Outing von Prominenten?

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Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Hallo Lydia,

Lydia schrieb:
... TS als Krankheit

da sollten wir sehr genau auf die Feinheiten der Formulierungen achten. TS ist keine Krankheit, sie hat auch nie als solche gegolten. TS ist ein Leiden mit Krankheitswert, das aufgrund seines hohen Leidensdrucks einer Behandlung bedarf. Analog zu einer angeborenen körperlichen Fehlbildung beispielsweise. Da stellt auch niemand die Behandlungsbedürftigkeit in Frage. Das ist übrigens auch die Sichtweise der höchsten Sozialgerichte, denen wir überhaupt die Übernahme der Behandlungskosten zu verdanken haben.

Die Pathologisierung als (Geistes-) Krankheit führt nämlich durchaus zu unangemessenen Auswüchsen im Therapiekonzept, gerade seitens der Leistungserbringer. Und sie trägt zur Minderung der Akzeptanz der Betroffenen bei. Das merkt man in seiner Härte übrigens nur, wenn man wirklich durch den Prozess hindurchgeht.

In meinen Augen ist diese Differenzierung daher enorm wichtig, und wir sollten auch öffentlich darauf Wert legen: Diskriminierung als krank, krankhaft, zwanghaft - klar nein, aber krankheitswertes und behandlungsbedürftiges Leiden als Folge der Transsexualität - genauso klar ja.

Und glaub mir - die, die nicht von vorneherein verschlossen gegenüber dem Thema sind, werden das auch verstehen.

Viele liebe Grüße

Beate 

Gast
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@ Beate: ich halte es für bedenlich und sehr gefährlich den Weg weiter zu beschreiten auf dem man wandelt mit dem Ziel das man sich vom Begriff der "Krankheit" entfernt. Ob nun krank oder krankheitswert - es ist immer das kleine Wörtchen drin enthalten was Betroffene nicht mögen: KRANKHEIT. Und genau hier ist bei vorliegen von Transsexualität der Versicherungsfall für die Krankenkasse eingetreten. Und wie man aus Erfahrung schliesslich weiß, tun sich die Kassen schon damit schwer. Das WARUM ist doch leicht beantwortet: es geht um Kostenübernahmen von Beträgen für OPs im 5-stelligen Bereich und den Folgekosten.

Ich kann verstehen, dass der Begriff unangenehm für den Betroffenen ist. Das kann sicher jeder. Was nicht verständlich ist: warum soll eine Krankenkasse für etwas zahlen, was keine Krankheit mehr sein soll? Da ist es wieder "krankheitswert". Das ist mein Schnupfen im Herbst auch...

Wäre es denn nicht wirklich einfacher - und dafür gibt es ganz bestimmt die Zustimmung der Kassen und vieler Beitragszahler - man einigt sich schlichtweg darauf, dass Transsexualität keine Krankheit ist die auch nicht im Ansatz Krankheitswert besitzt? Dann ist man endlich diesen Begriff los. Und man gewinnt die große Freiheit selbst entscheiden zu können, wo man sich operieren lässt - ob nun Thailand, Großbritannien, USA oder Deutschland. Ich finde das eine ausgesprochen gute Lösung.
Und all jenen die ihre 10-30.000 EUR nicht aufbringen können und auch keinen Kredit dafür erhalten, kann man nur noch sagen: Sorry, das ist Privatvergnügen. Wenn es eine Krankheit wäre, dann hätte man ja den Versicherungsschutz, aber so muss man das aus der eigenen Tasche zahlen. Da frage ich mich wirklich, was eine TS davon haben soll, dass sie nicht krank ist, an Transsexualität leidet und sich die OP nicht machen lassen kann weil die Kohle fehlt. Wahrscheinlich das gute Gefühl nicht krank zu sein. Das wars dann aber schon.

Ich bin bestimmt der Letzte der sich der Sache verschliessen würde. Aber ich warne davor solcherart Bestrebungen fortzusetzen und noch lauter zu denken. Die Krankenkassen warten nur drauf nicht mehr zahlen zu müssen.

martinahamburg
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dabei seit: 11.05.2007

@Lydia,
völlig richtig dein Beitrag.
Mehr kann ich dazu nicht meinen.

