Unsere Wünsche und Forderungen an die Gesellschaft und uns

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Jula
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dabei seit: 12.12.2004

Zitat:
Allerdings dürfte so'ne Plakataktion umfangreicher wahrgenommen werden, denn die Dinger hängen deutlich länger als nur 1 h/mth und haben auch noch 'ne zusätzliche Textmessage dabei.

Liebe Petra,
ich deute ma an, was eine über längere Zeit laufende Plakataktion kostet. 1 City-Light-Poster kostet ca 12 Euro pro Tag. Wieviele Plakate sollen denn wie lange hängen? 1000 Plakate ca 100 Tage (das sind nur 3 Monate, dann ist der Spuk vorbei), sind schon 1,200.000 Euro (ohne Produktionskosten natürlich!)
Die größere Wirkung der Plakate bestreite ich energisch.
Es gibt (rechnen wir sehr konservativ) 0,1 Prozent Transpersonen in der erwachsenen Bevölkerung (alle seriösen Schätzungen liegen mehr als 1 Zehnerpotenz höher).
0.1 % aller Erwachsenen in Deutschland sind ca. 40.000 Menschen, davon bloß die genetischen Männer sind immer noch 20.000 TX-Stunden an belebten Stellen! Und anders als Plakate können sie reden, Flyer verteilen was auch immer!
Jede bezahlbare Plakataktion verblasst dagegen!
Und stell dir vor. wir wären 1% der Bevölkerung! 200.000 Stunden Tranniepräsenz jeden Monat in deutschen Fußgängerzonen!

NIVEAU ist keine Handcreme! Julas Homepagehttp://www.julaonline.de/

Michaela Smile
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dabei seit: 08.11.2006

das ist wirklich ne klasse Idee, und meines Erachtens auch die wirklich einzigste Methode die öffentliche Gesellschaft an das Bild von Transgendern zu gewöhnen. ES muss ganz einfach Bestandteil der "Normalität" werden. Ne Plakat Aktion würde die Situation eventuell nur noch verschlimmern, da die Öffentlichkeit, wenn sie erstmal darauf aufmerksam gemacht wird wahrscheinlich eher auf Jagd nach TG geht. Nach dem Motto" Schau mal, da ist auch so eine(r)" und die meisten die sich grad mal so raustrauen, in der Hoffnung in der Menge zu verschwinden, dann doch lieber wieder zu Hause bleiben. Aus Angst der öffentlichen zur Schau stellung. Irgendwann würde sich die Situation sicherlich "egalisieren", aber ich glaub keine von uns hat so ein dickkes Fell um das lange genug duchzuhalten. Mich eingeschlossen.

Nein ehrlich, Julas Idee finde ich großartig. Ich denke da wäre ich sogar dabei. nicht unbedingt alleine, aber zu zweit oder zu dritt wäre das machbar. Gemeinschaft macht schlieslich stark. Smile
Die Öffentlichkeit würde nicht sonderlich Notiz davon nehmen, aber sich so nach und nach daran gewöhnen. und irgendwann gehört´s zum Alltag.

(hach.....traumhaft)

die Micha

n/v
Jula
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dabei seit: 12.12.2004

Nochmal grundsätzlicher.
Wir haben es hier mE mit einem Teufelskreis zu tun:
Weil wir total selten im Alltag sind, sind wir ne Sensation. weil wir ne Sensation wären, trauen wir uns nicht raus. Weil wir uns nicht raus trauen, sind wir im Alltag total selten.

Viele von uns träumen davon, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Die Hoffnung richtet sich auf Öffentlichkeitsarbeit. Das könnten Medienauftritte (nicht gut: trashige Talkshows oder die Blöd-Zeitung) von kompetenten Vertreterinnen sein oder eine berühmte Leitfigur (eine Mischung aus Alice Schwarzer, Wowereit und Olivia Jones?). Auch sonstige Kampagnen wären nett.
Eigentlich alles, was uns nicht dazu zwingt, das gleiche zu tun wie die Frauen und später die GLB: nämlich anzufangen, für uns selbst einzustehen.
Jede einzelne für sich, da wo sie ist und so weit sie sich halt traut!

Ehrlich; ich bin pessimistisch. Da ein Transenheiland im Mariagewand nicht in Sicht ist, bleibt nur eins: Mit dem Teufelskreis leben lernen.

Ach ja, ganz vergessen: praktisch alle von uns die "draußen sind", mussten lernen, dass wir gar keine Sensation sind! Die Leute akzeptieren und finden uns nicht weiter interessant!
Tja. Es gibt also gar keinen Informations- oder Veränderungsbedarf der Gesellschaft. Die akzeptiert uns nämlich. Das Problem ist, dass wir das nicht glauben wollen!

