Das römische Artefakt

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Eyleen
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ElleCommandante schrieb:

Fanny schrieb:
Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

 

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

 

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

 

So Fanny, setzt mal fort

 

*Unser Glück und Seelenfrieden beruhen darauf, dass wir tun was wir für richtig halten und nicht das, was andere sagen oder tun.*

**Mahatma Gandhi**

ElleCommandante
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Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
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Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

 

So, Fanny, nun aber...

n/v
Fanny
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dabei seit: 26.08.2005

Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

 

Wer ist Germany's next Top-Autorin? Angel

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Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

 

 

Kapitel 2

 

Ich wurde mit dem Gedanken wach, das ich unbedingt einige Telefonate durchführen musste. Erstens sollte ich Jean anrufen, wenn ich in Frankreich bin. Zweitens sollte ich mich bei meiner Sekretärin melden. Ich krabbelte aus der Koje und fragte Brian meinen Trucker wo wir sind. Kurz vor Lyon antwortete er mir. In wenigen Minuten steuert er einen Rastplatz an, Da kann ich mich dann frisch machen. Toll dachte ich, da gibt es dann auch sicher ein Telefon.

 

In der Zwischenzeit betrachtet ich den Ring etwas genauer. Ein goldener Ring. Vermutlich Handarbeit. Und antik dazu. Nachdem ich die Reste des falschen Steines entfernt hatte, kam eine flache runde Scheibe von ca. 1,5 cm zum Vorschein. In der Mitte war eine Sonne zusehen. Um die Sonne herum waren Zeichen eingraviert. Ich fragte mich, wo ich so eine ähnliche Arbeit schon mal gesehen habe.

 

Mir fiel es schlagartig wieder ein. Während meines Kunststudiums in Berlin. Mein damaliger Doktorvater trug einen ähnlichen Ring. Ich erinnerte mich an die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Donald, mit deinen Qualifikationen und Kenntnissen wirst Du von den besten Kunsthäusern umworben werden, pflegte er immer zu mir zu sagen. Aber das war eigentlich nicht mein Ziel. Zugegeben ich war damals schon ziemlich feminin gewesen. Meine Kommilitonen pflegten mich als Exzentriker abzustempeln. Aber das war mit immer egal gewesen. Als ich ihn einmal auf seinen Rind ansprach, sagte er mir, dass er diesen für seine Verdienste bekommen hat. Als besondere Auszeichnung sozusagen. Diese Art von Ringen, Donald werden heute nicht mehr gefertigt. Leider wirst Du nie in die Gelegenheit kommen einen solchen Ring zu tragen. Warum, fragte ich. Meine Frage blieb unbeantwortet. An unserer Uni munkelte man, dass mein Prof. wohl eine Freimaurer sei. Ob es wohl hiermit zusammen hing? Zuhause hatte ich zwar auch einige antike Schmuckstücke. Diese trug ich jedoch nur zu besonderen Angelegenheiten. Ansonsten blieben sie unter Verschluss.

 

Endlich erreichten wir den Rastplatz. Von dem nächsten Telefon rief ich sofort Jean an. Er war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Als ich ihm von der Verfolgung schilderte sagte er mir, dass mich mein Fahrer mich bis zur letzten Ausfahrt vor Orange bringen soll. Dort werde ich dann von zwei Freunden abgeholt. Woran werde ich diese erkennen. Keine Bange Donna, sie werden dich erkennen. Außerdem ist dort noch ein alter Bekannter von Dir dabei.

 

Dann rief ich mein Büro an. Ich sagte meiner Sekretärin Birgit, das sie alle meine Termine für die nächsten zwei Wochen absagen solle. Ich befinde mich auf einer wichtigen Kunstreise in Frankreich.

 

Danach besprach ich mich mit Brian. Kein Problem. Diese Ausfahrt kennt er. Außerdem ist es nicht mehr weit. Als wir an der Ausfahrt ankamen, stand dort schon ein schwarzer Citroen. Ich stieg aus und ging auf den wagen zu. Zwei Personen stiegen aus. Ein jüngere und ein älter Mann. Donna, sprach mich der ältere an. Ich war wie versteinert. Vor mir stand mein ehemaliger Kunstprofessor....

 

 

*Unser Glück und Seelenfrieden beruhen darauf, dass wir tun was wir für richtig halten und nicht das, was andere sagen oder tun.*

**Mahatma Gandhi**

ElleCommandante
Bild von ElleCommandante
Offline
Reale Person
dabei seit: 20.06.2005

Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

 

Kapitel 2

Ich wurde mit dem Gedanken wach, das ich unbedingt einige Telefonate durchführen musste. Erstens sollte ich Jean anrufen, wenn ich in Frankreich bin. Zweitens sollte ich mich bei meiner Sekretärin melden. Ich krabbelte aus der Koje und fragte Brian meinen Trucker wo wir sind. Kurz vor Lyon antwortete er mir. In wenigen Minuten steuert er einen Rastplatz an, Da kann ich mich dann frisch machen. Toll dachte ich, da gibt es dann auch sicher ein Telefon.

In der Zwischenzeit betrachtet ich den Ring etwas genauer. Ein goldener Ring. Vermutlich Handarbeit. Und antik dazu. Nachdem ich die Reste des falschen Steines entfernt hatte, kam eine flache runde Scheibe von ca. 1,5 cm zum Vorschein. In der Mitte war eine Sonne zusehen. Um die Sonne herum waren Zeichen eingraviert. Ich fragte mich, wo ich so eine ähnliche Arbeit schon mal gesehen habe.

Mir fiel es schlagartig wieder ein. Während meines Kunststudiums in Berlin. Mein damaliger Doktorvater trug einen ähnlichen Ring. Ich erinnerte mich an die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Donald, mit deinen Qualifikationen und Kenntnissen wirst Du von den besten Kunsthäusern umworben werden, pflegte er immer zu mir zu sagen. Aber das war eigentlich nicht mein Ziel. Zugegeben ich war damals schon ziemlich feminin gewesen. Meine Kommilitonen pflegten mich als Exzentriker abzustempeln. Aber das war mit immer egal gewesen. Als ich ihn einmal auf seinen Rind ansprach, sagte er mir, dass er diesen für seine Verdienste bekommen hat. Als besondere Auszeichnung sozusagen. Diese Art von Ringen, Donald werden heute nicht mehr gefertigt. Leider wirst Du nie in die Gelegenheit kommen einen solchen Ring zu tragen. Warum, fragte ich. Meine Frage blieb unbeantwortet. An unserer Uni munkelte man, dass mein Prof. wohl eine Freimaurer sei. Ob es wohl hiermit zusammen hing? Zuhause hatte ich zwar auch einige antike Schmuckstücke. Diese trug ich jedoch nur zu besonderen Angelegenheiten. Ansonsten blieben sie unter Verschluss.

