Widerspruch in sich ??????

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@Maria

Wobei wir mal wieder klar in die Schiene der Definitionen geraten und worüber es sich so schön schwatzen läßt....

Zitat:
Ich verwende im Deutschen TG nur als Bezeichnung für Menschen, die eben nicht "nur" TV sind, aber auch nicht TS sind, sondern irgendwo dazwischen leben, also z.B.:
a) teilweise medizinische Behandlungen anstreben, aber nicht vollzeitig in der anderen Rolle leben, z.B. im Beruf im Geburtsgeschlecht bleiben....

Nur kurz zu Deiner Info und als Beleg für Dein Postulat:

Transgender ist ein Begriff, den Virginia Charles Prince in den 1970er Jahren prägte. Die Amerikanerin erfand den Ausdruck, weil es bis dahin kein passendes Wort für ihre Lebensform gab: Sie lebte als Frau und war körperlich Mann.

Nachzulesen unter
Transsexuell vs Transgender

Roxanne
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Maria, danke für dein aufrichtiges Bemühen mir das zu erklären, aber ich muß sagen, daß mir das zu wissenschaftlich ist und ich auch wenig Sinn darin sehe das Spektrum so in Feinheiten aufzuschlüsseln - quasi aus einer Kommode mit drei Schubladen ein Apotheker-Wandregal zu machen. Ganz einfach, weil es dann immer schwieriger wird jemanden (sich selbst?) richtig zuzuordnen. Und warum überhaupt? Wem hilft das?

Kennst du den Film "Kentucky Fried Movie"? Die Szene im Kerker?

Bösewicht erklärt dem Besucher die Zellen:
"Das sind die, die wissen, wo sie sind und trinken.
Das sind die, die trinken, aber nicht wissen, wo sie sind.
Das sind die, die nicht wissen wollen, wo sie sind und trinken.

Zwischenruf aus der Zelle:
"Hey, ich trinke nicht, will aber wissen, wo ich bin!"

Bösewicht zum Kerkermeister:
"Sofort in die andere Zelle mit dem Mann!"

Eine liebe Freundin würde zu dem Thema wohl sagen: "Ach was, wir sind doch alle Tucken." Laughing out loud

Natürlichkeit ist langweilig    

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Liebe Roxanne,

Roxanne schrieb:
Eine liebe Freundin würde zu dem Thema wohl sagen: "Ach was, wir sind doch alle Tucken." Laughing out loud

ja, damit kann ich auch gut leben. Wink Den Film kenn' ich auch, der ist klasse.
Roxanne schrieb:
Maria, danke für dein aufrichtiges Bemühen mir das zu erklären, aber ich muß sagen, daß mir das zu wissenschaftlich ist ...
Ganz einfach, weil es dann immer schwieriger wird jemanden (sich selbst?) richtig zuzuordnen. Und warum überhaupt? Wem hilft das?

Tja, frau kann eben auch nicht aus ihrer Haut. Ich bin Wissenschaftlerin. :oops:

Manchen Leuten helfen solche Schemata. In der Wissenschaft kommt man sogar ohne das nicht aus. Und Du hattest ja gefragt, wie ich das definiere. Jede eben auf ihre Weise...

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@Maria

Zitat:
.....Ich bin Wissenschaftlerin......

fein, willkommen im Club...und, entschuldige meine Neugier :roll:
welche Fakultät...?

