Warum haben viele TS/TV keinen Job?

151 Antworten [Letzter Beitrag]
Heike_007
Bild von Heike_007
Offline
Reale Person
dabei seit: 10.04.2006

Konstanze schrieb:
Tanja, du beschreibst die Probleme einer TS. Welche Tv wird beim Vorstellungsgespräch sagen, dass se TV ist? Geschweige denn, dass TVs als TVs in die Arbeit gehen.

So lange ich das TV-Sein in meiner Freizeit auslebe, gehört das zu meiner Privatsphäre und die geht bekanntlich keinem Chef der Welt etwas an. Ich habe aber schon von Fällen gehört, wo dann doch der Wunsch bestand, gelegentlich "en femme" am Arbeitsplatz zu erscheinen. Spätestens dann kann es Probleme geben.

Ich habe in meinem bisherigen Leben noch keinen idealen Chef kennengelernt. Die meisten verfügten über mehr oder weniger menschliche Schwächen. Eine ganz wesentliche Schwäche ist die Neugier und die Versuchung ist groß, gegebenenfalls diese Informationen gegen den Mitarbeiter zu verwenden, wenn es denn erforderlich werden sollte (betriebsbedingte Kündigungen, beispielsweise). Der kann ja dann beim Arbeitsgericht wegen Diskriminierung klagen.

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).

Roxanne
Bild von Roxanne
Offline
ModeratorReale Person
dabei seit: 03.01.2006

Heike_007 schrieb:
So lange ich das TV-Sein in meiner Freizeit auslebe, gehört das zu meiner Privatsphäre und die geht bekanntlich keinem Chef der Welt etwas an. Ich habe aber schon von Fällen gehört, wo dann doch der Wunsch bestand, gelegentlich "en femme" am Arbeitsplatz zu erscheinen. Spätestens dann kann es Probleme geben.

Na klar gibt es auch Transvestiten, die en femme zur Arbeit gehen. Sonya war damit sogar im Fernsehen. Oder denkt an Trinchen von Gegenwind.

Und ganz sicher würden viele TV das supergern mal tun. Nicht immer, aber immer öfter. Und warum tun sie es nicht: Weil sie Nachteile befürchten.

Natürlichkeit ist langweilig    

Beate_R
Bild von Beate_R
Offline
Reale Person
dabei seit: 03.02.2005

Konstanze schrieb:
ja, bei mir gab es nie Schwierigkeiten.

In meiner Gerade-eben-noch-so-TV-Zeit scheint mein damaliger Auftraggeber etwas mitbekommen zu haben. Obwohl ich nicht explizit geoutet war, gab es ein paar mal eindeutige blöde Bemerkungen. Ansonsten ist die IT-Branche ja bekannt offen; wenn die Qualifikation passt, muss nicht mal das Passig ordentlich sein.

Andersherum habe ich durch die Altersarbeitslosigkeit überhaupt erst (innerlich) Freiraum bekommen, um mich zu mir selbst stellen zu können.

Viele liebe Grüße

Beate 

Svenja-J
Bild von Svenja-J
Offline
dabei seit: 24.07.2008

Bei mir liegt es nicht an TS, dass ich ohne Job dastehe. Ich habe schlicht wegen meiner Sehbehinderung den falschen Beruf (Büro) gelernt. Sich mit einem Beruf, der nicht zu einem selbst passt in einem überlaufenen Berufsfeld, wie dem kaufmännischen Bereich zu bewerben... Das habe ich als aussichtsloses Unterfangen erlebt. Jetzt suche ich nach einem neuen, zu mir passenden Berufsfeld und hole inzwischen mein Abi nach. Hoffentlich ist es für einen Neuanfang nicht schon zu spät... Crying

Warum muss man unbedingt bei der Berufswahl in jungen Jahren gleich die richtige Entscheidung treffen??? Sick Angry

Lina
Bild von Lina
Offline
dabei seit: 02.03.2008

Ein Freund von mir, der andere ausgefallene sexuelle Vorlieben, versteckt sich nicht wirklich, und in seinem Profil in einem für ihn relevanten Fourm steht: "Ich bin excentrischer Freiberufler. Ich darf das."

Bringt das nicht alles auf den Punkt? Alle, die nicht ohnehin ihr Geld mehr oder weniger am Rande des Establishments, sollten lieber die Klappe halten und so sein Lieschen Müller und Max Mustermann. So wird es zumindest sein beid er überwiegenden Mehrheit der Arbeitgeber. Bloß nichts riskieren. Die Kunden könnten uns ja weglaufen. Dass es Kunden gibt, denen es scheißegal ist oder es sogar erfrischend finden würde, dass Max Mustermann plötzlich Lieschen Mustermann heißt, überlegen sich die Wenigsten.

