Warum müssen Außenstehende imm Geschlecht wissen?

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mohini
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dabei seit: 11.03.2012

Michaela schrieb:
Warum sollte man sich den Rat erfahrener Menschen anhören? Hilst es nie weiter, oder vielleicht doch? Wenn Du das VÄ/PÄ Verfahren für lächerlich hältst, warum strebst Du es an? Und kannst Du Dir vorstellen, dass Kunden, Vorgesetzte und Kollegen eine willkürliche Namenswahl ebenso lächerlich ansehen?

natürlich, dafür ist der psychologe ja auch da, mit dem man sein leben und sein ganzes weiteres vorgehen bespricht. nachdem sich dieser ein umfangreiches bild von einem über einen längeren zeitraum angeeignet hat, bekommt man ja auch seine diagnose (ob jetzt ts diagnose oder eine andere, sei mal dahingestellt).

anders sieht es mit gutachtern aus, die einen kurz mal sehen und mit fragen aus ihrem fragenkatalog bewerten. hat was von führerscheinprüfung, alle fragebögen schön auswendig lernen.

die ganze gutachterei für seine dokumente umschreiben zu lassen hat ganz ehrlich gesagt auch etwas entwürdigendes. der staat traut mir nicht zu, dass ich weiß, welchem geschlecht ich angehöre.

 

du weißt genau, warum man eine pä anstrebt, michaela. wenn das äußere erscheinungsbild nicht zu dem eingetragenen geschlechtseintrag passt, wird man immer wieder opfer von diskriminierungen. angefangen von reisen mit paßkontrollen, krankenhaus- oder gefängnisaufenthalten, auch kann auf der arbeit verlangt werden, dass man sich trotz hormonen, ops etc. immer noch in seiner ursprünglichen geschlechtsrolle präsentieren muss.

nochmals: ich finde die pä an sich eine gute und wichtige sache, nur das gutachterverfahren halte ich für eine kostspielige, entmündigende farce.

Michaela
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Gelbe Karte
dabei seit: 11.11.2012

mohini schrieb:

Michaela schrieb:
Warum sollte man sich den Rat erfahrener Menschen anhören? Hilst es nie weiter, oder vielleicht doch? Wenn Du das VÄ/PÄ Verfahren für lächerlich hältst, warum strebst Du es an? Und kannst Du Dir vorstellen, dass Kunden, Vorgesetzte und Kollegen eine willkürliche Namenswahl ebenso lächerlich ansehen?

natürlich, dafür ist der psychologe ja auch da, mit dem man sein leben und sein ganzes weiteres vorgehen bespricht. nachdem sich dieser ein umfangreiches bild von einem über einen längeren zeitraum angeeignet hat, bekommt man ja auch seine diagnose (ob jetzt ts diagnose oder eine andere, sei mal dahingestellt).

anders sieht es mit gutachtern aus, die einen kurz mal sehen und mit fragen aus ihrem fragenkatalog bewerten. hat was von führerscheinprüfung, alle fragebögen schön auswendig lernen.

die ganze gutachterei für seine dokumente umschreiben zu lassen hat ganz ehrlich gesagt auch etwas entwürdigendes. der staat traut mir nicht zu, dass ich weiß, welchem geschlecht ich angehöre.

 

du weißt genau, warum man eine pä anstrebt, michaela. wenn das äußere erscheinungsbild nicht zu dem eingetragenen geschlechtseintrag passt, wird man immer wieder opfer von diskriminierungen. angefangen von reisen mit paßkontrollen, krankenhaus- oder gefängnisaufenthalten, auch kann auf der arbeit verlangt werden, dass man sich trotz hormonen, ops etc. immer noch in seiner ursprünglichen geschlechtsrolle präsentieren muss.

nochmals: ich finde die pä an sich eine gute und wichtige sache, nur das gutachterverfahren halte ich für eine kostspielige, entmündigende farce.


Gutachter nehmen sich mindestens drei Stunden Zeit, meistens sechs, oder mehrere Tage. In der Zeit kann man sehr viel herausbekommen, viel mehr, als Du Dir vorstellst und viel mehr, als im Gutachten steht. Wer meint, es gäbe "richtige" Antworten, hat wenig verstanden und wird aus dem Gespräch mit den Gutachtern nichts, aber auch gar nichts, mitnehmen.

Opfer von Diskriminierung wird man bei schlechtem Passing nicht durch eine nicht vorhandene PÄ. Die Papiere helfen wenig. Ich kenne Transsexuelle, deren Probleme erst mit der VÄ anfingen, weil z.B. Verkäufer die Scheckkarte nicht mehr akzeptieren wollten. "Das ist doch die Karte von Ihrer Frau". Klappe zu, Affe tot.

mohini
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dabei seit: 11.03.2012

ich habe kein problem damit, mir wohlgemeinte ratschläge anzuhören und evtl. auch anzunehmen. vielmehr habe ich ein problem damit, dass meine entscheidung, mein leben so zu führen, wie ich möchte, noch von zwei gutachtern beglaubigt werden muss, dass das auch die "richtige" entscheidung ist. warum muss der staat überhaupt mein geschlecht wissen?

ich werde gute miene zum bösen spiel machen und den gutachtern brav sagen, was man als richtige ts so zu sagen hat.

