Logopädie

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Vyola
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dabei seit: 24.02.2011

Hallo Ihr lieben,

welchen Stellenwert hat die Stimme für Euch?

Heute ist bei uns in NRW wieder mal so ein regnerischer Tag, da weiß man nicht was man machen soll.

So habe ich einiges gelesen, auch über die Feminisierung der Stimme.

Wie steht Ihr zur professionellen Logopädie, notwendig oder nicht, von der Kasse bezahlt oder nicht, oder einer Stimm- OP der Bänder oder des Larynx?

Oder reicht euch das persönliche Training, um eure Stimme zu verändern?

Ich freue mich auf Eure Beiträge.

Danke Vyola Smile

„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt"

Sarah-HL
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dabei seit: 01.06.2012

Hi, i

ich persönlich finde die Stimme wichtig, besonders dann, wenn wenn das ganze in Richtung TS geht.

Ich kam über meine Psy an eine Logopädin die mich wieder an einen HNO ihres Vertrauens zwecks Überweisung verwiesen hat. Kurzes Gespräch, Überweisung für erst einmal zehn Sitzungen bekommen und los ging es.

Mir persönlich hilft es viel und tut gut.

Probiere es doch mal.

Smile Sarah

En fiddl fund Wurbln un ein Harbsch mit Schronk un Borsch...

susanne-ffm
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dabei seit: 14.10.2007

Logopäde habe ich nie bekommen von der Krankenkasse

ich habe mal ein Stimmtraining mitgemacht (Workshop für ein Tag)

OP kommt nicht in frage - ich verdiene mein Geld mit der Stimme (Callcenter) lieber lasse ich mich von jedem Anrufer mit "Herr" anreden als das ich das Risiko eingehe.

Die OP ist sehr risokoreich, die Chance das da was vernünftiges bei raus kommt ist nach meinem Wissensstand immer noch 50/50

Wenn die Medizin bei 90/10 ist denke ich nochmal drüber nach Wink

zusammenfassend : ich bin eine Frau mit Brummbass - na und ?

Dani
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dabei seit: 11.10.2011

hmmm.. 50/50.. ? 90/10..? risikoreich..? Na klar denke ich auch an so eine OP. Aber wann käme die dran? Das ist für mich die bessere Frage. Eine wirkliche Antwort habe ich darauf auch nicht. Letzte Woche habe ich mal wieder fleißig geübt.. wisst Ihr, lustig daran war, dass ich meine 'alte Stimme' neu entdeckt habe.. mir war gar nicht klar, wie sehr sich mein Singsang, die Weichheit meiner Stimme, schon geändert haben. Ich bin Meilen von meiner alten Männerstimme entfernt. Das liegt sicher am Lebensgefühl. Mich nervt dennoch tierisch die Tonhöhe. WIE IMMER stört die sonst niemanden - nur mich selbst.

Das ist ne bekloppte Feststellung, die ich immer wieder mache. Alle sind okay mit mir, nur ich nicht. Frage mich, warum mich die Meinungen meines sozialen Umfeldes in Bezug auf meine Eigenwahrnehmung aber auch überhaupt nicht interessieren. Es kümmert mich NULL, ob sie mein Aussehen und mein Auftreten gut finden, ob sie meine Stimme okay finden, solange ich es nicht tue. 

Ich glaube, es ist ein Stück Hilflosigkeit. Als alles bei der Trennung zusammenbrach, machte ich mir einen Transitions-Plan, an den ich mich noch heute (in vielen Fällen ('risikoreich') mutig) klammere. Es ist sowas, wie mein 'Roter Faden der Hoffnung' - er hat mich oft durch dumme Zeiten gerettet.. scheinbar vertraue ich diesem Plan mehr, als der Auskunft meines Umfeldes. Irgendwie idiotisch, oder...???

Aktuelles Beispiel:

Nachdem das Adamsapfel-Abschleifen nicht wirklich von Erfolg gekrönt war, empfahl mir der HNO die HNO-Klinik Lüdenscheid. Da würde ich stationär 2-3 Tage bleiben, man würde in einer OP den Kehlkopf 'falten' (oder so).. nunja.. da nehme ich mit denen Kontakt auf und lese auf deren iNet-Seite, dass ihr Spezialgebiet die Phonochirurgie sei.. *hüstel*.. da war auch das Thema Stimmband-OP wieder da. Da denke ich, gut, es gehört eigentlich nicht unbedingt auf meinen Plan, aber wenn sie mir meinen Hals schon aufschneiden, an eben genau dieser Stelle.. ein zweites Mal täte ich das nicht. Warum also nicht gleich das 2-in-1-Paket? Was das Risiko anbetrifft.. darüber müssen die Ärzte ihre Meinung haben, nicht ich - was weiß ich schon von den Chancen und Risiken so'ner Sache. Da halte ich mich raus. 'Generelle' Risiken gibt es denke ich sowieso nicht. Ich glaube vielmehr, man muss hin, die müssen untersuchen und dann können sie was über 'individuelle' Chancen und Risiken sagen. Ist doch eh jeder Mensch anders.

