Wieso ich als Frau unter Menschen muss

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Jula
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Hi Mädels,

wie ihr wisst, bin ich bekennende "Outdoortranse". D.h, ich gehe gerne in weiblicher Version unter die Leute.

Das ist wohl der Aspekt an meiner Besonderheit, der für meine Frau am schwersten zu akzeptieren war.

Ab und zu mal gestylt auf dem Sofa hocken, das würde sie nicht groß stören. Aber warum um Himmels Willen gehe ich nach draußen? Am hellen Tag! Wieso dränge ich Leuten meine weibliche Seite auf und riskiere dabei die Reputation als Mann?
Die Frage hat mich selber stark beschäftigt und ich konnte keine vernünftige Antwort geben, was mich nach draußen treibt.
Bei dem Versuch, der Ursache auf die Spur zu kommen, bin ich schließlich im Grenzgebiet zwischen Soziologie und Psychologie fündig geworden.

http://freenet-homepage.de/Jula.Me/ichmussraus.htm

Zugegeben, es liest sich etwas kompliziert, aber es ist zumindest für mich die beste Erklärung, die ich für meine Außenkontaktbedürfnisse habe.

NIVEAU ist keine Handcreme! Julas Homepagehttp://www.julaonline.de/

Ella
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Liebe, den Dingen auf den Grund gehende Jula,

Dein Artikel ist wie immer lesenswert, inhaltlich wie stilistisch keinen Wunsch offen lassend.

Dennoch fand ich einen Aufhänger (in der Art von "fiel vom Dach, hatte noch Glück, denn er blieb mit einem Auge an einem Nagel hängen"):

Zitat:
Botschaft 2 an Transgender in Frauenrolle: genießt es, dass man auf euch die gleichen Stereotype projiziert, wie auf andere Frauen.

Wollen wir das wirklich?

Oder besser: Ist es gut, dies zu wollen? Bringt es die Gesellschaft weiter?
Ist es wünschenswert, daß nebst dem "biologisch unauffälligen" Bevölkerungsanteil auch noch wir T*s verschiedenster Couleurs geniessen sollen, was an Sterotypen auf Frauen projiziert wird - zumal diese Stereotype überwiegend eher nach Faulfrüchten aussehen?

Ich bin diesenfalls nicht Deiner Ansicht OBWOHL ich weiss, dass beim lustigen Stereotypenwerfen einiges an "Wohlriechendem" ja auch für uns abfiele Smile

lgc

Die Karawane bellt, der Hund zieht weiter...

Beate_R
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Liebe Christin,

können wir das überhaupt be- oder verhindern - außer vielleicht, dass wir den Bürgerschreck spielen und als DQ oder vergleichbar "aufgetranst" Wackelentchen hinter uns herziehend durch die Innenstädte ziehen?

Und sind die weiblichen Stereotype nicht in jedem Fall angenehmer als die mit Trans-beliebig verbundenen Stereotypen (die vor kurzem in Focus und Kronenzeitung am Beispiel eines Presseberichts über einen pseudowissenschaftlichen Artikel durch die Illustrierung überdeutlich gezeichnet wurden)?

Viele liebe Grüße

Beate 

Gast
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Liebe Jula,

Jula schrieb:
Bei dem Versuch, der Ursache auf die Spur zu kommen, bin ich schließlich im Grenzgebiet zwischen Soziologie und Psychologie fündig geworden.

http://freenet-homepage.de/Jula.Me/ichmussraus.htm

Die letzten Absätze in "Auswirkungen auf mich" lassen mich doch etwas hellhörig werden. Meinst Du nicht, daß da bei Dir mehr dahinter steckt, als Du Dir zugeben willst? :oops:

Uli

Ella
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dabei seit: 27.12.2005

@ Beate

Smile nein, eh nicht. Wir können es kaum be- und gar nicht verhindern (ich kann auch nicht das Ozonloch stopfen).
Und, ja, natürlich hast Du Recht, es sind die weiblichen Stereotypen vielmals besser als der halbtoleranzschmierige Kleister, den die Medien bestenfalls produzieren.

Aber ich kann mir dessen bewußt sein bzw. werden, daß der Genuß auch eine weniger ansprechende Seite hat. Ich kann mir vor Augen halten, daß die real-world-girls max. 2/3 des Bubengehalts erzielen, in vieler Hinsicht unter einem gewaltbereiten Schlapfen stehen und á conto der sog. Waffen der Frau nur relativ wenig wirklichen Einfluß zugestanden bekommen.

