Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg

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Fabienne
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dabei seit: 19.02.2005

Ich war gestern auf meiner 11. Loveparade und je mehr Bilder ich jetzt in den Nachrichten sehe, um so mehr Augen über bestimmte Verhaltensweisen der Teilnehmer werden mir geöffnet. Sowas hab ich noch nie erlebt.

Ich war mit einem Freund ziemlich frühzeitig vor Ort und das mit dem Auto, weil ich keinen Bock mehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel hatte, die eh immer zusammenbrechen, wenn eine Parade im Pott ist. Früh da sein, weil der geilste Moment einer jeden Loveparade ist, wenn um Punkt 14:00 zeitgleich sämtliche Boxen anfangen zu wummern. Das ist reinstes Gänsehaut-Feeling. Die Katastrophe haben wir erst ziemlich spät, als die Tochter von meinem Freund besorgt via SMS eine Nachricht schickte, mitbekommen, da dachten wir aber noch an Drogentote. Wir haben zwar viel Polizei und Rettungskräfte gesehen, die wir aber für normal empfanden. Wir konnten uns nur nicht die schwarzen Polizeiautos der Landes-SEK erklären. Jetzt wissen wir, dass die Ministerin des Landes NRW vor Ort war. Wir haben einige Leute weinend gesehen, dachten da jedoch an einen moralischen Moment auf Drogen oder Alkohol begründet.

Da ich das Gelände dieser Industriebrache von gelegentlichen Fototouren sehr gut kenne, konnte ich mir von Anfang an nicht vorstellen, wie da über 1 Mio Leutz drauf passen sollten. Da wurde zwar mittlerweile einiges planiert, aber viel grösser als ein grosses Fussballstadion ist das Ding auch nicht. Wir haben uns schon gewundert, dass wir so viel Platz zum Tanzen hatten und dachten, dass die Rechnung des Managements anscheinend gut aufging. Bei diesem besagten Nadelöhr hatten wir vorher auch so unsere Bedenken, als wir noch durch den relativ leeren Tunnel gingen.

Ich sag schon seit Jahren, dass die Parade nicht in den Ruhrpott gehört Exclamation Mark

In Berlin war alles besser gemanaged: Auslauf und Fluchtwege in sämtliche Richtungen, 3 Minuten-Taktung der U-Bahnen in sämtliche Richtungen, schnelles Herausführen des Fernverkehrs mittels Sonderzügen, Anfahrtmöglichkeit für Rettungskräfte aus sämtlichen Richtungen. Dazu kommt noch die Feiermentalität der Berliner, die nicht so aggressiv ist, wie die der Ruhrpottler.

n/v
Nadine59
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dabei seit: 04.03.2010

Guten Morgen!

Ja,eine fürchterliche Kathastrophe.Ich war nie da im Ruhrpott-ich schwenkte auf Reincarnation Hannover um-die es ja nun auch nicht mehr gibt.Da kann man wirklich mal sehen,wie gut alles in Berlin organisiert war,und wo die Love-Parade,die es nun wohl nach diesem Ereignis nicht mehr geben wird(Schuld werden wie immer die verrückten Raver sein-siehe U-Bahnbrand damals am Bhf Deutsche Oper).Und die Djs gehören auch auf Tieflader.

Viel Mitgefühl meinerseits für alle Leidtragenden dieses Unglücks-aufrichtiges Beileid!

Nadine:( Crying

n/v
Kerstin Sonsbeck
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dabei seit: 09.12.2009

Wenn soetwas in direkter Nähe passiert und auch Freunde oder Bekannte betroffen sein könnten, dann werden Nachrichtenmeldungen erschreckend real.

Eine Mail einer lieben Freundin, gestern Abend, ob es mir gut ginge, verstand ich erst später als ich es in den Nachrichten sah. Da gehen die Leute hin und wollen Spaß haben. Und da passiert so was. 19 Tote und 342 Verletzte. Ich bin erschüttert

Nicht Anzüge, sondern Kleider machen Leute!

Hier gibts so einige Bilder von und mit mir:

https://www.flickr.com/photos/41786035@N03

http://picasaweb.google.de/Kerstin6000

sonnenbine
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dabei seit: 07.03.2005

Erschüttert ist überhaupt kein Ausdruck!