Sandra-c
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Hallo,

irgendwie habe ich das Gefühl, dass bei all diesen Versuchen der Typisierung der Mensch und sein Schicksal mal wieder auf der Strecke bleibt. Aus meiner eigenen Situation heraus kann ich sagen, dass eine klare Abgrenzung nicht möglich ist. So hatte ich leider vor 20 / 30 Jahren nicht die Informationsmöglichkeiten wie heute das Internet bietet um zu begreifen wer oder was ich bin. Hinzu kamen Situationen wie die schwere Krebserkrankung ( damals war es im Gegensatz zu heute verpönnt darüber zu reden) meines Vater die alles andere in den Hintergrund rückte.
Wäre diese Zeit und einige weitere Situationen anders verlaufen würde ich heute sicherlich als Frau leben und nicht aufgrund der Beziehung zu Menschen die mir viel bedeuten als auch der sozialen Situation nahezu jeden Tag mit mir kämpfen ob es nicht doch auch noch mit 50 Sinn macht konsequent zu handeln anstatt nur eine weitgehende Angleichung wie z.B. durch eine dauerhafte Haarentfenung, kosmetischer OP´s (was ich aus eigener Tasche bezahle und nicht die KV ) zu erreichen.
Insofern nun die Frage bin aufgrund des Leidensdruck TS oder der äußeren Gestalt TV? Wo zieht ihr hier die Grenze.

LG
Sandra

Die Idee ist, so spät wie möglich jung zu sterben Ashley Montagu

Beate_R
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Hallo Sandra,

ist es nicht in jedem Fall der Leidensdruck, der zählt?

Viele liebe Grüße

Beate 

Mabel
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maria45 schrieb:

Ich verwende im Deutschen TG nur als Bezeichnung für Menschen, die eben nicht "nur" TV sind, aber auch nicht TS sind, sondern irgendwo dazwischen leben, also z.B.:
a) teilweise medizinische Behandlungen anstreben, aber nicht vollzeitig in der anderen Rolle leben, z.B. im Beruf im Geburtsgeschlecht bleiben
Cool volle medizinische Behandlung durchführen, aber nur teilweise oder gar nicht für andere erkennbar in der anderen Rolle leben
c) keine medizinischen Behandlungen anstreben, aber vollzeitig in der anderen Rolle leben (das wäre eigentlich der Urtyp von Transgender: eben nur komplett die soziale Rolle wechseln, der "Sex" aber bleibt alles beim alten)
d) sich manchmal so und manchmal so fühlen
e) Genderf.ck machen
f) sich androgyn fühlen
g) die Einordnung in ein zweipoliges Geschlechterschema für sich komplett ablehnen

Non-TG sagt zu TG: "Du machst doch nix halbes und nix ganzes, ich versteh das nicht."
TG sagt zu Non-TG: "Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile, das verstehst Du nicht."

Wer nun bei der Typologie der Transgender gut aufgepaßt hat, könnte entdeckt haben, daß folgender Typ fehlt:
x) lebt und identifiziert sich voll mit der anderen Rolle, nimmt aber nur teilweise medizinische Behandlung vor

Diesen Typ würde ich auch als TS sehen. Gründe, warum manche TS nur teilweise medizinische Behandlungen vornehmen, gibt es einige.

Liebe Grüße, Maria

Sehr interessant, Maria, deine Definitionen Smile

Ich persönlich (ich würde mich doch am ehesten als "transidentisch" bezeichnen) bin eine Mischung aus c), f) und g) ... bei c) habe ich aber große Probleme mit dem Begriff "andere soziale Rolle".
Was heißt denn das??
Ich lehne wie g) die herkömmlichen Geschlechtsrollenklischees generell ab ... ich fühle mich zwar eher als weiblich, bemühe mich auch um einen entsprechenden "Look", orientiere mich aber (anders als viele TS) an "emanzipierten" Frauen, die kein Interesse daran haben, der "weiblichen Geschlechtsrolle" zu entsprechen.

Wie TVs auch "Mann" zu sein und entsprechend aufzutreten, das könnte ich nicht, kann es auch nicht wirklich nachvollziehen ... natürlich ist es EIGENTLICH "ein und dieselbe Person", nach außen hin aber eben doch nicht ... irgendwie empfinde ich das wie Jacqueline dann doch als "gespaltene Persönlichkeit" :oops: Thinking

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:oops:

Gast
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Hi Ihr,

@Mabel: wenn ich Dich richtig verstehe, lebst Du wie viele andere normale Frauen auch, ohne besondere Betonung. Es gibt doch innerhalb des "Frau"-lebens eine riesige Bandbreite von "Barbie" über "Geschäftsfrau", "Hausfrau", "Ökofrau", 0815frau, "Kirchenfrau", "Mutter" etc. (was sich alles nicht ausschließt!). Soziale Kontexte gibts doch wie Sand am Meer und egal wo frau sich da verortet, ist sie doch Frau.