Und ich kann die Augen für Potentiale offenhalten, selbst wenn die niemals realisierbar sein könnten.

Nein, wir können nicht die besseren Feministinnen werden, wir müssen aber auch nicht vorauseilend gehorsam die schlechtesten sein.

Ich suche genausoviel Abstand zum Image "Idealweibchen", wie ich das in Bezug auf Images "Radikalfeministin", "Pettycoat-Pupsi" oder "Bordsteinschwalbe" tue.

Nimm es mir nicht übel, ich war halt immer ein alter Hippie und jetzt bin ich halt eine alte Hippel.

Viva la revolución Smile

C

Die Karawane bellt, der Hund zieht weiter...

Ella
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dabei seit: 27.12.2005

PS: Hat eigentlich jemand die Doppelbödigkeit der Überschrift bemerkt? Nein? Eben...

Die Karawane bellt, der Hund zieht weiter...

Gast
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Hi!

Cristin schrieb:
Hat eigentlich jemand die Doppelbödigkeit der Überschrift bemerkt? Nein? Eben...

Ja! Drum meine Frage, ob nicht etwas mehr bei Jula dahinter steckt. Laughing out loud

Uli

Nadine-Rose
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dabei seit: 16.04.2005

... wenn man als Frau in die Öffentlichkeit muss...

weil man gezwungen wird... dann kann das auch durchaus einen Reiz mit sich bringen ... ... oder vielleicht doch mit einem ?

man es nicht mehr ändern kann, weil es keine Alternativen gibt, weil die eigene Klamotten nicht mehr zur Verfügung stehen ...

weil man es nicht ändern konnte, zur Frau gemacht zu werden ...

weil es eine bestimmte Form von SM sein kann ...

... oder weil man es einfach so wollte oder will... und ohne diesen Zwang es niemals machen würde... ?

? Wer hat so etwas schon einmal so erlebt ?

Nadine

claudiaw
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dabei seit: 18.12.2004

Hi,

ja Nadine-Rose ... für Sklaven und Zofen hat Dein Beitrag durchaus bedenkenswertes (und ich meine dies nicht ironisch) ... habe mir schließlich auch ein Zofenkleid gekauft ... bin allerdings damit noch nicht draussen rumgelaufen ... DAS steht noch aus!

und sonst: Jula einen Aspekt hast Du noch vergessen: das ganze kann auch Spass machen! Bitte noch in den Text einarbeiten genau wie meine Anmerkungen im TG-Forum; dann hast Du m. E. EINEN GRUNDLEGENDEN Artikel zu dieser Thematik verfasst (und ich meine dies gleichfalls nicht ironisch) ... könnte noch ne Dr.-Arbeit draus werden!

mit freudnlichem Glückauf aus dem Pott

Claudia

Jula
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dabei seit: 12.12.2004

Hi Mädels,
vielen Dank für die freundlichen Rückmeldungen und vor allem die weitergehenden Hinweise.
Es ist für mich immer lehrreich, wenn ich erfahre, wie andere meine Texte wahrnehmen.

@ Cristin: du hast sicher recht, dass wir, wenn wir wirkliche Frauen sein wollen (in sozialer Rolle, nicht unbedingt körperlich) dann gehört dazu auch die kritische Auseinandersetzung mit Vorurteilen über Frauen und nicht deren nachahmende Bestätigung.

@ Claudia: ja, das mit dem dem Spaß kommt in dem Artikel etwas zu kurz. Das war durchaus Taktik, denn dass ich spaßorientierte Selbstverwirklichung betreibe, wenn ich als Frau unterwegs bin, das ist doch sowieso die Standardvermutung. Die brauche ich nicht begründen.

NIVEAU ist keine Handcreme! Julas Homepagehttp://www.julaonline.de/

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Jula, danke für deinen interessanten Versuch, unsere Gefühle zu analysieren. Es sind viele Ansätze drin, die man länger überdenken muß.

Wenn mich jemand fragen würde, warum ich das tue, bzw. tun muß, dann würde ich erstmal sagen: Ich möchte meine ganze Rolle leben, nicht nur im Haus "rumtigern" und (ganz wichtig) bewundert werden. Ja, das ist wohl Eitelkeit. :oops:

Natürlichkeit ist langweilig