Genug lamentiert.

 

Was mich jedoch noch mehr wundert als die hohe Arbeitslosenquote unter TS/TG, dass man äußerst selten wirklich von konstruktivem beruflichem Networking in diesen Kreisen. Die meisten TS, die ich kenne, die beruflich erfolgreich sind, wie mein Freund sagt, "exzentrische Freiberuflerinnen". Dazu gibt es noch eine Menge "SympathisantInnen" der einen oder anderen Art. Zum Beispiel über ein Treffpunkt wie dieses Forum, dürfte es doch möglich sein die eine oder andere beziehung zu Knüpfen wodurch eine einen guten Auftrag landet, eine andere einen guten Job findet usw.

Ich finde, ihr solltet euch das gut überlegen, wie ihr auch beruflich die Möglichkeit nutzen könnt, dass ihr hier Kontakt zu so viele andere TG findet.

Wer diesen Vorschlag schon wieder nur ins lächerliche ziehen wollt, wie es schon mal passiert ist, kann ich nur sagen: Grabt euer eigenes Grab. Ich bin nicht diejenige, die desperat nach Jobs sucht. Ich bin aber jederzeit bereit denen zu helfen, die auch fähig sind konstruktiv zu denken. Das ist kein Kriterium, das ich setze, sondern eine natürliche Voraussetzung ...

 

Also Mädels nochmals, Networking unter TG - wo bleibt es?

 

 

 

 

Ronja S. EX
Bild von Ronja S. EX
Offline
Ehemaliges Mitgllied
dabei seit: 01.04.2008

Ööööhm... ich mag da ein bissel anders denken, was die Thematik TS und die Reaktionen von potentiellen Arbeitgebern angeht. Ich hatte mich vor einem Jahr in einer Firma beworben, und ein Bekannter in dieser Firma hatte mir den Tip gegeben. Letztlich sprach der Chef intern aus, dass Menschen wie ich das Image der Firma kontraproduktiv beeinflussen würden und so unerwünscht wären.

Eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit sagte mir, "sie könne mich in Frauenberufe als Mann niemals vermitteln, wo gäbe es denn sowas!"

Diverse private Arbeitsvermittlungsagenturen schrieben es ebenso. Für eine Tätigkeit, die i.d.R. Frauen erledigen, sei ich generell nicht geeignet. Auch der Hinweis darauf, dass ich eine Frau sei, wurde generell mit Reaktionen wie "ich weiß ja, sie sind transsexuelle Frau, aber meine Kunden wollen richtige Frauen, weil nur die halt richtig so arbeiten können" oder "ich kann Sie als Mann eh nicht vermitteln, also rufen Sie mich bitte nicht wieder an!".

Letztens war ich in einer Maßnahme vom Arbeitsamt, wo mir angetragen wurde, in einer Firma erotische Massagen und Eskortservice auszuüben. Ja, gehts denn noch!? Bin ich als Transfrau irgendwie Freiwild? Das kanns doch nicht sein! Und ich werde dagegen kämpfen. Mit Sicherheit.

Und der "beste" Hinweis, wie ich mein Leben meistern kann, kam aus meinem familiären Umkreis:

"Geh doch mal zehn Jahre anschaffen und setz Dich dann aufs Altenteil!"

Vielen Dank...

 

ich geh dann mal Schnee schippen... :mgreen:

Lebe Dein Leben wie du selbst, und Du wirst überrascht sein, was Du alles kannst.

Karin
Bild von Karin
Offline
Reale Person
dabei seit: 03.04.2007

Ich habe glücklicherweise meine Arbeit (bisher) behalten. Und mein Umstieg als Frau zu leben war sicher nicht einfach. Ich bin auch dankbar für die Unterstützung meines Arbeitgebers, auch wenn wir uns arrangieren mussten.

Ich bin Versicherungsvertreterin (Aussendienst), aber das mit Leib und Seele. Bei den Kunden habe ich bisher nur positve Erfahrungen gamacht, Ausnahmslos ! Hätte ich bei meinem outing nicht erwartet. Nur ein Vertragspartner meines Arbeitgebers konnte es nicht akzeptieren. Das musste ich hinnehmen, es war mit dem Betriebsrat so abgesprochen.

Trotzdem krieselt es gewaltig. Ich weiss nicht, wie lange es noch tragbar ist, die vielen Krankheitstage hinzunehmen. Deshalb habe ich angeboten, meinen Urlaub für Nadelepi und andere Arzttermine aufzubrauchen. Mir ist der Job halt wichtig.

