch auch das Denken. Einiges ergibt sich auch aus der Anatomie. Gebürtige Männer können leider keine Kinder gebären. Wenn unsere Gesellschaft das nicht als unmännlich stigmatisieren würde und es medizinisch möglich wäre, dann würde ein nicht kleiner Teil der Männer die Kinder auf die Welt bringen, da bin ich mir sicher.

 

Liebe Grüße,

dat Kerstin Wink

 

Nicht Anzüge, sondern Kleider machen Leute!

Hier gibts so einige Bilder von und mit mir:

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Lennon
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dabei seit: 07.05.2011

Das Körpergefühl und Sichtweisen anders sind ist für mich nachvollziehbar, aufgrund der Anatomie und der Sozialisation. Aber ich bin mir noch immer unsicher was das Denken angeht. Stellen wir uns mal vor wir würden in einer androgynen Gesellschaft leben, in der Kinder jeden Geschlechts gleich sozialisiert werden. Gäbe es da dennoch Denkunterschiede?

Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

Ich argumentiere mal mit einem Umkehrschluss: Wenn es irgendwelche per Test nachweisbaren Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Denken gäbe, dann könnte TS diagnostiziert werden, ohne sich auf die Selbstaussagen der Patienten zu stützen.

tanjak
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dabei seit: 08.03.2005

Diesen gedanken was ist männlich was ist weiblich kann man gar nicht genau definieren weil es jeder mensch anders sieht.
Für die einen ist es wichtig was zwischen den Beinen ist und die machen daran fest ob man Mann oder Frau ist. Für die anderen sind es die Denkweise und Handlungsweise die einen Mann oder eine Frau ausmachen.

Auch denken da Frauen und Männer unterschiedlich würde ich sagen. Ich mache derzeit die Erfahrung das Männer irgendwie es nur daran fest machen was zwischen den Beinen ist bzw war.

Wenn ich mich mit Frauen unterhalte und mit denen etwas unternehme bin ich eine Frau egal ob die von meiner Vergangenheit wissen oder nicht den meisten ist das egal. bei Männern ist das ehr umgekehrt die sehen und behandeln mich solange als Frau wie sie von meiner Vergangenheit nichts wissen. So bald das aber mal raus kommt ist man für die meisten plötzlich wieder ein Mann auch wenn das Teil zwischen den Beinen gar nicht mehr da ist. SInd das anerzogene verhaltensweisen? Ich denke nicht denn ich glaube nicht das die Eltern oder die Gesellschft Männer daruaf vorbereitet. Es sind ehr irgendwelche Gedanken oder Ängste die das ausmachen. bei Männern denke ich da an eine Homophobie. Weil schwul sein ist ja Bähh.

ich denke wenn alle Androgyn wären und auch so erzogen bzw Sozialisiert werden, würde sich die frage nach Mann und Frau nicht stellen.

 

Andrea Joy
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dabei seit: 04.10.2007

Also: Was ist für euch 'weiblich'?

Zur Frage Lennon...ja genau, das kommt immer darauf an in welchem Zusammenhang und Situation sich diese Frage stellt um das zu beantworten. Das hängt aber auch davon ab welchen denkbaren Freiraum man zulassen kann oder will.

Ist es eine sehr konkrete Frage oder weitreichender?    Das ändert sich mit dem weiteren Bewußtwerden ja sicher. (bzgl.Pubertät)                                                                                                                                                                                                                                          Mal angenommen, soll ich als transseuelle Persönlichkeit mich zB. beim Psychologen oder Gutachter als weiblich beschreiben oder möchte ich zB.versuchen die Frage mehr allgemeingültig zu beantworten?

Entspricht solch eine Beantwortung eher einer individuellen Selbsteinschätzung oder versucht man eine Antwortsbeschreibung über das gesamte Spectrum der Frauen der Weltgeschichte. Es gibt ja nun die unterschiedlichsten Faktoren die man miteinbeziehen kann. (Zeitraum/ Kulturkreis etc.)

Welches Ziel/ Ergebnis soll ich mit der Beantwortung erreichen?  Welche persönlichen Prägung erkennst Du als wirklich... selbst? ...  antworte ich jetzt als Gegenfrage!

Du schreibst auch: ..., da ich weiblich sozialisiert wurde. Was bedeutet das denn nun konkret nun für Dich?

Ebenfalls schreibst du:  Ihr habt da noch einmal einen ganz anderen Blick, ... Hm..., den anderen Blick haben "Andere" aber immer auch ganz unabhangig davon wie Du bist.

 


...sicherlich nur... bis der Mensch, die ganze Vielfalt der Schöpfung, auch als Eine Ganzheit erkennt.

LG Andrea

 

 

Das Licht ist das Leben, das Sein ist es Selbst. Die Dunkelheit vermag das Licht nicht zu löschen, doch das Licht erhellt die Dunkelheit! Das Beste ist: Da zu sein, während man unterwegs ist http://www.myspace.com/abelectriclove&

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Michi_2 schrieb:
Ich argumentiere mal mit einem Umkehrschluss: Wenn es irgendwelche per Test nachweisbaren Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Denken gäbe, dann könnte TS diagnostiziert werden, ohne sich auf die Selbstaussagen der Patienten zu stützen.