Ich hab gestern abend Stunden gebangt, weil Sammy auch dort war! Zusammen mit Kerstin bin ich durch die Hölle gegangen!

Fassungslos bin ich heute noch, auch , und gott sei Dank, wenn ´s Sammy gut geht! Sie überhaupt nicht´s von der Tragödie mitbekommen!

So was darf eingentlich nicht passieren!

n/v
Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Wer kann nur so eine Schnapsidee haben: Über eine Million Leute auf einem Gelände eingepfercht, wo es nur einen Zugang durch einen Tunnel gibt? Es wurden keine 50jährigen Wandergesellschaften erwartet, sondern junge Leute, von denen sich nur 50% an Beschilderungen halten, 20% schon unter Drogeneinfluß anreisen und von vorn herein wurde damit gerechnet, daß nicht alle drauf passen...Sick

Natürlichkeit ist langweilig 

Mischelles Rainer
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dabei seit: 13.05.2010

Ich habe eben gelesen, dass es für die Veranstalter die letzte Loveparade war.

Leider kann man nicht vorraussehen, wieviele Besucher tatsächlich zu solchen Veranstaltungen kommen. Die Zahlen von Veranstalter und Polizei liegen immer sehr weit auseinander.

Wie soll man das Problem mit den Drogen und dem Alkohol lösen? Wenn jeder kontrolliert wird, kommt es noch mehr zu Panik-Situautionen. Dazu kommt der fehlende Respekt unter einigen Leuten.

Ich kenne das Thema vom Schlager-Move in HH. Alkohol und Drogen satt. Und das schon vor Beginn der Veranstaltung. Und nachts geht es dann weiter mit Schlägereien und anderer Delikte.

Mein Trost gehört allen Menschen, die ihre Angehörigen verloren haben. Und hoffe auf die schnelle Genesung der Verletzten.

 

Menschlichkeit sollte im Vordergrund stehen!!!

Fabienne
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dabei seit: 19.02.2005

Zahlenmäßig sind da ja von der richtigen Anzahl an Besuchern ausgegangen, nur der Eventplatz war vollkommen falsch gewählt. Links die A59, rechts das Bahngelände. Des Weiteren fand vor den Tunneln schon eine Kanalisierung statt, da jeder kontrolliert wurde, ob Glas mit dabei ist, weil das durfte nicht aufs Gelände.

Ich hab heute auch schon viele Anrufe und E-Mails bekommen, ob alles in Ordnung ist. Ein Freund hat sich sogar gestern über die Krisenhotline als mein Bruder ausgegeben, um zu fragen, ob ich auf der Liste stehe. Ich kanns einfach nicht fassen und bin nur schockiert :(

n/v
Sammy
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dabei seit: 26.11.2004

Man war das heftig. Der Schock sitzt tief und ich werd wohl noch einige Zeit brauchen um das alles zu verarbeiten. Auch ich war gestern auf der Loveparade in Duisburg. Gegen 17:15 Uhr waren wir an jener Stelle wo sich dieses Drama ereignete. Wir hatten einfach nur Glück. 5 Minuten später hätte es uns genau so treffen können, allein der Gedanke macht mir sehr zu schaffen. Es war einfach nur eng, die Leute kletterten an Traversen, herunter hängenden Kabeln und an dieser Treppe hinauf... Das Problem war der Eingang, welcher gleichzeitig als Ausgang dienen sollte. Was die veranstalter nicht bedach haben ist das bevor alle Leute "drinnen" sind auch viele das Gelände verlassen wollten. Und so kam es zum Stau. Wir standen mittendrin, ca. 3m von der schmalen Treppe entfernt. Ich sah etwa 10 Meter eine kleine Stelle seitich an der Mauer wo etwas weniger los war. Ich versuchte meine 2 Freundinnen, mit denen ich dort war, in diese Richtung zu leiten und nahm noch ein 20 jährigen Mädel mit, welches in Panik nach Luft schnappte und einfach nur raus aus der Menge wollte. Geschafft. Von da aus half man uns einen kleinen Schotterberg hinauf und wir waren auf dem Gelände. Jetzt versuchte ich zu telefonieren, die Netze waren dermassen überlastet, konnte mein Frauchen aber dann erreichen. Wir 3 "Mädels" mussten uns erstmal sammeln, haben was getrunken und bis dato überlegt ob wir die Party verlassen sollten, da eine meiner reundinnen etwas Kreislaufprobleme hatte.....doch das war eh nicht möglich. Also haben wir abgewartet und von der Tragödie, welche sich auf der Rampe vor dem Tunnel abspielte nichts mehr mitbekommen. Den feierwütigen Menschen ist nichts vorzuwerfen, wir haben auch erst gegen 23 Uhr gehört das etwas passiert sein soll, aber eben nix konkretes. Das schotterige, teilweise unwegsame Gelände selbst fand ich nicht zu klein, man musste keine Angst haben erdrückt zu werden, Toiletten & Getränketechnisch war das recht gut oganisiert. Aber dennoch, rückblickend bin ich mehr als erschüttert was sich dort abgespielt hat.... An Schlaf war letzte nacht nicht zu denken, bis heut morgen um 8 hab ich noch hier gesessen und gegrübelt.... und wenn ich jetzt die Fernsehbilder sehe muss ich Euch nicht erzählen wie ich mich dabei fühle....