@Sandra-c: das hört sich doch in Richtung (verhinderter) TS an. Leidensdruck ist ja auch nicht gleich Leidensdruck. Es gibt TS, die amputieren sich ihren Penis aus Verzweiflung. Soweit bin ich auch nie gewesen, Gott sei Dank. Aber Suizidgedanken hatte ich schon mal, als ich dachte, daß ich nie als Frau rüberkommen werde, aber eben auch nie mehr als Mann leben kann. Bei anderen geht das nicht so weit, sie merken das relativ undramatisch, gehen Schritt für Schritt die Anpassung und fertig ist die Sache. Andere haben zu viele soziale Hindernisse, empfinden sich als zu alt (wobei die älteste MZF-OP mit 80 oder 85 glaub ich stattfand, also da ist eigentlich keine Grenze) oder mit zu schlechtem Passing. Da gibts doch soviele Unterschiede wie es Menschen gibt. Letztlich ist es ja schon schwierig, die "Höhe" des eigenen Leidensdrucks zu messen oder zu beurteilen, geschweige denn den Leidensdruck von anderen. Das kann man dann nur an Indizien abschätzen.

@Veronica: wie man vielleicht unschwer an meinen ersten Beiträgen ablesen konnte, Neurowissenschaftlerin. Von der Ausbildung her Neuropsychologin und Psychotherapeutin, hat sich aber immer mehr in Richtung Neurowissenschaften entwickelt. Habe gerade meine Dissertation über die Entwicklung eines Screenings für akute Aphasien fertig. Ist immerhin das weltweit beste Verfahren geworden...

Liebe Grüße, Maria

Roxanne
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Veronica schrieb:
Die Empfindungen des Transvestiten innerhalb der Grenzen

- Zufriedenheit weibliche Kleidung tragen zu können bis hin zur Kunstform des Transvestismus den Drags -

sind zu unterscheiden von

- Transvestiten, deren Handlungen nur den Regeln sexueller Befriedigung gehorchen-

Und hier sollte gefragt werden:

wie fühlt ihr euch nach eurer persönlichen Transvestiten-Sitzung?

Deine Frage ist aber recht indiskret, ob sich dazu jemand eindeutig erklärt?
Grundsätzlich liegt die Antwort aber bereits in deiner Fragestellung. Der Transvestit, der Zufriedenheit, innere Ausgeglichheit im Tragen der Kleidung des anderen Geschlechts findet, wird nach "seiner Sitzung" in der Regel traurig sein, dieses Gefühl wieder zu verlieren. Oder er wird seine "Glücks-Batterie" wieder für eine Weile aufgeladen haben und ohne die Kleidung auskommen.

Der fetischistische TV wird nach seiner "Sitzung", die er in der Regel mit einem Orgasmus beschließt (war ja Sinn der Sache..) zufrieden sein - bis zum nächsten Drang.

Dazwischen gibt es auch noch die TVs, die unerwünscht zum Orgasmus kommen oder die, die sich nach dem Orgasmus darüber ärgern das "Wohlfühl-Ei" wieder zu verlassem.

Man erkennt schon hieran, daß es x Abstufungen, Differenzierungen gibt, die das Schubladendenken erschweren. Zudem ist es auch nicht unüblich, daß ein TV innerhalb dieser Schubladen hin-und-her springt.

Travestie-Künstler lasse ich da völlig aussen vor - die tun es für den Lebensunterhalt. Zumindest offiziell.

Zum Thema "Leidensdruck" als Aufhänger zur Einordnung. Habt ihr mal an die gedacht, die gern Frau wären, aber wegen ihrer körperlicher Erscheinung den Weg der TS für sich ausschliessen und als "einfacher TV" ihr Leben bewältigen? In welche Schublade gehören die?

Natürlichkeit ist langweilig