Endlich erreichten wir den Rastplatz. Von dem nächsten Telefon rief ich sofort Jean an. Er war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Als ich ihm von der Verfolgung schilderte sagte er mir, dass mich mein Fahrer mich bis zur letzten Ausfahrt vor Orange bringen soll. Dort werde ich dann von zwei Freunden abgeholt. Woran werde ich diese erkennen. Keine Bange Donna, sie werden dich erkennen. Außerdem ist dort noch ein alter Bekannter von Dir dabei.

Dann rief ich mein Büro an. Ich sagte meiner Sekretärin Birgit, das sie alle meine Termine für die nächsten zwei Wochen absagen solle. Ich befinde mich auf einer wichtigen Kunstreise in Frankreich.

Danach besprach ich mich mit Brian. Kein Problem. Diese Ausfahrt kennt er. Außerdem ist es nicht mehr weit. Als wir an der Ausfahrt ankamen, stand dort schon ein schwarzer Citroen. Ich stieg aus und ging auf den wagen zu. Zwei Personen stiegen aus. Ein jüngere und ein älter Mann. Donna, sprach mich der ältere an. Ich war wie versteinert. Vor mir stand mein ehemaliger Kunstprofessor....

Im Hintergrund entfernte sich der LKW und mit ihm Brian. Einen Moment stand ich überlegend am Straßenrand und betrachtete meine beiden Gegenüber, als ein weiterer schwarzer Citroen sich mit hohem Tempo näherte. Ich sah, wie an dem heranrasenden Fahrzeug die Seitenscheiben heruntergelassen wurden und warf mich geistesgegenwärtig in den Straßengraben, als ich Schüsse aus Maschinenpistolen und das Fahrzeug vorbeirasen hörte.

Mit einem vorsichtigen Blick aus dem Straßengraben sah ich beide Männer blutend auf dem Boden liegen. Die Straße überquerend ging ich in Richtung meines ehemaligen Professors, der noch atmete, als ich mich über ihn beugte. Er sah mich mit feuchten Augen an, rang nach Luft und stammelte: "Hüte Dich. Hüte Dich vor ...", dann sank sein Kopf zur Seite und die Atmung setzte aus. Als ich mich der zweiten Person zuwandt, war mir sofort klar, daß hier jede Hilfe zu spät kommen würde. Ich durchsuchte beide Personen und fand zwei Schußwaffen, während sich in der Ferne ein dunkles Fahrzeug näherte. Mit den Knarren in der Handtasche warf ich mich in's Unterholz, kroch einen Abhang hinunter und verschwand in der heraufziehenden Dunkelheit.

Nachdem ich in wolkendunkler Nacht mehrere Stunden gelaufen war, kam ich an eine Stelle, die mir sofort bekannt vorkam. Im Kreis laufend kam ich wieder zur Autobahnausfahrt, von der aus ich losgelaufen war. Der Citroen war verschwunden, ebenso die beiden Leichen und im sich durch die Wolken bahnenden Mondschein war zu erkennen, daß alle Spuren, auch das Blut auf dem Asphalt, sorgfältig entfernt worden waren. Während eine innere Panik in mir hochstieg, war ein herantuckerndes Motorrad zu hören. Mit beiden Armen winkend, stellte ich mich auf die Straße und das Motorrad hielt an. Mit einem Griff in meine Handtasche zog ich einen der beiden Schießprügel, den ich dem Motorradfahrer dirket unter die Nase hielt. Dann gab ich ihm mit einer Bewegung der Wumme zu verstehen, er möge sich subtrahieren und mir seine Maschine anheim stellen. Der Fahrer verstand sofort, legte in seiner Verwirrung sogar seinen Helm auf die Sitzbank und rannte in die Richtung los, aus der er gekommen war.

n/v
Fanny
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dabei seit: 26.08.2005

 

Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

Kapitel 2

Ich wurde mit dem Gedanken wach, daß ich unbedingt einige Telefonate durchführen musste. Erstens sollte ich Jean anrufen, wenn ich in Frankreich bin. Zweitens sollte ich mich bei meiner Sekretärin melden. Ich krabbelte aus der Koje und fragte Brian meinen Trucker wo wir sind. Kurz vor Lyon antwortete er mir. In wenigen Minuten steuert er einen Rastplatz an, Da kann ich mich dann frisch machen. Toll dachte ich, da gibt es dann auch sicher ein Telefon.

In der Zwischenzeit betrachtete ich den Ring etwas genauer. Ein goldener Ring. Vermutlich Handarbeit. Und antik dazu. Nachdem ich die Reste des falschen Steines entfernt hatte, kam eine flache runde Scheibe von ca. 1,5 cm zum Vorschein. In der Mitte war eine Sonne zusehen. Um die Sonne herum waren Zeichen eingraviert. Ich fragte mich, wo ich so eine ähnliche Arbeit schon mal gesehen habe.

Mir fiel es schlagartig wieder ein. Während meines Kunststudiums in Berlin. Mein damaliger Doktorvater trug einen ähnlichen Ring. Ich erinnerte mich an die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Donald, mit deinen Qualifikationen und Kenntnissen wirst Du von den besten Kunsthäusern umworben werden, pflegte er immer zu mir zu sagen. Aber das war eigentlich nicht mein Ziel. Zugegeben ich war damals schon ziemlich feminin gewesen. Meine Kommilitonen pflegten mich als Exzentriker abzustempeln. Aber das war mit immer egal gewesen. Als ich ihn einmal auf seinen Ring ansprach, sagte er mir, dass er diesen für seine Verdienste bekommen hat. Als besondere Auszeichnung sozusagen. Diese Art von Ringen, Donald werden heute nicht mehr gefertigt. Leider wirst Du nie in die Gelegenheit kommen einen solchen Ring zu tragen. Warum, fragte ich. Meine Frage blieb unbeantwortet. An unserer Uni munkelte man, dass mein Prof. wohl eine Freimaurer sei. Ob es wohl hiermit zusammen hing? Zuhause hatte ich zwar auch einige antike Schmuckstücke. Diese trug ich jedoch nur zu besonderen Angelegenheiten. Ansonsten blieben sie unter Verschluss.

Endlich erreichten wir den Rastplatz. Von dem nächsten Telefon rief ich sofort Jean an. Er war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Als ich ihm von der Verfolgung schilderte sagte er mir, dass mich mein Fahrer mich bis zur letzten Ausfahrt vor Orange bringen soll. Dort werde ich dann von zwei Freunden abgeholt. Woran werde ich diese erkennen. Keine Bange Donna, sie werden dich erkennen. Außerdem ist dort noch ein alter Bekannter von Dir dabei.