Mein Mitgefühl gilt den Menschen, welche auf der Party ihre Angehörigen verloren haben...

 

MY LIVE - http://Sammygirlie.com - DAS LEBEN IST DRAUSSEN......... COME ON!

Fabienne
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dabei seit: 19.02.2005

Ich hatte seit gestern nur noch Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und stand völlig neben mir. Also bin ich heute nochmal an den Ort des Geschehens gefahren. Ich hab eine Kerze aufgestellt und Rotz und Wasser geheult. Fassungslosigkeit, Lethargie.

Aber in Stille Trauern ist da zur Zeit unmöglich. Zu viele Kameras und Getöse von Aggregaten, die die Übertragungswagen der Fernsehsender mit Strom speisen, zu viele Fotografen, die unbedingt super Fotos haben wollen.

Ich werde also in ein paar Monaten nochmal aufs Gelände gehen, wenn Ruhe ist Sad

n/v
Seejungfrau
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dabei seit: 08.04.2008

Seit ich die ersten Bilder im Fernsehen von der Katastrophe gesehen habe,  versuchte ich meinen kleinen Cousins anzurufen um zu hören ob sie vielleicht auch dort waren. Erst am anderen Tag habe ich einen erreichen können. Sie wollten hin fahren, aber es ist in letzter Minute etwas dazwischen kommen. Sie hatten einen guten Schutzengel!

Die Bilder aus dem Fernsehen gehen mir nicht aus dem Kopf. Wie muß es erst für die Menschen gewesen sein, die das alles miterlebt haben und hilflos zusehen mußten wie Menschen gestorben sind und andere schwer verletzt wurden.

Dann die Ohnmacht - das die Verantwortlichen sich gegenseitig die Schuld zuschieben oder von nichts angeblich gewußt haben. Die immer neuen Details und dann immer wieder neue Anschuldigungen gegen jeden und alles.

Heute wurde dann noch gesagt, das das alles noch viel schlimmer hätte ausgehen können. Wer will sich da trösten?

Egal wieviele Menschen gestorben oder verletzt wurden - es wird sehr viel Zeit für sehr Viele vergehen bis sie  gelernt haben  die Bilder zu verarbeiten und wieder ruhig schlafen können.

Fabienne
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dabei seit: 19.02.2005

Eine Woche danach:

Die Trauerfeier ist vorüber, bei der unsere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eigentlich die geeignetesten Worte gefunden und auch rüber gebracht hat. In der MSV-Arena war eine unheimliche Stille, kaum zu glauben bei solch einem Stadion.

Was bleibt, ist gähnende Leere, die es nun zu füllen gilt. Zwei Generationen, die mit dem Karneval des Sommers aufgewachsen sind, wurde abrupt ein Ritual der Gelassenheit, eine Flucht aus dem Alltag, genommen. Das Herz aus dem Loveparade-Logo wurde ausgetauscht durch eine schwarze Schleife, die Liebe durch Trauer ersetzt. Anstatt "Sensation in white" gibt es jetzt "Sorrow in black". Duisburg wurde leider zum Massengrab von Träumen und der alte Güterbahnhof zum Grabstein.

Meine Prioritäten im Leben wurden auf jeden Fall kräftig durchgerüttelt Sad

n/v