Solche Unterschiede sind mittlerweile statistisch(!) per Hirntomografie erwiesen. Die Trennschärfe lässt aber wohl noch arg zu wünschen übrig. Immerhin ist die grundsätzliche Nachweismöglichkeit hierüber wohl gegeben.

Liebe Grüße,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

jasminchen
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tanjak schrieb:
So bald das aber mal raus kommt ist man für die meisten plötzlich wieder ein Mann auch wenn das Teil zwischen den Beinen gar nicht mehr da ist. SInd das anerzogene verhaltensweisen? Ich denke nicht denn ich glaube nicht das die Eltern oder die Gesellschft Männer daruaf vorbereitet. Es sind ehr irgendwelche Gedanken oder Ängste die das ausmachen. bei Männern denke ich da an eine Homophobie. Weil schwul sein ist ja Bähh.

 

Männer entlassen halt nicht aus der Gemeinschaft der Männer, einmal Mann, immer Mann. Darum will ich mit einigen Ex-Bekannten auch nichts mehr zu tun haben.

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Lennon
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dabei seit: 07.05.2011

@tanjak

Ich denke schon, dass z.B. Homophobie anerzogen ist. Wenn in deinem Umfeld nur normatives Verhalten vorgelebt und andere Lebensweisen völlig ausgeklammert werden, so ist eine Homophobie wahrscheinlicher, als wenn die Eltern einem vermitteln, dass es z.B. auch gleichgeschlechtliche Paare gibt. Oder allein die Prägung in ein bestimmtes geschlechtsspezifisches Verhaltensmuster. Wenn ein Mann von klein auf gesagt bekommt, dass Jungs kurze Haare haben, nicht weinen dürfen, sich prügeln anstatt zu diskutieren, irgendwann mal ne Frau heiraten um Kinder zu machen etc. Dann wird DAS auch sein Weltbild festlegen und sobald da Jemand aus der Reihe tanzt, wird er Denjenigen als Bedrohung oder zumindest als 'krank' ansehen.

Ich kenne durchaus Männer, die weder mit Transvestiten, Transsexuellen, noch Homosexuellen Probleme haben, weil sie Gelegenheit bekamen sich ein eigenes Weltbild zu erstellen, dank einer recht liberalen Erziehungsstruktur.

 

@Andrea

Als 'weibliche Sozialisation' würde ich bei mir bezeichnen, dass meine Eltern mich in einen Kochkurs und ins Ballett schickten, ansatt zu Fußball und Handwerken, als ich ein Kind war. Oder das mir beigebracht wurde immer viel zu lächeln und hübsch auszusehen. Auch wurde ich früher nicht gefragt was ich beruflich mal machen will, sondern wieviele Kinder ich möchte. Obwohl meine Familie immer sehr liberal war, so gab es doch eine eindeutige Geschlechtertrennung. Papa ist mit seinen Kumpels zum Sport und in ne Kneipe gegangen und Mama hat mit den Nachbarinnen zuhause Sherry getrunken oder sich mit anderen Müttern zum Kaffee verabredet. Papa war arbeiten - Mama war Hausfrau.

Ich bin fest überzeugt davon, dass meine Erziehung völlig anders verlaufen wäre, wenn ich als Junge geboren wäre.

Was den 'anderen Blick' angeht, so beziehe ich mich auf diese Sozialisation/Konditionierung. Eine Transfrau mag ein weibliches Gehirn haben, jedoch wurde sie (im Normalfall) männlich sozialisiert.

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Lennon schrieb:
Was den 'anderen Blick' angeht, so beziehe ich mich auf diese Sozialisation/Konditionierung. Eine Transfrau mag ein weibliches Gehirn haben, jedoch wurde sie (im Normalfall) männlich sozialisiert.

 

Frage ist, wie weit sich das gefallen zu lassen. Judokurs habe ich abgebrochen.

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

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http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Minolfa
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Petra-Susanne schrieb:
Solche Unterschiede sind mittlerweile statistisch(!) per Hirntomografie erwiesen. Die Trennschärfe lässt aber wohl noch arg zu wünschen übrig. Immerhin ist die grundsätzliche Nachweismöglichkeit hierüber wohl gegeben.

Wie Petra schrieb, liegen TS-Gehirne in den bisher bekannten Studien statistisch eher beim Zielgeschlecht (insbesondere bei Transfrauen). Die Streubreite innerhalb des jeweiligen Cis-Geschlechts ist aber so groß, dass für Einzelindividuen keine Aussage gemacht werden kann. Es läuft auf das gleiche Prinzip hinaus wie "Mädchen spielen statistisch eher mit Barbie-Puppen als mit Baggern". Der Umkehrschluss funktioniert halt nicht: Wer mit Barbie-Puppen spielt, ist nicht zwingend ein Mädchen - sondern nur wahrscheinlich.