TS und der Lehrerberuf

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Nora-Sophie
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dabei seit: 03.12.2012

Hallo ihr Lieben,

 

ich bin ja bekanntermaßen ein Lehrämtler für Gymnasien (übrigens in den schönen Fächern Deutsch und Biologie Laughing. Damit setze ich mich aber natürlich auch in eine extrem schwierige Position. Ich habe mir einen eher konservativen Beruf ausgesucht, der sich zwar im Wandel befindet, doch stehe ich dadurch im Interesse der Aufmerksamkeit der Schulumgebung. Ich weiß aber, dass es das Richtige für mich ist. Ich liebe es, Kinder zu unterrichten und das Feuer meiner Fächer in ihnen zu entfachen. Dass das nicht immer gelingt, weiß ich auch ^^

Ich würde gerne wissen:

Lässt sich beides miteinander vereinbaren?

Gibt es Möglichkeiten?

Kennt ihr Negativ- oder auch Positivbespiele?

Wie soll ich damit umgehen?

 

Zusatzinfo: Ich befinde mich derzeit kurz vor der finalen Phase meines Studiums, demnach stehen Staatsexamen und anschließendes Referendariat kurz vor der Tür.

 

vlg Sophie

"You can close your eyes to the things you don't want to see, but you can't close your heart to the things you don't want to feel" - Johnny Depp

Lg Laura-Sophie

danydanone EX
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Sophie86 schrieb:

Ich würde gerne wissen:

Lässt sich beides miteinander vereinbaren?

Gibt es Möglichkeiten?

Kennt ihr Negativ- oder auch Positivbespiele?

Wie soll ich damit umgehen?

 

vlg Sophie

Hallo Sophie! Das ist wie ich finde ein ausgesprochen wichtiges Thema. Ich wei0 jetzt nicht, ob du die Lehrerin bist, die mal im TG-Forum schrieb?

Ist auch irrelevant, ich erinnere mich jedoch an das Thema und die mir erschloßene Wichtigkeit.

Ich glaube nämlich, dass Prävention im Kindesalter zu mehr Toleranz und sozialer Handlung treibt, was ich als positiv ansehe.

Aber denke ich über deine Zusatzinfos nach, dass dieser verantwortungsvolle Beruf relativ verankert ist. Damit möchte ich ausdrücken, dass deine Kompetenzen überaus eingeschränkt sein werden, wogegen du dich allerdings mit eigener Kraft befreien kannst. Das gilt es für dich rauszufinden.

Ich würde mir sehr wünschen, dass Kindern ab dem gewissen Alter wo das Verständnis dazu bereit ist, mitgeteilt wäre dass Menschen mit annormalen Verhaltensweisen auch nur ein natürlicher Teil der Gesellschaft sind.

Das würde vielen Existenzen helfen und stünde jedem gut zu Gesicht.

 

ich wünsche dir viel Erfolg und ein Top-Diplom, aber entscheidend wird sein was du daraus machst.

 

lieber Gruß

Dany

 

Edit: Ich habe dreimal korrigiert, ich hoffe keine 5 zu kriegen. Laughing out loud

 

Der Künstler, ist Schöpfer schöner Dinge...

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Hallo Sophie,

es gibt wohl durchaus erste Erfahrungen mit einem Wechsel *im* Lehramt, aber ich kann hier gerade keine Links aus dem Ärmel schütteln. Da müsstest du selber noch mal ein wenig gurgeln.

Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es durchaus einige (konservative, angeblich das Kindeswohl über alles stellende) Bedenkenträger in jedem Kollegium geben wird, die bei einer *Neueinstellung* mit zu entscheiden haben. Und das kann ziemlich nach hinten losgehen, wenn du dich (wohl zwangsweise ohne konkrete persönliche Fürsprecher) bei einer Schule bewirbst.

Auch wenn das jetzt psychologisch / politisch von den hier Diskutierenden wahrscheinlich negativ gesehen wird: Ich würde mit dem Outing warten, bis du in einer sicheren Position *in* einem Kollegium bist, es sei denn, du kannst deine zukünftigen Kollegen durch eine äußere, absolut authentische Erscheinung als Frau von den Stühlen reißen. Gerade bei einer Bewerbung, bei der ja auch die anderen Kandidaten nicht die letzten Bananen sein werden, wird es nicht wenig auf die visuelle Erscheinung ankommen, wer letztlich das Rennen macht.