Hier noch ein kleines persönliches Statement von mir:
TS war eine Krankheit für mich, denn dadurch hatte ich psychische Probleme, die ich erst dur Änderung meiner Lebenssitiuation lindern/heilen konnte.

VG
Martina

Nadine-Rose
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dabei seit: 16.04.2005

@Lydia

Zitat:
Herr Dr. Bader hin oder her - wer sich hinstellt als Mediziner und es als Diskriminierung hinstellt, dass TS als Krankheit betrachtet wird, hat nicht mehr den wahren Durchblick ...

Sorry, ich möchte dir jetzt nicht zu nahe treten, aber kann es sein, daß DU da bei diesem Bericht den Durchblick verloren hast ? Denn lies doch noch einmal den Bericht richtig durch:

http://www.derwesten.de/nachrichten/waz ... etail.html

Wo hat sich denn Dr. Bader da diskriminierend geäußert ? Im Gegenteil, er hat deutlich gemacht, unter welchen Spannungen und Zwängen Transsexuelle leben:

Zitat:
Es ist ein doppelter Leidensprozess: Zur nicht gelingenden Identität kommt die Diskriminierung durch die Gesellschaft", erklärt Bader

Und weiter wird zitiert:
Zitat:
Diskriminierend sei allein schon, dass Transsexualität gemeinhin als Krankheit angesehen werde. Bader: "Die einzige "Krankheit" besteht darin, dass man eine Operation durchführen muss, weil der Mensch in einem falschen Körper steckt.

Er tritt da der weit verbreitetene und natürlich auch polemischen Meinung in der Bevölkerung entgegen, daß TS und TVs "krank im Kopf sind" oder "nicht alle Tassen im Schrank haben"; das ist doch wohl ganz offensichtlich.

Absolut nichts davon, ob da eine Krankenkasse nun zahlen soll, muss oder kann. Absolut nichts davon. Sorry, wenn da der nachgeschobene Kommentar auch noch ins Boot gezogen wird. Kommt wohl kaum von Dr. Bader wie man ja leicht feststellen kann. Wir sollten froh sein, wenn Ärzte so sachlich und gezielt auf diese Probleme eingehen und sie damit auch in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

Aber da gibt es in dem Bericht noch einen wie mir scheint wichtigen Satz:

Zitat:
"Manche Menschen glauben nur, transsexuell zu sein. Dabei sind sie homosexuell, haben aber Angst davor und nehmen es daher nicht an."

Darüber sollten wir mal wirklich nachdenken, denn ich bin auch der Meinung, daß nur das Tragen von femininer Kleidung und der Wunsch, eine Frau sein zu wollen, mich noch lange nicht transsexuell macht.

Bei der Suche nach dem Originalbeitrag / Link habe ich im Internet gesucht - und was kommt, diese negative Kritik aus unseren Reihen. Genau das haben WIR nicht verdient. Sorry, aber mich ärgert das wirklich und so was nennt man im Fußball ein blödes Eigentor

Nadine

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Dieser Satz: "Diskriminierend sei allein schon, dass Transsexualität gemeinhin als Krankheit angesehen werde."
Es ist eben nicht diskriminierend. Denn wie weiter oben schon ausgeführt: Die Folge wäre, es nicht mehr als Krankheit oder krankheitswert zu bezeichnen. Und das hat sehr weitreichende Folgen für TS. Nämlich, dass sie dies dann aus eigener Tasche löhnen. Soweit ist dann Hr. Bader nicht gegangen. Das hat er gar nicht erst zur Sprache gebracht.

Ein Eigentor wirds dann, wenn man genau diese vorgebliche Diskriminierung beseitigt und damit gleichzeitig die Zahlungspflicht der Kasse. Eine Kasse zahlt nun mal bei Krankheit.... Und nur dann.
Aber wenn es zum glücklichsein genügt, dass TS nicht mehr als Krankheit bewertet wird, dann bin ich doch dabei! Allerdings dürften die eben benannten Folgen daraus dann auch nicht unglücklich machen. Ich möchte sehr wohl - um das nicht falsch zu verstehen - dass die Kassen weiterhin dafür aufkommen. Gerade dann, wenn sich der Einzelne das aus eigener Tasche nicht leisten kann.

Die Verlautbarung - so lieb und nett sie wohl im Ansatz gemeint sei - sie hat im Kern ihrer Forderung sehr nachhaltige Folgen. Vielleichte sollte man nicht nur etwas fordern, und das für gut heißen. Bei allem Verständnis dafür, dass es unangehm ist als krank hingestellt zu werden. Wer das durchsetzen möchte läuft Gefahr, den Anspruch der Zahlung zu verlieren. Denn wenn keine Krankheit, dann auch logischerweise kein Anspruch auf Leistung der Krankenkasse. Und genau gegen diese Folge richtet sich die Kritik meinerseits.

Ich habs im Beitrag weiter oben schon etwas detaillierter geschrieben.

Jula
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dabei seit: 12.12.2004

Wird der Artikel in einer Tageszeitung hier nicht etwas überschätzt?
Lydia schreibt

Zitat:
Die Verlautbarung - so lieb und nett sie wohl im Ansatz gemeint sei - sie hat im Kern ihrer Forderung sehr nachhaltige Folgen.

Wenn es sich tatsächlich um eine Verlautbarung handeln würde, also um irgendeine offizielle Stellungnahme aus dem Bereich der Gesundheits- und Sozialpolitik, dann würde ich zustimmen.
Aber ein Zeitungsartikel, der informieren will? Der ändert oder erschüttert doch keine Positionen im Gesundheitswesen.
Die Äußerung des Arztes hat eine ganz andere Qualität und ein anderes Ziel. Er will nicht Sozialpolitik machen, sondern bei den Leser/innen Verständnis für die Ernsthaftigkeit des Anliegens wecken. Und das gelingt im gut, wie ich finde.
Die differenzierte Position von TS, einerseits so stark zu leiden, dass sie (von der Solidargemeinschaft bezahlte) Behandlungen benötigen, aber andererseits keinesfalls krank zu sein (jedenfalls nicht im Kopf!) ist der Bevölkerung nun mal nicht gleichzeitig vermittelbar. Schon gar nicht, wenn man das Ziel hat der Bevölkerung deutlich zu machen, dass transidente Menschen ein ernsthaftes Anliegen haben.

NIVEAU ist keine Handcreme! Julas Homepagehttp://www.julaonline.de/

Nadine-Rose
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dabei seit: 16.04.2005

Zitat:
Er will nicht Sozialpolitik machen, sondern bei den Leser/innen Verständnis für die Ernsthaftigkeit des Anliegens wecken. Und das gelingt im gut, wie ich finde.

Bingo - das ist der Kern der Aussage.

Nadine

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@ Jula: hier wird zu diesem Thema nicht irgend ein unwissender Zahnarzt um ein Feedback gebeten... Die Aussage gewinnt Gewicht mit der Funktion, Tätigkeit und Ruf des Mediziners.

Ich halte die Verwendung des Begriffs Diskriminierung nach wie vor für völlig unangebracht. Eine Befreiung von dieser angeblichen Diskriminierung hat Folgen. Und wennn Mediziner sich hinstellen und das schon so bezeichnen, dann finde ich es um so bemerkenswerter wenn Betroffene noch dazu Beifall klatschen. Ich kann mich leider dem nicht anschließen und Beifall klatschen wenn Forderungen laut werden die im Ergebnis die Streichung der Kostenübernahme der OP für Transsexuelle bedeuten würde.

Wer fordert nicht mehr als krank (oder krankheitswert) betrachtet zu werden - darum geht - der riskiert, dass in der Folge die Krnkenkasse zum einen nicht mehr zuständig ist und zum anderen nicht mehr die Kosten übernimmt!
Wenn diese Befreiung von der Diskriminierung ein gutes Ergebnis ist, dannn kann ich solche Forderungen nicht für gut heißen.
Man kann nicht sich hinstellen und irgendwas daher fordern. Man muss auch zu den offensichtlichen Folgen der eigenen Forderung stehen.

Ich finde es nicht so prickelnd und toll, wenn TS künftig ihre OP selbst bezahlen müssen.

Nadine-Rose
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dabei seit: 16.04.2005

Zitat:
Ich kann mich leider dem nicht anschließen und Beifall klatschen wenn Forderungen laut werden die im Ergebnis die Streichung der Kostenübernahme der OP für Transsexuelle bedeuten würde.

Wer fordert das denn da in diesem Zeitungsbericht ? Niemand !

Die Überschrift dieses Threads fragt auch nicht danach, sondern fragt nach dem TS/TV-Outing von Prominenten und deren Folgen. Ich denke, das sollten wir mal öfters beachten.

Aber dennoch halte ich das hier jetzt andiskutierte Thema zu wichtig und habe deshalb einen neuen Thread geöffnet, wo wir dieses Thema einmal sachlich diskutieren können

Ansonsten wünsche ich mir, daß auch Prominente den Mut haben sollten, zu ihren Gefühlen und Neigungen zu stehen, wenn sie in unser Umfeld hineinpassen

Nadine

Gast
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@ Nadine: Schön, dass du die von mir in den Raum gestellte angebliche Forderung noch einmal aufgreifst.
Der betreffender Dr. Bader meint, Zitat: "Es ist ein doppelter Leidensprozess: Zur nicht gelingenden Identität kommt die Diskriminierung durch die Gesellschaft."
Weiter wird dazu ausgeführt: "Diskriminierend sei allein schon, dass Transsexualität gemeinhin als Krankheit angesehen werde. Bader: "Die einzige "Krankheit" besteht darin, dass man eine Operation durchführen muss, weil der Mensch in einem falschen Körper steckt."

Herr Dr. Bader beläßt es bei dieser Aussage...

Und an exakt dieser Stelle habe ich arge Bedenken angemeldet. Ich habe den Faden dort aufgenommen und lediglich aufgezeigt wohin es führen würde, wenn genau diese "Diskriminierung" durch die Gesellschaft beseitigt wird.
Ich habe es schon einmal gesagt und wiederhole es noch einmal: ich bin der Letzte der nicht verstehen und nachvollziehen kann, dass es nicht nur unangenehm ist sondern auch für den Betroffenen verletzend ist wenn er als "krank" dargestellst und präsentiert wird!
Allerdings muss man genau auch auf die möglichen Folgen blicken, die eine solche Abschaffung/Beseitigung des Status "Transsexualität = Krankheit/krankheitswert" bedeute würde.
Wenn Transsexualität nicht mehr als "Krankheit/krankwert" betrachtet wird, dann könnte und würde dies auch bedeuten, dass die KRANKENkassen dafür nicht mehr zuständig sein würden. Und dann stellt sich sehr wohl die Frage, wer dann die Kosten für die GÄ-OP zahlt. Herrn Dr. Bader unterstelle ich einfach mal ganz bewusst als Fachmediziner, dass ihm das bewusst ist was dies bedeuten würde. Es wäre meines Erachtens sinnvoll gewesen, nicht nur eine Darlegung in den Raum zu stellen, sondern auch auf Folgen hinzuweisen und möglicherweise eine Alternativlösung anzubieten.
Bei Abschaffung der Bezeichnung "Krankheit/krankwert" für Transsexualität, würde der betroffene transsexuelle Mensch die Kosten nicht mehr von der Krankenkasse gezahlt bekommen. Krankenkassen zahlen nur für den eingetretenen Versicherungsfall KRANKHEIT. An der Stelle muss ich nicht ganz unberechtigt fragen, wer es dann zahlen soll. Ich denke mal, dann bleibt nur der Betroffene selber übrig. Und das würde wiederum bedeuten, dass einer Vielzahl der betroffenen TS der Weg hin zur OP verwehrt bleibt, weil ihnen die Mittel fehlen.
Aber ich bin sicher, dass du bei weiteren darüber nachdenken selber draufgekommen wärest...

Man kann sich nicht einfach hinstellen und die Diskriminierung der Gesellschaft anprangern nur im Hinblick auf die Bezeichnung Krankheit. Es gibt gerade in Hinblick auf die Finanzierung der OPs gute Gründe die dafür sprechen. Es wäre sicherlich hilfreich eine andere Lösung der Finanzierung außerhalb der Bezeichnung Krankheit und damit der Finanzierung durch die Krankenkassen zu finden.

Aber ich bin offen für neue Ideen! Dann erkläre mir doch bitte einmal, wenn man die Diskriminierung durch die Bezeichnung "Krankheit/krankwert" beseitigt, wer zahlt dann weiter die erforderlichen Kosten für die meist nachfolgende OP? Ich bin dafür - das die Bezeichnung abgeschafft wird. Aber nur unter der Gewährleistung, dass weiterhin die Kosten dafür übernommen werden.