Dann rief ich mein Büro an. Ich sagte meiner Sekretärin Birgit, daß sie alle meine Termine für die nächsten zwei Wochen absagen solle. Ich befinde mich auf einer wichtigen Kunstreise in Frankreich.

Danach besprach ich mich mit Brian. Kein Problem. Diese Ausfahrt kennt er. Außerdem ist es nicht mehr weit. Als wir an der Ausfahrt ankamen, stand dort schon ein schwarzer Citroen. Ich stieg aus und ging auf den wagen zu. Zwei Personen stiegen aus. Ein jüngere und ein älter Mann. Donna, sprach mich der ältere an. Ich war wie versteinert. Vor mir stand mein ehemaliger Kunstprofessor....

Im Hintergrund entfernte sich der LKW und mit ihm Brian. Einen Moment stand ich überlegend am Straßenrand und betrachtete meine beiden Gegenüber, als ein weiterer schwarzer Citroen sich mit hohem Tempo näherte. Ich sah, wie an dem heranrasenden Fahrzeug die Seitenscheiben heruntergelassen wurden und warf mich geistesgegenwärtig in den Straßengraben, als ich Schüsse aus Maschinenpistolen und das Fahrzeug vorbeirasen hörte.

Mit einem vorsichtigen Blick aus dem Straßengraben sah ich beide Männer blutend auf dem Boden liegen. Die Straße überquerend ging ich in Richtung meines ehemaligen Professors, der noch atmete, als ich mich über ihn beugte. Er sah mich mit feuchten Augen an, rang nach Luft und stammelte: "Hüte Dich. Hüte Dich vor ...", dann sank sein Kopf zur Seite und die Atmung setzte aus. Als ich mich der zweiten Person zuwandte, war mir sofort klar, daß hier jede Hilfe zu spät kommen würde. Ich durchsuchte beide Personen und fand zwei Schußwaffen, während sich in der Ferne ein dunkles Fahrzeug näherte. Mit den Knarren in der Handtasche warf ich mich ins Unterholz, kroch einen Abhang hinunter und verschwand in der heraufziehenden Dunkelheit.

Nachdem ich in wolkendunkler Nacht mehrere Stunden gelaufen war, kam ich an eine Stelle, die mir sofort bekannt vorkam. Im Kreis laufend kam ich wieder zur Autobahnausfahrt, von der aus ich losgelaufen war. Der Citroen war verschwunden, ebenso die beiden Leichen und im sich durch die Wolken bahnenden Mondschein war zu erkennen, daß alle Spuren, auch das Blut auf dem Asphalt, sorgfältig entfernt worden waren. Während eine innere Panik in mir hochstieg, war ein herantuckerndes Motorrad zu hören. Mit beiden Armen winkend, stellte ich mich auf die Straße und das Motorrad hielt an. Mit einem Griff in meine Handtasche zog ich einen der beiden Schießprügel, den ich dem Motorradfahrer direkt unter die Nase hielt. Dann gab ich ihm mit einer Bewegung der Wumme zu verstehen, er möge sich subtrahieren und mir seine Maschine anheim stellen. Der Fahrer verstand sofort, legte in seiner Verwirrung sogar seinen Helm auf die Sitzbank und rannte in die Richtung los, aus der er gekommen war.

 

Während der Motorradfahrt Richtung Mittelmeer versuchte ich mich zu konzentrieren, aber ich hatte einen lieben Menschen verloren und die Trauer verdrängte erstmal alles andere. Ich fuhr noch vor Marsaille von der Autobahn ab und suchte einen Platz zum schlafen weil ich schon wieder müde war. Bei einer  Telefonzelle in Sausset hielt ich an. Das Meerresrauschen konnte man schon hören Ich informierte Jean und sagte ihm, daß ich hier auf ihn warten würde. Alles andere schien mir zu riskant. Mit dem Motorrad rollte ich zum Meer runter und legte mich auf die Küstenheide zwischen den Klippen. Ich war fix und alle. Wenn Wellen besonders dolle gegen die Klippen klatschten, bekam ich einige Tropfen davon ins Gesicht. Der Nachtwind war aber warm. Es roch nach Oleander und Jasmin. Mit meinen verpennten Augen sah ich noch vor dem Einschlafen, daß im Osten die Sonne schon den Horizont erhellte. …

Ich hatte den Simca gar nicht gehört, so tief pennte ich. Jean stieg aus dem Wagen und krabbelte auf einen höheren Fels. Er hatte mich aber sofort entdeckt und kletterte zu mir rüber. Ein Küsschen auf meine Wange sollte mich wecken. Ich beschloss aber, daß ein Küsschen nicht ausreichte um mich zu wecken. Aber darauf fiel Jean nicht rein. Mit einer Strohblume kitzelte er an meiner Nase. Das hatte wohl insgesamt auch etwas von schlechtem Gewissen bei ihm und er wusste das auch. Mich bewusst in so eine Situation zu bringen und ich brannte darauf, eine umfangreiche Erklärung von ihm zu bekommen. Ich öffnete meine Augen um gleich darauf zu loszuwettern, kam aber erst gar nicht so weit. Ein zweites Küsschen bekam ich, außerdem ein Strauß Rosen. „Guten Morgen Donna, lass uns frühstücken gehen, ich erkläre dir auch alles“. Wir gingen über die Küstenstraße zu einer Bistro-Veranda und tranken Kaffee und aßen Meterbrot mit Salami. Ich wollte trotzdem stinkig auf Jean sein, klappte aber nicht wirklich. „Du Donna, wenn du nun sauer über mich bist, so kann ich das verstehen“ hörte ich als ersten Entschuldigungsversuch. Ich stand auf, stellte mich vor ihm. Jean stand auch auf, senkte seinen Kopf etwas, er errötete. „Du Schuft“ zischte ich ihm rüber und fiel in seine Arme. Ich war froh, nun nicht mehr alleine zu sein.

Wir suchten als nächstes eine Boutique und eine Drogerie auf, damit mein en femmes Äußeres wieder gut aussieht und riecht. „Donna, wir fahren erstmal in mein Sommerhaus, da kannst du dann duschen“. Wir stiegen in den Simca ein und fuhren mit herunter gekurbelten Fenstern die duftende Küste entlang bis Jean auf einen Schotterweg fuhr, der sich serpentinenartig in die Höhe schlängelte. Wir fuhren durch ein altes Eisentor zu einem Haus, welches typisch für die Landschaft war. Die steinerne Hausmauer war Terrakotta-farbig, das Dach rot und die Fenster waren mit blauen Holzlamellen verschlossen.

Während ich duschte und mich nachpuderte, baute Jean auf der Terrasse ein Mittagsbrunch auf.  Wir saßen bei Fischkroketten, Brot und Wein in der Sonne und genossen die Meeressicht. Ich vergaß fast alles andere. Jean fing aber dann mit seiner Erklärung von selbst an.