Und was in meinen Augen bei einer Bewerbung gar nicht geht, ist ein Verweis auf einen bald anstehenden Wechsel des nach außen dargestellten Geschlechts.

Mein persönliches Resumé: Guerilla-Taktik ist wahrscheinlich (auch im längerfristigen aufklärerischen Sinne) sinniger als offener Angriff mit fliegenden Fahnen und Abschuss des Angreifenden. Big smile

Toi^3,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Nora-Sophie
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dabei seit: 03.12.2012

Erst einmal vielen lieben Dank für Eure Antworten Smile

Hier wird natürlich nichts bewertet, ich schreibe mir lediglich ein paar Kopfnoten auf Tongue

Ich habe übrigens gar nicht die Muße, hier im Forum auch noch durch zu korrigieren, davon habe ich derzeit mehr als genug auf meinem Tisch liegen. Also keine Angst, ich beiße nicht, sondern bin ganz umgänglich :) :innocent:

 

danydanone schrieb:

Hallo Sophie! Das ist wie ich finde ein ausgesprochen wichtiges Thema. Ich wei0 jetzt nicht, ob du die Lehrerin bist, die mal im TG-Forum schrieb?

 

Ich kann Dir leider nicht sagen, ob ich diese Lehrerin bin. Ich habe mich vor anderthalb Jahren ungefähr im TG-Forum angemeldet, doch habe ich es aus Unsicherheit, Ängsten und Befürchtungen, die mit diesem Thema für mich zu diesem Zeitpunkt noch so stark verwoben waren, nicht über meinen (ähnlich wie hier lang ausfallenden) Vorstellungsthread hinaus geschafft. An Deinen Namen kann ich mich auf jeden Fall auch noch erinnern. Aber ich weiß gerade nicht mehr, inwiefern über das Thema diskutiert wurde. Ich denke mal, Du meinst eine andere Lehrerin Smile

Ich hatte eine sehr, sehr schwere Schulzeit und erst gegen Ende hin traf ich auf ein paar Lehrer, die es tatsächlich schafften, ihre Fächer zu mir zu bringen. Bis zur 11. war ich in Biologie schlecht und wählte es nur in der 12., um Physik, Mathematik und Chemie im Abitur zu entgehen als Grundkurs. Heute studiere ich Biologie, mehr muss ich über diesen Lehrer dann wohl auch nicht mehr sagen Smile

Ich denke, ich hätte die Chance, aufgrund meiner Lebenserfahrungen gegenüber den typischen 1,0-Studenten, die ihr Studium in Rekordzeit fertig machen, ohne große Ecken und Kanten im Leben weiter kommen und dann an die Schulen gehen (bewusst überspitzt ausgedrück), bei den Schülern über die fachlichen Grenzen hinaus etwas zu vermitteln, dass eben nicht im Kerncurriculum und den neuen Kompetenzplänen liegt. Was Schüler gerade auf Gymnasien oft nicht wirklich mitbekommen, ist, dass es noch so viele andere Seiten und Facetten im Leben gibt, dass es fernab des schulischen Lebens und der Kerncurricula Menschen gibt, die ein ganz besonderes Leben leben. Ich denke, ich könnte tatsächlich ein wenig die Augen öffnen und Verständnis schaffen. Und wenn ich das nur bei 50% meiner Schüler erreichen könnte, hielte ich das für eine ausgesprochen gute Quote Smile Übrigens, die meisten Lehramtsstudenten sind in vielerlei Hinsicht hoffnungslose Optimisten Laughing out loud Ohne diese Einstellung bräuchte man gar nicht in diesen Beruf einsteigen.