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NB-Sabine
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dabei seit: 26.12.2006

...und die Forderung, die hinter den letzten Posts gemeinsam steckt:

...als ("normaler") Teil der Gesellschaft angesehen/akzeptiert werden (wollen)...oder? Wink

P.S.: Die Motivation dieses Threads ist ja ursprünglich nach gemeinsamen Zielsetzungen in der Gemeinschaft (aller Transgender) zu suchen...und weniger die Suche nach Möglichkeiten die Ziele letztlich auch zu erreichen...das wäre vielleicht ein eigenes Thema... Wink

n/v
Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Liebe Jula,

Jula schrieb:
ich deute ma an, was eine über längere Zeit laufende Plakataktion kostet. ....

Von recht hohen Kosten war ich auch ausgegangen (ohne jedoch aus der Erfahrung Zahlen hierfür zu haben), daher die Einordnung als Forderung an Andere (statt uns, wie zuvor von dir und von mir formuliert) - aber das war m.E. der Inhalt dieses Threads.

Zitat:
Die größere Wirkung der Plakate bestreite ich energisch. .... 0.1 % aller Erwachsenen in Deutschland sind ca. 40.000 Menschen, davon bloß die genetischen Männer sind immer noch 20.000 TX-Stunden an belebten Stellen! Und anders als Plakate können sie reden, Flyer verteilen was auch immer!
Jede bezahlbare Plakataktion verblasst dagegen!

Diese Rechnung setzt aber voraus, dass wir uns mengenmäßig zu so was trauen - und das möchte ich halt sehr stark in Frage stellen. Bei so'ner Plakataktion bräuchten wir vielleicht 50 oder 100 Leute, die hierzu bereit wären; bei deiner Vorgehensweise zumindest einen größeren zweistelligen Prozentsatz aller TX. Und ich bezweifle aus den gleichen Gründen, die du auch schon genannt hast, dass die mobilisierbar wären. Ganz davon ab, dass noch lange nicht jede von uns für den zufällig vorbei laufenden Normalo zu einem Symapthieerreger würde.

Außerdem gibt es noch den Aspekt der hilfreichen Distanz bei solchen Themen, die für unvorhersehbar Angesprochene wichtig sein kann: Wenn ich mir ohne persönliche Involvierung an der Bushaltestelle ein Plakat anschauen kann, bedeutet das wohl weniger Stress, als wenn ich direkt von einer "solchen Person" angesprochen werde. Das kann schnell zu Abwehrreaktionen führen, also genau zu dem, was wir ja *nicht* wollen.

Liebe Grüße,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

NB-Sabine
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dabei seit: 26.12.2006

Plakat-Aktionen, die von öffentlichen Haushalten finanziert worden sind, gab es schon, so wie die in München:

Aktion - Wir sind für Dich da

Die "Wir sind für Dich da" - Aktion

Die Posteraktion

Plakat Transgender

Machbar sind solche Dinge also ganz sicher, auch mit Unterstützung von politischer/öffentlicher Seite... Wink

...bliebe dann wieder die Frage, welche Botschaften mit so einer Aktion transportiert werden sollten... Wink

n/v
La Rouge
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dabei seit: 20.02.2007

Guten Abend,

komme gerade aus echtem Hamburger Wetter ins wohlig warme; und beim Lesen der heute geschriebenen Postings ging mir ein Satz ganz nahe:

Zitat Jula:

Ach ja, ganz vergessen: praktisch alle von uns die "draußen sind", mussten lernen, dass wir gar keine Sensation sind! Die Leute akzeptieren und finden uns nicht weiter interessant!
Tja. Es gibt also gar keinen Informations- oder Veränderungsbedarf der Gesellschaft. Die akzeptiert uns nämlich. Das Problem ist, dass wir das nicht glauben wollen!

Es stimmt tatsächlich, das war selbst für mich lange Zeit nicht klar.

Ich muss jetzt erst mal weiterlesen, es ist so spannend gerade...

Liebe Grüße,

La Rouge

"Unsere Kräfte können wir abmessen, aber nicht unsere Kraft" Friedrich Nietzsche, dt. Philosoph

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Hallo Sabine,

NB-Sabine schrieb:
...bliebe dann wieder die Frage, welche Botschaften mit so einer Aktion transportiert werden sollten...

Nuja, ich habe ja versucht, mit meinem Popels-Plakatentwurf (siehe meine Galerie, letztes Bild) eine Botschaft zu definieren:

"Schaut her - wir sind zwar etwas anders als ihr, aber letztlich doch ganz normale Menschen. Also behandelt uns auch so!"

Anstelle des Beispielbildes im Plakatentwurf könnte genau so gut eine TX-Person im Berufsleben stehen, oder beim Sport, oder ...

Bzw., entsprechende Szenen verteilt über verschiedene Plakate. Im Prinzip so ähnlich, wie es die diversen Konsumelektronikvermarkter oder die Blöd-Zeitung vormacht.

Liebe Grüße,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

zazou
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dabei seit: 14.05.2007

Den Ansatz, dass die Betroffenen selbst das Bild in der Öffentlichkeit bestimmen, finde ich wirklich richtig. Ich merke das tagtäglich in meinem Umfeld.
Ich würde mir allerdings wünschen, das mal transsexuelle Menschen in den Medien auftauchen, weil sie etwas Tolles gemacht haben oder etwas zu sagen haben und nicht weil sie transsexuell sind. Dann erst wäre es wirklich geschafft. Denn wer lädt heute Wowereit, Hape Kerkeling o.ä. ein, weil sie schwul sind? Das ist einfach nicht mehr wichtig. Wobei ich damit nicht verstecken oder verdrängen meine. Dazu gehört allerdings, dass man sich nicht so sehr durch die Transsexualität definiert. Ist im Zeitraum des Umbruchs sicher schwierig, weil dies ja nun mal viel Konzentration benötigt. Also werden hier vielleicht die Menschen gefragt, die dies alles hinter sich haben. Aber die sind ja zumeist nicht mehr zu sehen. Eigentlich schade.
Ciao,

Vera

Sylvie
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dabei seit: 14.12.2005

Warum muss hier diskutiert werden ob das Eine ODER das Andere? Beide Ansätze sehe ich als sinnvoll an. Beide Methoden werden bestimmt auch unterschiedliche Menschen mehr oder minder ansprechen. Eventuell werden sie auch durch unterschiedliche Personenkreise getragen. Wenn es hier darum ginge eine bestimmte Menge Geld zu investieren wäre die Abwägung sicherlich sinnvoll. Vielmehr haben wir jedoch lediglich Vertreter der einen oder der anderen Methode. Ich selbst empfinde Julas Vorschlag als absolut logisch und gut. Gleichzeitig muss ich mir aber peinlicher weise eingestehen, dass ich selbst bisher wenig dazu beigetragen habe TX in der Öffentlichkeit zum normalen Straßenbild werden zu lassen.
Ich könnte jetzt laut schreien: Toll das sollten wir machen!...... und würde dann doch wahrscheinlich nach einiger Zeit wieder feststellen müssen, dass ich nichts dazu beigetragen habe.
Daher schreie ich laut und durchaus ernst gemeint: Toll! Ich fände es super wenn sich viele beteiligen!

Und gleichzeitig sage ich auch: Klasse! Eine Plakataktion, da würde ich mich gerne kreativ beteiligen!

....... Um dann ganz kleinlaut zuzugeben, das ich bis jetzt zu diesem Thema nicht viel auf die Beine gestellt habe, da ich in meiner eigenen Arbeit in letzter Zeit viel zu oft versinke. Also realistisch betrachtet, werde ich hier wohl nichts organisieren können. Wenn jedoch Plakatentwürfe gefragt sind, würde ich gerne ein wenig mitmischen.

Andere wiederum würden lieber auf der Straße wirkliche Präsens zeigen. Also warum entweder oder?

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Meine Wünsche an die Gesellschaft?

Toleranz und Akzeptanz -

Natürlich das wünscht sich jede TX.

Noch davor steht jedoch die Kenntnis und Erkenntnis. Wer weis den etwas über uns? Selbst hoch gebildete Leute beginnen völlig absurdes Zeug zu reden wenn es um unser Thema geht.
Einfach nur weil unser Thema meist eben nur unser Thema ist und andere es nur als schmuddeliges oder abseitiges Tabuthema antreffen. In den Schulen wird heute immerhin das Thema Homosexualität offener und auch umfassender behandelt als noch vor einigen Jahren.

- Ich wünsche mir daher, dass auch das Thema TX in den Schulen in den Themenkreis der Aufklärung über die Vielfalt menschlicher Lebensweisen aufgenommen wird.

Mein Wunsch an uns selbst?

- Das wir aufhören, nach dem EINEN richtigen Weg der Normalisierung unseres Lebens und nach der Propagierung desselben zu suchen und uns dabei gegenseitig auszubremsen.
- Das wir aufhören dabei zwischen den einzelnen Ausprägungen von TX Hierarchien etablieren zu wollen und uns dabei selbst zu zerfleischen. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Damit meine ich ganz sicher nicht diesen Thread)

Soweit erstmal
Sylvie