 

wer-erklärt-was Eyleen?  ^^

ElleCommandante
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dabei seit: 20.06.2005

Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

Kapitel 2

Ich wurde mit dem Gedanken wach, daß ich unbedingt einige Telefonate durchführen musste. Erstens sollte ich Jean anrufen, wenn ich in Frankreich bin. Zweitens sollte ich mich bei meiner Sekretärin melden. Ich krabbelte aus der Koje und fragte Brian meinen Trucker wo wir sind. Kurz vor Lyon antwortete er mir. In wenigen Minuten steuert er einen Rastplatz an, Da kann ich mich dann frisch machen. Toll dachte ich, da gibt es dann auch sicher ein Telefon.

In der Zwischenzeit betrachtete ich den Ring etwas genauer. Ein goldener Ring. Vermutlich Handarbeit. Und antik dazu. Nachdem ich die Reste des falschen Steines entfernt hatte, kam eine flache runde Scheibe von ca. 1,5 cm zum Vorschein. In der Mitte war eine Sonne zusehen. Um die Sonne herum waren Zeichen eingraviert. Ich fragte mich, wo ich so eine ähnliche Arbeit schon mal gesehen habe.

Mir fiel es schlagartig wieder ein. Während meines Kunststudiums in Berlin. Mein damaliger Doktorvater trug einen ähnlichen Ring. Ich erinnerte mich an die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Donald, mit deinen Qualifikationen und Kenntnissen wirst Du von den besten Kunsthäusern umworben werden, pflegte er immer zu mir zu sagen. Aber das war eigentlich nicht mein Ziel. Zugegeben ich war damals schon ziemlich feminin gewesen. Meine Kommilitonen pflegten mich als Exzentriker abzustempeln. Aber das war mit immer egal gewesen. Als ich ihn einmal auf seinen Ring ansprach, sagte er mir, dass er diesen für seine Verdienste bekommen hat. Als besondere Auszeichnung sozusagen. Diese Art von Ringen, Donald werden heute nicht mehr gefertigt. Leider wirst Du nie in die Gelegenheit kommen einen solchen Ring zu tragen. Warum, fragte ich. Meine Frage blieb unbeantwortet. An unserer Uni munkelte man, dass mein Prof. wohl eine Freimaurer sei. Ob es wohl hiermit zusammen hing? Zuhause hatte ich zwar auch einige antike Schmuckstücke. Diese trug ich jedoch nur zu besonderen Angelegenheiten. Ansonsten blieben sie unter Verschluss.

Endlich erreichten wir den Rastplatz. Von dem nächsten Telefon rief ich sofort Jean an. Er war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Als ich ihm von der Verfolgung schilderte sagte er mir, dass mich mein Fahrer mich bis zur letzten Ausfahrt vor Orange bringen soll. Dort werde ich dann von zwei Freunden abgeholt. Woran werde ich diese erkennen. Keine Bange Donna, sie werden dich erkennen. Außerdem ist dort noch ein alter Bekannter von Dir dabei.

Dann rief ich mein Büro an. Ich sagte meiner Sekretärin Birgit, daß sie alle meine Termine für die nächsten zwei Wochen absagen solle. Ich befinde mich auf einer wichtigen Kunstreise in Frankreich.

Danach besprach ich mich mit Brian. Kein Problem. Diese Ausfahrt kennt er. Außerdem ist es nicht mehr weit. Als wir an der Ausfahrt ankamen, stand dort schon ein schwarzer Citroen. Ich stieg aus und ging auf den wagen zu. Zwei Personen stiegen aus. Ein jüngere und ein älter Mann. Donna, sprach mich der ältere an. Ich war wie versteinert. Vor mir stand mein ehemaliger Kunstprofessor....

Im Hintergrund entfernte sich der LKW und mit ihm Brian. Einen Moment stand ich überlegend am Straßenrand und betrachtete meine beiden Gegenüber, als ein weiterer schwarzer Citroen sich mit hohem Tempo näherte. Ich sah, wie an dem heranrasenden Fahrzeug die Seitenscheiben heruntergelassen wurden und warf mich geistesgegenwärtig in den Straßengraben, als ich Schüsse aus Maschinenpistolen und das Fahrzeug vorbeirasen hörte.

Mit einem vorsichtigen Blick aus dem Straßengraben sah ich beide Männer blutend auf dem Boden liegen. Die Straße überquerend ging ich in Richtung meines ehemaligen Professors, der noch atmete, als ich mich über ihn beugte. Er sah mich mit feuchten Augen an, rang nach Luft und stammelte: "Hüte Dich. Hüte Dich vor ...", dann sank sein Kopf zur Seite und die Atmung setzte aus. Als ich mich der zweiten Person zuwandte, war mir sofort klar, daß hier jede Hilfe zu spät kommen würde. Ich durchsuchte beide Personen und fand zwei Schußwaffen, während sich in der Ferne ein dunkles Fahrzeug näherte. Mit den Knarren in der Handtasche warf ich mich ins Unterholz, kroch einen Abhang hinunter und verschwand in der heraufziehenden Dunkelheit.

Nachdem ich in wolkendunkler Nacht mehrere Stunden gelaufen war, kam ich an eine Stelle, die mir sofort bekannt vorkam. Im Kreis laufend kam ich wieder zur Autobahnausfahrt, von der aus ich losgelaufen war. Der Citroen war verschwunden, ebenso die beiden Leichen und im sich durch die Wolken bahnenden Mondschein war zu erkennen, daß alle Spuren, auch das Blut auf dem Asphalt, sorgfältig entfernt worden waren. Während eine innere Panik in mir hochstieg, war ein herantuckerndes Motorrad zu hören. Mit beiden Armen winkend, stellte ich mich auf die Straße und das Motorrad hielt an. Mit einem Griff in meine Handtasche zog ich einen der beiden Schießprügel, den ich dem Motorradfahrer direkt unter die Nase hielt. Dann gab ich ihm mit einer Bewegung der Wumme zu verstehen, er möge sich subtrahieren und mir seine Maschine anheim stellen. Der Fahrer verstand sofort, legte in seiner Verwirrung sogar seinen Helm auf die Sitzbank und rannte in die Richtung los, aus der er gekommen war.