Das kann man aber nur schaffen, wenn man auch wirklich authentisch zu sich steht. Ich habe 15 Jahre lang unterdrückt, mit meinen 27 Jahren schreit in mir gerade ganz viel nach Freiheit und will raus. Ich habe noch ungefähr ein Jahr bis zum Staatsexamen, dann zwei Jahre Referendariat, dann zweites Staatsexamen, und denke, es wäre einiges möglich bis dahin, denn das Ref wird ja zumindest einfach zugeteilt. Wenn ich also den Kindern etwas über diese Grenzen hinaus vermitteln möchte, dann kann ich das nur schaffen, wenn ich nach innen und außen zu mir stehe Smile Ansonsten wirkt das alles nicht, denn gerade Kinder und Jugendliche spüren mit Leichtigkeit die Schwächen auf. Wenn Kollegen und Direktorate mich nicht haben wollen würden, würde ich in diesem Kollegium wohl sowieso nicht glücklich werden. Dass ich auch nicht quer durch die Republik wandern möchte auf der Suche nach dem toleranten Gymnasium versteht sich von selber. Ein weiteres Nadelöhr in unserem sowieso schon nicht leichten Leben Smile

Leider fehlt hier ein großer Risikofaktor: Die Eltern. Denn die müssten da auch mitspielen und können sowohl Unterstützung als auch Verdammung werden.

 

Ich habe mir letztens eine besondere Situation vorgestellt: Ich stehe bereits "angepasst" als Frau vor einer schwierigen Klasse und schaffe es nicht, sie unter Kontrolle zu bekommen (soll es ja auch geben Laughing und muss dann tatsächlich auf meine männliche Stimme zurück greifen, um für Ruhe zu sorgen. Ich stellte mir die Gesichter der Schüler vor. Hier auf der Couch habe ich nur in mich hinein gelächelt Smile

 

Vlg Sophie

 

 

 

 

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Lg Laura-Sophie

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Hallo Sophie,

Sophie86 schrieb:
Leider fehlt hier ein großer Risikofaktor: Die Eltern. Denn die müssten da auch mitspielen und können sowohl Unterstützung als auch Verdammung werden.

Das, was ich eben bzgl. des Kollegiums geschrieben habe, gilt in der Tat für die Eltern umso mehr: Wenn in der Elternschaft der mehreren Klassen, die du als Lehrerin zu betreuen hättest, nur 3 oder 4 Eltern stockkonservativ-religiös sind und entsprechend Stimmung machen, wirst du und damit auch das ganze Kollegium ein ziemliches Problem haben. Wenn du einmal fest im System verankert bist, kannst du da letztlich mit einer gewissen LMAA-Haltung rangehen und auf Zeit und längerfristige Überzeugungskraft setzen - insbesondere, wenn deine Schüler dich mögen und dir in die Seite treten. Wink

Aber solange du noch ein "Neutrum" (im Sinne: Keiner kennt dich, soll dich aber trotzdem einstellen) an einer Schule bist, kann ich mir das recht schwierig vorstellen.

Andererseits: Die Anzahl der Jahre, die du da eben aufgezählt hast, ist in der Tat nicht gerade wenig. Wenn du also doch schon vor der Sicherheit die Transition wählst (was ich gefühlsmäßig sehr gut verstehen kann!), solltest du dir mindestens noch einen Plan B überlegen, der dir absehbar ein Einkommen verschaffen kann. Nicht zum Reichwerden, aber zum sinnvollen Überleben. Denn ich befürchte, dass Trans-Sein nicht unbedingt die billigste Lebensvariante ist, weil man gelegentlich schon die alte Biologie etwas austricksen muss ... Kiss

Lieben Gruß,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

jasminchen
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Reale Person
dabei seit: 17.06.2007

Es lässt sich schaffen, alles in 2,5 Jahren durchzuziehen, wenn frau mit eiskalter Berechnung da durchmarschiert, Ärzte ohne lange Warteseiten wählt, auch schon mal z.B. das Indikationsgutachten selber zahlt.

Dann kennt Dich an der neuen Schule später niemand als "Mann".

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Nora-Sophie
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jasminchen schrieb:

Es lässt sich schaffen, alles in 2,5 Jahren durchzuziehen, wenn frau mit eiskalter Berechnung da durchmarschiert, Ärzte ohne lange Warteseiten wählt, auch schon mal z.B. das Indikationsgutachten selber zahlt.

Dann kennt Dich an der neuen Schule später niemand als "Mann".

 

Das wäre auf der einen Seite wahrscheinlich möglich und wenn ich in 2,5 Jahren vielleicht in den Spiegel blicken kann und Sophie auch nicht nur in meinen Augen sehe, das wäre ein schöner Gedanke, aber mehr auch nicht. Durchrasen kann und will ich nicht, sondern erstmal zu mir selber finden, dass wird vielleicht noch dauern, vielleicht sogar zu lang. Vieles besteht noch aus Gedankenspielen und Abwägungen. Wie so vieles. 