Ich glaube viele Transsowieso, die Arbeit suchen erwarten zuviel Verständnis für unsere Situation, und sind nicht bereit, auf einiges zu verzichten um eine tragbare Arbeitskaft zu sein. Viele Unternehmen haben es in der momentanen Situation gar nicht leicht. Kleinunternehmen machen eines nach dem anderen zu, grössere Gesellschaften haben oft die Aktionäre im Nacken, die nur Dividenden sehen, und Kosten drücken wollen. Da sitzen die Personalchefs auch oft zwischen den Stühlen.

Ich finde, eine gute Einstellung ist.... es ist nicht gerade ein Traumjob, aber ich nehme ihn an, und tue mein möglichstes ihn zu behalten..... dann klappt es auch mit dem... Wenn sich die Chance ergibt, Einsatz zeigen! auch wenns weh tut.

Niemand er Arbeit sucht, ob Ts oder nicht, kann heutzutage wählerisch sein, es is ne ganz schierige Zeit.

´s Karinsche

 

 

 

Tassi EX
Bild von Tassi EX
Offline
Ehemaliges Mitgllied
dabei seit: 02.05.2007

Ok - da ist ja doch do einiges zusammen gekommen!

Grundsätzlich sehe ich es erstmal so, dass nach wie vor viele Arbeitgeber mit der verkehrten Einstellung und falschen Vorurteilen an die Sache ran gehen. Fakt ist, dass in Berufen, in welchem man direkten Kontakt mit Kunden hat, sich gut überlegen sollte, was man da genau macht und bewirkt.

Auf der anderen Seite kenn ich einen Verkäufer in einer Verpackungsfirma/Druckerei, welcher bespielsweise Lucky Strike und ebenso einige andere Zigarrettenmarken als Kunden hat und der erfolgreichste Aussendienstler im Unternehmen ist, wenngleich er die Definition für einen bunten schillernden Menschen als Maßstab setzt. Gerade bei solchen Beispielen fällt mir immer nur ein Satz ein "Erfolg und Umsatz kennt keine Diskriminierung!".

Mein Partner und ich haben mehrere Firmen, davon ist eine im Werbebereich tätig und hat sehr viel direkt mit den Führungsetagen verschiedener Unternehemen zu tun. Natürlich war es gerade in dieser Hinsicht für mich wichtig bei solchen Kunden authentisch aufzutreten, da es schlicht und ergreifend um Geld geht - insofern ist es nachvollziebar, dass es genau der Breich war, in welchem ich mich als letztes outete. Komischer Weise kam da wesentlich mehr Verständnis als ich vermutet hätte. Es mag sicher sein, dass auch hier mal unter den Kunden gesprochen wurde (...ist mir egal), doch glaube ich, dass so mancher Bürojob weitaus spiessiger ist und einem hier das Leben von Kollegen eigentlich unbegründet zur Hölle gemacht wird.

In einer der anderen Firmen handelt es sich besipielsweise nur um Bürojobs und hier ist es uns reichlich egal wie da jemand rumläuft, solange er oder sie den Job macht - nur naggich sollte es nach Möglichkeit nicht sein. Wink

Überrascht sind wir allerdings über die Tatsache, wie wenig Menschen motiviert sind und auch wirklich arbeiten wollen und dies ist leider auch eine Tasache, welche ich oft von den Kunden im AUssendienst bestätigt bekomme. Ich kenn kaum eine Firma, welche nicht auf der Suche nach Mitarbeitern ist. Arbeitsamt?! ... vergesset es, es ist meinen Augen der größte Schwachsinnsverein den es gibt. Virtuelle Jobbörsen?! ... halte ich ebenso nicht viel von , denn die meisten Menschen, welche ich hierdurch kennen lernte, können sich nicht vom WWW trennen und turnen in all möglichen Foren rum, anstatt dann auch wirklich was zu arbeiten.

@Lina .. ich stimme dir absolut zu, doch kam auf mein Jobangebot leider nur eine Resonanz, welche von mir noch eine etwas erläuternde Antwort erhielt und sich dann nie wieder meldete.

tanjak
Bild von tanjak
Offline
Reale Person
dabei seit: 08.03.2005

Konstanze schrieb:
Geschweige denn, dass TVs als TVs in die Arbeit gehen.

Zielte aber nicht darauf genau das Eingangsposting ab? Sonst hätte die Überschrift ja gleich heißen können " Warum haben soviele TS keine Arbeit"

Aber wie schon erwähnt, man kann eh nur das falsche schreiben zu solch einem Thema.

Triona
Bild von Triona
Offline
Reale Person
dabei seit: 05.10.2007

Ich denke mal, daß hier eher gemeint ist, daß geoutete TV auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz bekommen können, wenn sie dort ganz "normal" als Mann erscheinen und auch nicht vorhaben, das zu ändern (sogenannte "Freizeitfrauen").

liebe Grüße
Triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.