Während der Motorradfahrt Richtung Mittelmeer versuchte ich mich zu konzentrieren, aber ich hatte einen lieben Menschen verloren und die Trauer verdrängte erstmal alles andere. Ich fuhr noch vor Marsaille von der Autobahn ab und suchte einen Platz zum schlafen weil ich schon wieder müde war. Bei einer  Telefonzelle in Sausset hielt ich an. Das Meerresrauschen konnte man schon hören Ich informierte Jean und sagte ihm, daß ich hier auf ihn warten würde. Alles andere schien mir zu riskant. Mit dem Motorrad rollte ich zum Meer runter und legte mich auf die Küstenheide zwischen den Klippen. Ich war fix und alle. Wenn Wellen besonders dolle gegen die Klippen klatschten, bekam ich einige Tropfen davon ins Gesicht. Der Nachtwind war aber warm. Es roch nach Oleander und Jasmin. Mit meinen verpennten Augen sah ich noch vor dem Einschlafen, daß im Osten die Sonne schon den Horizont erhellte. …

Ich hatte den Simca gar nicht gehört, so tief pennte ich. Jean stieg aus dem Wagen und krabbelte auf einen höheren Fels. Er hatte mich aber sofort entdeckt und kletterte zu mir rüber. Ein Küsschen auf meine Wange sollte mich wecken. Ich beschloss aber, daß ein Küsschen nicht ausreichte um mich zu wecken. Aber darauf fiel Jean nicht rein. Mit einer Strohblume kitzelte er an meiner Nase. Das hatte wohl insgesamt auch etwas von schlechtem Gewissen bei ihm und er wusste das auch. Mich bewusst in so eine Situation zu bringen und ich brannte darauf, eine umfangreiche Erklärung von ihm zu bekommen. Ich öffnete meine Augen um gleich darauf zu loszuwettern, kam aber erst gar nicht so weit. Ein zweites Küsschen bekam ich, außerdem ein Strauß Rosen. „Guten Morgen Donna, lass uns frühstücken gehen, ich erkläre dir auch alles“. Wir gingen über die Küstenstraße zu einer Bistro-Veranda und tranken Kaffee und aßen Meterbrot mit Salami. Ich wollte trotzdem stinkig auf Jean sein, klappte aber nicht wirklich. „Du Donna, wenn du nun sauer über mich bist, so kann ich das verstehen“ hörte ich als ersten Entschuldigungsversuch. Ich stand auf, stellte mich vor ihm. Jean stand auch auf, senkte seinen Kopf etwas, er errötete. „Du Schuft“ zischte ich ihm rüber und fiel in seine Arme. Ich war froh, nun nicht mehr alleine zu sein.

Wir suchten als nächstes eine Boutique und eine Drogerie auf, damit mein en femmes Äußeres wieder gut aussieht und riecht. „Donna, wir fahren erstmal in mein Sommerhaus, da kannst du dann duschen“. Wir stiegen in den Simca ein und fuhren mit herunter gekurbelten Fenstern die duftende Küste entlang bis Jean auf einen Schotterweg fuhr, der sich serpentinenartig in die Höhe schlängelte. Wir fuhren durch ein altes Eisentor zu einem Haus, welches typisch für die Landschaft war. Die steinerne Hausmauer war Terrakotta-farbig, das Dach rot und die Fenster waren mit blauen Holzlamellen verschlossen.

Während ich duschte und mich nachpuderte, baute Jean auf der Terrasse ein Mittagsbrunch auf.  Wir saßen bei Fischkroketten, Brot und Wein in der Sonne und genossen die Meeressicht. Ich vergaß fast alles andere. Jean fing aber dann mit seiner Erklärung von selbst an: "Für diese Fischkroketten verwende ich nur richtig frischen Dorsch, den ich in kleine Würfelchen schneide und dann mit frischer Limette und Sherry mariniere. Dann zerkleinere ich ein Bündel Petersilie, schwitze es mit frischer Landbutter an und lasse es abkühlen, bevor ich es mit dem Fisch vermenge. Dann schneide ich ein paar kleine Charlotten in kleinste Würfelchen, vermische sie mit einigen Löffeln Créme Fraîche, gestoßenem Chili, einem feuchten Brötchen, Meersalz, etwas von der Limettenschale und einem Löffel Fischfonds. Zu guter Letzt wird alles gut vermischt, paniert und in reinem Butterschmalz in der Eisenpfanne herausgebacken. Guten Appetit!"

Jean holte kurz Luft, biß in eine Fischfrikadelle (wie ich sie nach seinem Rezept wegen des feuchten Brötchens gerade getauft hatte), kaute kurz, hielt inne, sah mich an und fragte mit vollem Mund: "Noch'n Weinchen?" "Danke, ja" hörte ich mich antworten  und hielt ihm das Glas hin, das er füllte. "Der Trick an den Fischkroketten aber ist," so fuhr Jean voller Enthusiasmus fort, "daß man dazu einen Wein aus dem Tetrapak servieren kann, denn das vertanzt sich ohnehin alles auf der Zunge." Er holte Luft und ich fiel ihm in's Wort: "Nun mach' 'mal Pause. Falls Du mir nichts anderes erklären willst!"

 

n/v
Fanny
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Das römische Artefakt

Ich fand meine Idee, mich einfach mal als Frau zu stylen und in Hamburg mein erstes Going-out zu wagen, super gut. Ich hatte sogar meine Hippie-Mähne ladylike umstylen lassen. Auch mein neuer Name Donna passte gut zu mir. Na ja, 1966, wenn nicht in diesem Jahr, wann sonst und wir hatten wir ja alle die wilde Haarpracht.

Die Party in Hotel Alsterdorf war auch gut. Jean, der Banker, ein toller Mann, den ich da kennen lernte und der mich restlos verzauberte, ließ mich romantische Frauenträume erleben.
...

Ich weiß nicht, warum ich jetzt in meinem VW Käfer sitze und Richtung Côte d'Azur fahre. Ich schaute auf den hübschen Ring, den Jean mir in der Nacht aufsteckte. Ein wenig merkwürdig war das ja schon, was er mir da sagte. Sonntag um 11:00 Uhr sollte ich auf der obersten Treppe vor der Kathedrale von Marseille sitzen und ein gewisser Roger würde mich dann zu Jean's Yacht bringen. Eine Mittelmeer-Reise hatte er mir versprochen.

Egal, ich fühlte mich gut. In meinem Boheme-Rock und gelbem Top sah ich Klasse aus und der neue Song von den Walker Brothers aus meinem Radio ließ mich erst gar nicht auf ernste Gedanken kommen - The Sun Ain't Gonna Shine Anymore ...

Die Wahrheit des Liedtitels schien mich schneller einzuholen, als mir lieb war: Eine dunkle Limousine tauchte hinter mir auf, am Steuer ein kaukasisch dreinblickender Fleischberg, der gestern ein hitziges Wortgefecht mit Jean hatte, kaum hatte er mir den Ring angesteckt. Mir fallen seine Worte ein, die Jean mir beim Anstecken des Rings in's Ohr flüsterte: "Achte gut auf den römischen Artefakt!"

Eigentlich hatte ich diesen Worten keine Bedeutung zugemessen, bis auf den kleinen Gedanken dabei, warum er "den Artefakt" und nicht "das Artefakt" sagte. Zwischen Blicken in den Rückspiegel und den Fleischklops an meiner Heckstoßstange und den Versuchen, die großbusige Blondine im Golf vor mir genauer zu mustern, sah ich mir den Ring genauer an. Irgendetwas an diesem Ring ließ mich auf einmal an der Echtheit des Steines zweifeln. Also versuchte ich, mit dem Stein die Seitenscheibe anzuritzen, was dazu führte, daß der Stein zerbröselte und ein kleiner Gegenstand auf die Fußmatte fiel.

Im Radio schwafelte mittlerweile irgendein zu Recht unterbezahlter wie unbegabter Moderator von seiner Frequenz und guter Laune, während ich bemerkte, daß die mir folgende Hackfresse zum Überholen ansetzte. Ich riß geistesgegenwärtig das Steuer nach Neun Uhr und schleuderte die dort befindliche Autobahn-Abfahrt mit unbekanntem Ziel hinunter, während mein schwitzender Verfolger mit herausquellenden Augen meinen Käfer mit mir davon fahren sah, während er geradeaus dem Autobahnverlauf folgend samt blondem Atombusen im Golf aus meinem Rückspiegel verschwand...

Ich schlenderte also die Ausfahrt hoch. Irgenwie kam ich oben zum stehen. Auf dem Schild stand Richtung Hannover. Puh, und das über die Landstrasse. Also, rechts ab und weiter Richtung Süden. Im Stillen dachte ich mir, dass kann ja recht heiter werden. Und der Kerl im Radio versuchte imer noch gute Laune zu versprühen. Meine Laune befand sich auf dem Tiefpunkt. Also führ ich erst einmal rechts ran. Meine Hände zitterten ganz schön. Die Zigarette speckte nun auch nicht besondert. Ach was solls, werd ruhig Mädel sagte ich mir und such danach erst einmal das kleine Teil, was aus dem Ring rausgefallen war. Endlich hatte ich es gefunden. Und nun? Da war ein kleines Loch in der Mitte. Also stechte ich meine Kette hindurch und hängte mir es um den Hals. Nun aber los. Und ab nach Marseille. Sonst verpasse ich mein Date.

Was ist das? Mein Käfer springt nicht mehr an. Außer einem kleinem Klack ist nichts mehr. Vermutlich die Batterie oder der Anlasser? Soll ich nun Hilfe rufen? Die nächste telefonzelle ist bestimmt erst im nächsten Ort. was stand auf dem Schild? 20 KM sollen es sein. Mit meinen Pumps kann ich zwar gut Autifahren - aber laufen?. Schnell hab ich mir meine Sandalen aus meinem Rucksack geholt. Das wichtigste reingepackt und folge nun der Strasse Richtung Süden. Den Käfer hab ich am Strassenrand stehen gelassen. Viellicht findet ja der Fleischbrock den Wagen und sucht sich dann halb Tod.

Letztens hab ich noch einen Film über Anhalter gesehen. Vielleicht sollte ich das mal ausbrobieren. Die ersten Wagen fahren alle vorbei. Pech gehabt meine Liebe denke ich mir. Nach längerer Zeit sehe ich eine Horde Motorradfahrer auf mich zukommen. Ich streck den Finger raus und denke die halten ja eh nicht. Auf einmal bleibt der ganze Pulk bei mir stehen. Wilde Kerle und einige wilde Mädels. Wohin ich will - Nach Frankreich. Super sagt der Typ, der sich als Road-Captain vorstellte, wir fahren zu einem Treffen nach Nizza. Wenn ich will kann ich auf seiner Harley mitfahren. Mein Gepäck nimmt ein Kumpel mit. Natürlich will ich. Bei so vielen Beschützern brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.....

Eine Hoffnung, die zugegebenermaßen trügerisch war. Mein Road-Captain legte nämlich die Eigenart an den Tag, bei jeder Notrufsäule laut "Not" zu brüllen und bei jeder Tankstelle "Tanke". Während das "Not" regelmäßig ohne Konsequenzen blieb, bedeutete das "Tanke" den rückengekennzeichneten Prospects doch das Anhalten, um Bier zu kaufen, das unter Gejohle auch sofort konsumiert wurde. Nach knapp zwei Stunden Fahrtzeit hatte ich auf diese Weise acht Tankstellen unterschiedlichster Marken gesehen und ebensoviele Biermarken preiswerterer Herkunft kennen gelernt. Langsam brummte mein Schädel und die Blase drückte dem Road-Captain vermutlich längst in's Kreuz.

Daher erschrak ich auch kurz, als mein Captain zeigte, daß er auch ein drittes Wort in enormer Lautstärke beherrschte: "Banditos!". Kurz dachte ich, es folgte eine warme Zwischenmahlzeit, doch sein lederbehandschuhter Finger zeigte auf eine Gruppe Dorfjugendlicher, die auf Mofas sitzend eine kurzbehoste Art angehender Dorfnutte zu beeindrucken schienen. Schon hielt unsere Gruppe wieder an, einer der Prospecte stieg von seiner Maschine, schritt auf die Jugendlichen zu und brüllte: "Alter, ey!". Mir erschien die Ansage eines grauhaarigen Bauchträgers in einer knappen Lederkutte gegenüber einem Heranwachsenden zwar etwas unangemessen, aber ich merkte gleichzeitig, daß man nach acht Halben Bier, die durch eine Harley in jede Faser meines Körpers geschüttelt worden waren, ein gepflegt aggressives Verhalten goutieren kann.

"Ich geh' 'mal abschütteln" lallte ich meinem Captain in's Ohr, der mich in meinem mittlerweile verknitterten Rockes etwas verstört ansah. Danach nahm ich mein Gepäck und ging in Richtung der Dorfkneipe, die an diesem Tage eine leckere Schlachtschüssel feilbot. Der Gedanke an eine leckere und fettige Schlachtschüssel verstärkte meinen Wunsch, sofort die heimische Porzellanabteilung aufzusuchen. Derart angetrieben betrat ich das Etablissement...

Ich war zufrieden, aber auch fix und alle. Die Müdigkeit kam hinzu. Ich saß am Fenstertisch des Lokales und konnte gar nicht glauben, was ich da verdrückt hatte und was gegen jede Diätregel verstieß. Aber auch der dritte Kaffee machte mich nicht wacher. Ich schaute aus dem Fenster um zu sehen, ob die Harley-Gruppe nun endlich weiter gefahren ist. Hoffentlich suchen sie mich nicht. Mit denen würde ich ja nie rechtzeitig an der Côte d'Azur ankommen. Aber der Platz war nicht mehr einsehbar weil der doofe Laster sich vor den Laden stellte. Allerdings wurden auf einmal meine Augen immer größer, denn am Fahrerhaus des Lasters klebte ein Aufkleber vom - Fußballclub AS-Monaco !!!