 

dein beispiel geht aber auch andersrum: bei einer ts mit gutem passing ohne pä/vä heißt es dann "karte von ihrem mann".

die papiere sind in den von mir oben aufgeführten situationen von bedeutung, im alltag natürlich weniger.

 

Johanna
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Erst einmal vorweg:

Callistas Beitrag (6. Jan., 17:54 Uhr) war meiner Meinung nach eindeutig der beste und passendste zu der Eingangsfrage.

Michaela schrieb:
Weil man sich gegenüber den beiden Geschlechtern unterschiedlich verhält. Von Männern kann offene harte Gewalt ausgehen, darum sollte man Männer, deren Alter und Rang frühzeitig erkennen. Frauen dagegen sind harmlos.

Man verhält sich gegenüber den Geschlechtern unterschiedlich, aber um Gewalt geht es gar nicht. Nur eine sehr kleine Minderheit der Männer wird gewalttätig. Von der Tatsache, dass mein Gegenüber ein Mann ist, kann ich nicht auf Gewalt schließen. Das kann ich erst aus seinem Verhalten schließen (besoffen, gibt böse Sprüche ab ...). Nein, vielmehr können Männer und Frauen mir gegenüber eine unterschiedliche soziale Position einnehmen.

Für einen Mann: Ein anderer Mann kann ein Freund (=Kamerad) werden. Er kann aber auch ein Konkurrent um eine Frau werden. Eine Frau kann eine (Sexual-)Partnerin sein, sie kann aber auch eine bestehende Beziehung gefährden.

Für eine Frau: Eine andere Frau kann eine Freundin (=Kameradin) werden, aber auch eine Konkurrentin. Ein Mann könnte mich begehren und um mich werben, will ich mich darauf einlassen? Er kann dabei eine bestehende Beziehung gefährden.

In beiden Fällen muss ich nicht nur mein Verhalten entsprechend anpassen, sondern davon ausgehen, dass es mein Gegenüber ebenfalls tun wird.

Natürlich war dies stark vereinfachend. Es gibt schließlich auch Schwule und Lesben, und manche Menschen können mit Personen beiderlei Geschlechts kameradschaftliche Freundschaften pflegen.

mohini schrieb:
ich wurde von meinem therapeuten schon eindringlich vor solchen reaktionären gutachtern gewarnt. wenn man sein gutachten haben will, muss man halt notfalls ein bisschen schauspielern.

Jein. Schauspielern nicht, aber jeder Mensch hat viele Fazetten, und man kann die passende Fazette zeigen. Wenn du im Rock und femininer (stilistisch passender!) Bluse dem Gutachter gegenübersitzt und von typisch weiblichen Tätigkeiten sprichst, und der Gutachter sieht, dass du dich dabei wohl fühlst (er ist ja schließlich auch geschulter Psychologe und kann auf Kleinigkeiten der Körpersprache achten), dann fällt es ihm relativ leicht, festzustellen, dass du als Frau leben kannst. Wenn du jedoch in androgyner Unisex-Kleidung ihm gegenüber sitzt und von deiner Arbeit in einem typischen Männerberuf erzählst, dann weiß er erst einmal nicht, ob du denn dort überhaupt als Frau akzeptierst bist und nicht vielleicht einfach nur als femininer Mann durchgehst, und er weiß nicht, ob eine Namensänderung überhaupt hilfreich wäre. Das hat nichts mit reaktionär zu tun, trotzdem mag es natürlich auch reaktionäre Gutachter geben.

Michaela schrieb:
Gutachter nehmen sich mindestens drei Stunden Zeit, meistens sechs, oder mehrere Tage.

Mindestens? Bei mir einmal 75 Minuten, einmal 2 1/2 Stunden. Wenn der Fall klar ist, braucht nicht mehr Zeit verschwendet zu werden.

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

mohini schrieb:
ich werde gute miene zum bösen spiel machen und den gutachtern brav sagen, was man als richtige ts so zu sagen hat.

 

Und nichts über Fetische und Traumata erzählen, denn wenn so was dann im Gutachten, wenn es denn positiv sei, kannst Du dann OP-Leistungen selber zahlen.

Es ist totaler Schwachsinn, Kindheitstraumata vorher restlos aufzuarbeiten, bis dahin ist der Mensch so alt, dass sich die OP gar nicht mehr lohnt, Sportprogramme in Reha-Kuren werden erschwert, usw. Soziale Verursachung von TS wurde zig-mal widerlegt.

Fetische haben Bio-Menschen auch, solange es kein Frauen-Kleidungstrage-Fetisch ist, ist es irrelevant.

 

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive