Wahrnehmung - positive und negative Erfahrungen

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Michaela
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Avi schrieb:
auch wenn ich sicherlich kein Fan von Michaela bin (tja, wer hätte das gedacht^^), passt es imho doch genau hier herein.

Die großen Unterschiede in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und in der Reaktion anderer Menschen auf einen selber kann man als Transsexuelle viel eindeutiger feststellen, als es Männer oder Frauen mitbekommen, die nur eine Seite kennen.

Darum passiert ab dem Augenblick, an dem man stealth leben kann sehr viel als während der gesamten Transition, weil man sich von der männlichen Sozialisation endgültig verabschieden muss und erkennt, wie unterschiedlich das Leben ist. Solange man als Transe erkannt wird, passiert das nicht und man bleibt in der Wahrnehmung anderer ein Mann. Und sie verhalten sich weiter entsprechend, auch wenn der Höflichkeit wegen kleine Nettigkeiten passieren, wie das Öffnen von Türen

Als Frau wird man nicht mehr ernst genommen, die Fachkompetenz wird angezweifelt, man wird wie selbstverständlich zu einfacheren Arbeiten eingeteilt, es gibt weniger Einladungen zu Kongressen, man nimmt nicht mehr an internen Gesprächen unter Männern teil, etc..

Das ist eine riesige Umstellung und ein täglicher Kampf um Respekt. Es ist sehr negativ, kostet viel Kraft und ist vielen nicht klar, die eine Transition beginnen. Man katapultiert sich aus der dominanten anerkannten männlichen Position in die viel schwächere der Frauen. Darum finden die größten Veränderungen in einem selber in den Jahren nach der Transition statt.

Suse
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dabei seit: 07.11.2012

Hallo Avi,

warum sollte ich böse sein? In meinem Eingangspost schrieb ich, dass es mir um die TS geht, die eben nicht stealth durchs Leben laufen. Es ging mir darum wie diese wahrgenommen werden und wie die Akzeptanz in der Öffentlichkeit spürbar ist.

Ich gebe da eher Beate recht, dass der Beitrag von Michaela eher nichts mit trans* zu tun hat, wie sie danach auch selbst schreibt, da sie stealth lebt. Auch sieht sie es ja gar nicht wie du, dass es ein Positiverlebnis sei, sondern beschreibt ihre Neagativerfahrungen als Frau. Darum geht es in diesem Thread nicht und ist somit OT. Deshalb hatte ich sie gebeten, dafür einen eigenen Thread aufzumachen, wenn sie diese Problematik diskutieren möchte.

Sorry, wenn das vielleicht ein bisschen zickig klingt, aber ich habe Angst davor, dass dies wieder ein Thread werden könnte, der in sinnlose und rechthaberische Diskussionen ausartet. Bislang war es hier eigentlich so wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte. Ok, ein bisschen mehr Traffic könnte der Thread vertragen, und ich hoffe nach wie vor, dass sich noch mehr Leute trauen oder sich die Mühe machen, ihre Erlebnisse zu schildern. Es soll hauptsächlich denjenigen helfen und Mut machen, vielleicht auch (durch Negativerfahrungen) zum Nachdenken und sich selbst reflektieren anregen, die noch ziemlich am Anfang ihres Weges stehen.

LG

Suse

Ich war kein Mann, ich sah nur so aus.

Avi
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Nee, ist ok. Kann deine Argumentation nachvollziehen.

Und den Gedanken, das Thema abzukoppeln hatte ich auch schon.

Wenn dann ein Mod bitte so freundlich sein könnte? 

Büttte."klimper, klimper"

Sky is no Limit

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Michaela schrieb:
Das ist eine riesige Umstellung und ein täglicher Kampf um Respekt. Es ist sehr negativ, kostet viel Kraft und ist vielen nicht klar, die eine Transition beginnen. Man katapultiert sich aus der dominanten anerkannten männlichen Position in die viel schwächere der Frauen. Darum finden die größten Veränderungen in einem selber in den Jahren nach der Transition statt.

Auch wenn das richtig ist, empfinde ich es nicht als negativ.

Gerade hier bleibt uns allerdings nach wie vor der Unterschied zu Biofrauen und übrigens auch Transmännern in der Sozialisation und möglicherweise auch der Persönlichkeit: (nicht nur) mir kommt es so vor, dass wir "Transfrauen" im Zweifelsfall dann doch durchsetzungsfähiger sind als die Menschen mit mehr oder weniger weiblicher Sozialisation. Gerade (?) unter den "Transmännern" wird das durchaus auch wahrgenommen und gerne auch mal recht deutlich formuliert, ganz besonders in Konfliktfällen.

Zudem bleibt ja nach wie vor die Erfahrung aus der männlichen Rolle, mit den Männerspielchen umgehen zu können.

 

@Suse: m.W. lassen sich Themen hier nicht so gut aufteilen wie in Standardforen. Unabhängig davon gehören das zumindest zum Teil auch hier herein - Langfristerfahrungen sollte man m.E. nicht so einfach wegblenden. Sonst wird das Thema vielleicht doch etwas zu sehr reduziert. Ich merke ja selbst, wie sich meine eigene Perspektive über die Zeit verändert - auch wen ein striktes Stealth nie mein Zeil war. Dazu hätte ich mich verbiegen müssen, anders als vor dem Wechsel zwar, aber trotzdem verbiegen.

Viele liebe Grüße

Beate 

Avi
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dabei seit: 05.05.2008

So, ich hab mir mal die Mühe gemacht und "gesplittet", damit Suses Thread Spamfrei bleibt.

Also, wer zu #27-34 was zu sagen hat, bitte unter "Wenn die Wahrnehmung kippt".

Ansonsten weiter gem. #1.

Sky is no Limit

Michaela
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dabei seit: 11.11.2012

Beate_R schrieb:
Ich merke ja selbst, wie sich meine eigene Perspektive über die Zeit verändert - auch wen ein striktes Stealth nie mein Zeil war.

Stealth ist zuerst die Beziehung zwischen zwei Personen, es muss nicht ein genereller Zustand zu allen Menschen sein. 100% stealth zu leben ist nicht umsetzbar, weil in zu vielen Akten der alte Name festgehalten wurde. Darum geht es auch gar nicht. Offen ist in jeden Fall einer Kommunikation die Frage, ob das Gegenüber um die Transsexualität weiß, oder nicht. Man muss nicht jedem als ersten Satz entgegenschmettern: "Übrigens, ich bin Transsexuell." Wink

Wie will man z.B. das Verhalten von Verkäuferinnen bewerten? Ist sie zu mir als Mensch höflich bzw. unhöflich, oder zu mir als Transsexuelle? Leider bekommt man das nicht heraus. Darum ist es sehr schwer, das Verhalten anderer richtig zu beurteilen. Ebenso sind Dinge, die einen selber aufregen sehr oft höflich und wohlwollend gemeint. Ich hörte z.B. während der Transition Sätze wie: "Mein Sohn ist auch schwul, dass finde ich völlig in Ordnung."

Man bemerkt sehr deutlich, was passiert, wenn Menschen die Transsexualität über Dritte erfahren. Dann wird sehr häufig der früher flirtende Mann plötzlich reserviert. Der Umkehrschluss ist nicht gegeben. Man weiß nicht, warum ein Mann plötzlich reserviert wird. Es kann auch etwas ganz anderes vorgefallen sein, was nichts mit einem selber zu tun hat.

Es ist darum sehr schwer, positive und negative Erfahrungen während der Transition richtig einzuordnen. Wer es nur auf die Transition reflektiert, vergisst die Wirkung des eigenen Verhaltens. Wer selber Positives ausstrahlt, höflich ist, zurückhaltend, nicht fordernd, lächelt, etc. bekommt das in der Regel zurück. Es ist im Alltag relativ egal, ob andere eine Transsexualität erkennen. Es hat nur eine geringe Bedeutung in der Reaktion, die man zurückbekommt.

Avi
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dabei seit: 05.05.2008

Schöner Beitrag. Danke.

 

Sky is no Limit

Suse
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dabei seit: 07.11.2012

Avi schrieb:

Schöner Beitrag. Danke.

 

Da bin ich deiner Meinung. Der m.E. erste konstruktive Beitrag von Michaela, der Dinge auf den Punkt bringt, ohne eine gewisse Überheblichkeit durchscheinen zu lassen. Wäre froh, mehr Beiträge von ihr in dieser Form lesen zu dürfen!

Vielleicht könntest du aber auch diesen Beitrag noch in den anderen Thread kopieren, und vielleicht kann dann eine Moderateuse die Beiträge in diesem Thread löschen. Diese Beiträge betreffen die Zeit nach der Transition, und in meinem Thema geht es um die Zeit während der Transition. Aus diesem Grund finde ich schon, dass es zwei ganz verschiedene Themen sind und parallel laufen sollten...

Ich war kein Mann, ich sah nur so aus.

Avi
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Erläddischt

Sky is no Limit

Michaela
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Suse schrieb:
Diese Beiträge betreffen die Zeit nach der Transition, und in meinem Thema geht es um die Zeit während der Transition.

Ab dem ersten Tag der Transition wird man von Menschen als Frau gesehen und selbst lange nach dem gefühlten Ende der Transition wird man vereinzelt als Mann eingestuft. Bei jedem ist das Verhältnis anders, aber das Prinzip ist immer dasselbe. Wo setzt Du eine Grenze und wann glaubst Du, ist eine Transition zu Ende? Es ist ein fließender Übergang und jeder bleibt an einer anderen Stelle stehen.