Für Plan B bleibt mir ja immer noch der Weg an der Universität, evtl. in Biologie Bachelor & Master nachholen und in die Lehre gehen.

Und eigentlich bin ich gar nicht 27, ich bin 20g Laughing out loud

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Lg Laura-Sophie

Lisa.Jasmin
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dabei seit: 15.12.2012

Sophie86 schrieb:

ich bin 20g Laughing out loud

du das geht nicht mehr so lange gut, iwann kommt das Z. in china gibts mehr buchstaben xD

aber die idee alles vorher zu erledigen ist eigentlcih gut. zumal du dann sicher auch mit anderem selbstvertrauen auf die bagage losgehen kannst. soll heißen, dass du dann vl sogar glaubwürdiger wirkst, als so, wo du dich nicht akzeptierst.

danydanone EX
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Ehemaliges Mitgllied
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Sophie86 schrieb:

Ich habe mir letztens eine besondere Situation vorgestellt: Ich stehe bereits "angepasst" als Frau vor einer schwierigen Klasse und schaffe es nicht, sie unter Kontrolle zu bekommen (soll es ja auch geben Laughing

Das imaginäre Handeln in der beschriebenen Situation trifft vermutlich auf nahezu alle Lehrer ein, also jenseits von Trans - da wirst du mir zustimmen.

Die Geschichte mit deinem Bio-Lehrer gefällt mir sehr, sie sagt mir, dass du in deiner Regelschul- und Oberstufenzeit, sehr viel von ihm gelernt hattest.

Sowas vergisst man nicht und wenn du das Vorbild aus Dir rausholst, stärkt das deine Motivation, die die Schüler dann auch spüren und mitnehmen können.

Ich teile deine/n Einstellung und Optimismus, jedoch hat Petra-Susanne natürlich auch recht, da sprach Erfahrung raus.

Trotzdem liegt es an dir, wie du dich vor den Kollegen und Schülern verkaufen tust, denn Mängel haben wir m.M.n sowieso allesamt.

Ich glaube aufgrund deiner Erfahrungen, wie oben beschrieben, dass du deinen Weg gehen wirst und die Heranwachsenen mitreißen wirst.

Die Konservativen dürften vermutlich eher in ländlichen Gegenden zu finden sein, wobei sich die deutschen Mentalitäten, oftmals mit der Stadtgrenze schon verändern. Die Eltern sind m.E der schwierigste Faktor im Sozial- Pädagogischen-Sinn, weil man als Lehrkraft so gut wie keine "Freizeit" mit den Kinners verbringt. Doch mit einigen Tricks, ist auch das zu bewerkstelligen, das nenne ich gesunde Demokratie.

Deine Überlegungen klingen mir nach Entschloßenheit die man auch braucht, wenn man etwas reißen will.

Aber wie man den transsexuellen Weg erfolgreich bestreitet besonders in der Anfangsphase, kann ich dir bei bestem Willen nicht näher bringen.

Ich weiß nur eines, es kann sehr viel Energie kosten seine Frau zu stehen.

Aber es lohnt sich.

Wünsche ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest.

Dany

 

 

 

 

Der Künstler, ist Schöpfer schöner Dinge...

Nora-Sophie
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dabei seit: 03.12.2012

Vielen Dank für Eure Worte Smile Es tut mir gut, mich einfach mal mitteilen zu können und auf Menschen zu treffen, die einen ein Stück weit verstehen können.

Wir sehen alle, dass dieses Thema extrem konfliktbehaftet ist und dass ich mir nicht unbedingt einen leichten Weg erwählen würde, wenn ich eine Transition tatsächlich anstrebte (das weiß ich jetzt einfach noch nicht).

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Lg Laura-Sophie

Andrea54
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Hallo Sophie,

rufe einfach mal Sandra (http://www.trans-ident.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2&Itemid=2) an. Sie ist Vorsitzende von Trans-Ident Nordbayern und Schuldirektorin und hilft Dir bestimmt, auf Deine Fragen eine Antwort zu finden.

LG Andrea

Jeder Mensch hat nur ein Leben. Er sollte es so leben, dass es ihn glücklich macht.