Bitte strahle jetzt nicht den Trucker an, der könnte das falsch verstehen, sagte ich zu mir selber. Doch der eben in den Laden eingetretene Typ hatte mich schon längst entdeckt und lächelte zurück. Es sah allerdings urkomisch aus, dass er dabei, nicht nach vorn schauend, stolperte und beim Stürzen auch noch den Kleiderständer mit zu Boden nahm. Ich lief hin um zu helfen ...

Das Fahrerhausbett war warm. Brian, der Trucker, hatte seine Ruhezeit hinter sich gebracht und versprach mir, bis zur Côte d'Azur nur das Lenkrad anzufassen. So schlief ich beruhigt ein ...

Kapitel 2

Ich wurde mit dem Gedanken wach, daß ich unbedingt einige Telefonate durchführen musste. Erstens sollte ich Jean anrufen, wenn ich in Frankreich bin. Zweitens sollte ich mich bei meiner Sekretärin melden. Ich krabbelte aus der Koje und fragte Brian meinen Trucker wo wir sind. Kurz vor Lyon antwortete er mir. In wenigen Minuten steuert er einen Rastplatz an, Da kann ich mich dann frisch machen. Toll dachte ich, da gibt es dann auch sicher ein Telefon.

In der Zwischenzeit betrachtete ich den Ring etwas genauer. Ein goldener Ring. Vermutlich Handarbeit. Und antik dazu. Nachdem ich die Reste des falschen Steines entfernt hatte, kam eine flache runde Scheibe von ca. 1,5 cm zum Vorschein. In der Mitte war eine Sonne zusehen. Um die Sonne herum waren Zeichen eingraviert. Ich fragte mich, wo ich so eine ähnliche Arbeit schon mal gesehen habe.

Mir fiel es schlagartig wieder ein. Während meines Kunststudiums in Berlin. Mein damaliger Doktorvater trug einen ähnlichen Ring. Ich erinnerte mich an die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben. Donald, mit deinen Qualifikationen und Kenntnissen wirst Du von den besten Kunsthäusern umworben werden, pflegte er immer zu mir zu sagen. Aber das war eigentlich nicht mein Ziel. Zugegeben ich war damals schon ziemlich feminin gewesen. Meine Kommilitonen pflegten mich als Exzentriker abzustempeln. Aber das war mit immer egal gewesen. Als ich ihn einmal auf seinen Ring ansprach, sagte er mir, dass er diesen für seine Verdienste bekommen hat. Als besondere Auszeichnung sozusagen. Diese Art von Ringen, Donald werden heute nicht mehr gefertigt. Leider wirst Du nie in die Gelegenheit kommen einen solchen Ring zu tragen. Warum, fragte ich. Meine Frage blieb unbeantwortet. An unserer Uni munkelte man, dass mein Prof. wohl eine Freimaurer sei. Ob es wohl hiermit zusammen hing? Zuhause hatte ich zwar auch einige antike Schmuckstücke. Diese trug ich jedoch nur zu besonderen Angelegenheiten. Ansonsten blieben sie unter Verschluss.

Endlich erreichten wir den Rastplatz. Von dem nächsten Telefon rief ich sofort Jean an. Er war erleichtert, als er meine Stimme hörte. Als ich ihm von der Verfolgung schilderte sagte er mir, dass mich mein Fahrer mich bis zur letzten Ausfahrt vor Orange bringen soll. Dort werde ich dann von zwei Freunden abgeholt. Woran werde ich diese erkennen. Keine Bange Donna, sie werden dich erkennen. Außerdem ist dort noch ein alter Bekannter von Dir dabei.

Dann rief ich mein Büro an. Ich sagte meiner Sekretärin Birgit, daß sie alle meine Termine für die nächsten zwei Wochen absagen solle. Ich befinde mich auf einer wichtigen Kunstreise in Frankreich.

Danach besprach ich mich mit Brian. Kein Problem. Diese Ausfahrt kennt er. Außerdem ist es nicht mehr weit. Als wir an der Ausfahrt ankamen, stand dort schon ein schwarzer Citroen. Ich stieg aus und ging auf den wagen zu. Zwei Personen stiegen aus. Ein jüngere und ein älter Mann. Donna, sprach mich der ältere an. Ich war wie versteinert. Vor mir stand mein ehemaliger Kunstprofessor....

Im Hintergrund entfernte sich der LKW und mit ihm Brian. Einen Moment stand ich überlegend am Straßenrand und betrachtete meine beiden Gegenüber, als ein weiterer schwarzer Citroen sich mit hohem Tempo näherte. Ich sah, wie an dem heranrasenden Fahrzeug die Seitenscheiben heruntergelassen wurden und warf mich geistesgegenwärtig in den Straßengraben, als ich Schüsse aus Maschinenpistolen und das Fahrzeug vorbeirasen hörte.

Mit einem vorsichtigen Blick aus dem Straßengraben sah ich beide Männer blutend auf dem Boden liegen. Die Straße überquerend ging ich in Richtung meines ehemaligen Professors, der noch atmete, als ich mich über ihn beugte. Er sah mich mit feuchten Augen an, rang nach Luft und stammelte: "Hüte Dich. Hüte Dich vor ...", dann sank sein Kopf zur Seite und die Atmung setzte aus. Als ich mich der zweiten Person zuwandte, war mir sofort klar, daß hier jede Hilfe zu spät kommen würde. Ich durchsuchte beide Personen und fand zwei Schußwaffen, während sich in der Ferne ein dunkles Fahrzeug näherte. Mit den Knarren in der Handtasche warf ich mich ins Unterholz, kroch einen Abhang hinunter und verschwand in der heraufziehenden Dunkelheit.

Nachdem ich in wolkendunkler Nacht mehrere Stunden gelaufen war, kam ich an eine Stelle, die mir sofort bekannt vorkam. Im Kreis laufend kam ich wieder zur Autobahnausfahrt, von der aus ich losgelaufen war. Der Citroen war verschwunden, ebenso die beiden Leichen und im sich durch die Wolken bahnenden Mondschein war zu erkennen, daß alle Spuren, auch das Blut auf dem Asphalt, sorgfältig entfernt worden waren. Während eine innere Panik in mir hochstieg, war ein herantuckerndes Motorrad zu hören. Mit beiden Armen winkend, stellte ich mich auf die Straße und das Motorrad hielt an. Mit einem Griff in meine Handtasche zog ich einen der beiden Schießprügel, den ich dem Motorradfahrer direkt unter die Nase hielt. Dann gab ich ihm mit einer Bewegung der Wumme zu verstehen, er möge sich subtrahieren und mir seine Maschine anheim stellen. Der Fahrer verstand sofort, legte in seiner Verwirrung sogar seinen Helm auf die Sitzbank und rannte in die Richtung los, aus der er gekommen war.

Während der Motorradfahrt Richtung Mittelmeer versuchte ich mich zu konzentrieren, aber ich hatte einen lieben Menschen verloren und die Trauer verdrängte erstmal alles andere. Ich fuhr noch vor Marsaille von der Autobahn ab und suchte einen Platz zum schlafen weil ich schon wieder müde war. Bei einer  Telefonzelle in Sausset hielt ich an. Das Meerresrauschen konnte man schon hören Ich informierte Jean und sagte ihm, daß ich hier auf ihn warten würde. Alles andere schien mir zu riskant. Mit dem Motorrad rollte ich zum Meer runter und legte mich auf die Küstenheide zwischen den Klippen. Ich war fix und alle. Wenn Wellen besonders dolle gegen die Klippen klatschten, bekam ich einige Tropfen davon ins Gesicht. Der Nachtwind war aber warm. Es roch nach Oleander und Jasmin. Mit meinen verpennten Augen sah ich noch vor dem Einschlafen, daß im Osten die Sonne schon den Horizont erhellte. …

Ich hatte den Simca gar nicht gehört, so tief pennte ich. Jean stieg aus dem Wagen und krabbelte auf einen höheren Fels. Er hatte mich aber sofort entdeckt und kletterte zu mir rüber. Ein Küsschen auf meine Wange sollte mich wecken. Ich beschloss aber, daß ein Küsschen nicht ausreichte um mich zu wecken. Aber darauf fiel Jean nicht rein. Mit einer Strohblume kitzelte er an meiner Nase. Das hatte wohl insgesamt auch etwas von schlechtem Gewissen bei ihm und er wusste das auch. Mich bewusst in so eine Situation zu bringen und ich brannte darauf, eine umfangreiche Erklärung von ihm zu bekommen. Ich öffnete meine Augen um gleich darauf zu loszuwettern, kam aber erst gar nicht so weit. Ein zweites Küsschen bekam ich, außerdem ein Strauß Rosen. „Guten Morgen Donna, lass uns frühstücken gehen, ich erkläre dir auch alles“. Wir gingen über die Küstenstraße zu einer Bistro-Veranda und tranken Kaffee und aßen Meterbrot mit Salami. Ich wollte trotzdem stinkig auf Jean sein, klappte aber nicht wirklich. „Du Donna, wenn du nun sauer über mich bist, so kann ich das verstehen“ hörte ich als ersten Entschuldigungsversuch. Ich stand auf, stellte mich vor ihm. Jean stand auch auf, senkte seinen Kopf etwas, er errötete. „Du Schuft“ zischte ich ihm rüber und fiel in seine Arme. Ich war froh, nun nicht mehr alleine zu sein.

Wir suchten als nächstes eine Boutique und eine Drogerie auf, damit mein en femmes Äußeres wieder gut aussieht und riecht. „Donna, wir fahren erstmal in mein Sommerhaus, da kannst du dann duschen“. Wir stiegen in den Simca ein und fuhren mit herunter gekurbelten Fenstern die duftende Küste entlang bis Jean auf einen Schotterweg fuhr, der sich serpentinenartig in die Höhe schlängelte. Wir fuhren durch ein altes Eisentor zu einem Haus, welches typisch für die Landschaft war. Die steinerne Hausmauer war Terrakotta-farbig, das Dach rot und die Fenster waren mit blauen Holzlamellen verschlossen.

Während ich duschte und mich nachpuderte, baute Jean auf der Terrasse ein Mittagsbrunch auf.  Wir saßen bei Fischkroketten, Brot und Wein in der Sonne und genossen die Meeressicht. Ich vergaß fast alles andere. Jean fing aber dann mit seiner Erklärung von selbst an: "Für diese Fischkroketten verwende ich nur richtig frischen Dorsch, den ich in kleine Würfelchen schneide und dann mit frischer Limette und Sherry mariniere. Dann zerkleinere ich ein Bündel Petersilie, schwitze es mit frischer Landbutter an und lasse es abkühlen, bevor ich es mit dem Fisch vermenge. Dann schneide ich ein paar kleine Charlotten in kleinste Würfelchen, vermische sie mit einigen Löffeln Créme Fraîche, gestoßenem Chili, einem feuchten Brötchen, Meersalz, etwas von der Limettenschale und einem Löffel Fischfonds. Zu guter Letzt wird alles gut vermischt, paniert und in reinem Butterschmalz in der Eisenpfanne herausgebacken. Guten Appetit!"

Jean holte kurz Luft, biß in eine Fischfrikadelle (wie ich sie nach seinem Rezept wegen des feuchten Brötchens gerade getauft hatte), kaute kurz, hielt inne, sah mich an und fragte mit vollem Mund: "Noch'n Weinchen?" "Danke, ja" hörte ich mich antworten  und hielt ihm das Glas hin, das er füllte. "Der Trick an den Fischkroketten aber ist," so fuhr Jean voller Enthusiasmus fort, "daß man dazu einen Wein aus dem Tetrapak servieren kann, denn das vertanzt sich ohnehin alles auf der Zunge." Er holte Luft und ich fiel ihm in's Wort: "Nun mach' 'mal Pause. Falls Du mir nichts anderes erklären willst!"

@Eyleen - bitte diese gesamte Zeile löschen und - mach wass draus Kiss .  @Elle -   Wundersames Wasser tritt aus meinen Augen. Rolling On The Floor

Eyleen
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dabei seit: 09.08.2008

Jo,

mach ich - zwar hat Elle zwei meiner Hauptakteure einfach abgeknallt - Aber ich denke bis Freitag bin ich soweit.

hab noch einige Ideen in petto- Glasses

Also nicht verzweifeln....

 

 

*Unser Glück und Seelenfrieden beruhen darauf, dass wir tun was wir für richtig halten und nicht das, was andere sagen oder tun.*

**Mahatma Gandhi**

ElleCommandante
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dabei seit: 20.06.2005

Der jüngere "Hauptakteur" hatte nicht 'mal 'nen Namen. Und ob den Kunstprof. irgendwer reanimiert und zusammengeflickt hat (vielleicht in einem von Kaukasen ursupierten Kellergewölbe?), woher willst Du das wissen? Von seiner Beerdigung habe ich noch nichts gelesen. Vielleicht wird der Prof. auch als Running-Gag noch mehrfach erschossen? Muß halt 'mal Jemand schreiben...

 

 

n/v