Ich werde mich beraten lassen - kann ja mal von dem Gespräch mit Doc Davids berichten, wenn ich ich es hatte. 

Viele liebe Grüße!!

Eure Danni

 

Das Leben meistert man lächelnd,

oder überhaupt nicht.

Sarah-HL
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dabei seit: 01.06.2012

Hi Dani,

meine Logopädin hatte mir von einer Stimmbandop dringend abgeraten. Zum einen, weil das Ergebnis zu vorher nicht so groß ist, als das man es nicht auch mit Training schaffen würde. Zum anderen, weil das Risiko wohl erheblich ist. Ich kann meine mal fragen, ob sie in deiner Gegend jemanden kennt der gut ist.

Ich muss allerdings auch dazu sagen, daß ich schon viel Helligkeit in meiner Stimme habe.

Mach dir mal keinen Stress,

Smile Sarah

En fiddl fund Wurbln un ein Harbsch mit Schronk un Borsch...

Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

Hallo,

selber war mir das Risiko einer Stimm-OP zu hoch. Auch kommt "oben" nichts dazu, sondern es wird nur "unten" was weggenommen. Wer lernt, instinktiv in der oberen Stimme zu reden, kommt normalerweise an die gleiche Tonlage ran, wie sie mit der OP erzwungen wird. Und meistens ist eine Logopädie danach trotzdem erforderlich, denn weibliche Sprechweise hat nichts mit der Tonlage zu tun ... muss also trotzdem eingeübt werden.

Logopädie wird von den Krankenkassen bezahlt, oder (je nach Tarif der Logopädin) zumindest bezuschusst. Es ist dafür wichtig, eine Heilmittelverordnung wegen "funktionaler Stimmstörung" zu bekommen. Selber gehörte ich zu den Glücklichen, die mit dem ersten Rezept für 10 Stunden schon hinkamen. Manche brauchen deutlich länger, dann kann es eine Geduldsprobe werden.

Sehr hilfreich ist es bereits in der neuen sozialen Rolle zu leben, und das Erlernte konsequent dauerhaft einzusetzen. Dann kommt die neue Stimme später instinktiv, ohne sich noch einen Kopf machen zu müssen.

Liebe Grüße, Minolfa

rafaela62
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dabei seit: 20.01.2008

Hallo!

Ich schließe mich da mal Michi an! Wenn schon der "Alltagstest" relativ erfolgreich läuft, kann das Erlernte von einer guten Logopädin/Logopäden in der Praxis erfolgrich vertieft werden.

Die Kosten werden von der KK vollständig übernomen, wenn du von einem HNO - Arzt rine Entschprechende Heilmittelverordnung bekommst, in der auch drin steht,das du als Transsexuelle eine logopädische Stimmverbesserung benötigst.

Meine Logopädin ist mit meinem Stimmergebnis schon sehr zufrieden. Wir haben jetzt 11 mal eine Stunde training hinter uns.

Gruß Rafaela

Leitende Betreuerin der SHG Trans Jena   

http://jena.transhilfe-thueringen.de

Optimismus und Selbstvertrauen sind das Wichtigste

Vyola
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dabei seit: 24.02.2011

Hallo Ihr lieben,

ich habe mit großem Interesse mitgelesen, tolle Beiträge, danke.

 

Minolfa schrieb: selber war mir das Risiko einer Stimm-OP zu hoch. Auch kommt "oben" nichts dazu, sondern es wird nur "unten" was weggenommen.

 

Sind das Erfahrungswerte?

Ich möchte nicht Lehrmeisterhaft klingen, Musik ist halt ein Hobby von mir, daher diese Frage.

Den wenn man sich das Schwingungsverhalten einer Seite, eines Instrumentes anschaut, wird der untere Ton nicht weggelassen.

Durch die höhere Spannung der Seite wird die komplette Tonlage nach oben verschoben.

Akustisch verschwinden die tiefen Töne und es kommen weitere hohe Töne dazu.

Und auch die Flageoletttöne die, die Eigenresonanz des Instrumentes selber zum großem Teil mit definieren , verschieben sich alle nach oben. Die Resonanzfrequenz ist doch das wichtigste an der weiblichen oder männlichen Stimme, um diese einzuordnen, an derselben ordnet man doch auch Instrumente zu oder?

Verhält es sich nicht mit der menschlichen Stimme ebenso , und der nach einer OP?

Ist ein Training der eignen Stimme wirklich ausreichend?

Eure Vyola Smile

„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt"

Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Logopädie ist eine normale Kassenleistung und braucht nicht beantragt zu werden. Eine Verschreibung vom HNO-Arzt genügt im Prinzip.

Vyola schrieb:
Den wenn man sich das Schwingungsverhalten einer Seite, eines Instrumentes anschaut, wird der untere Ton nicht weggelassen.

Durch die höhere Spannung der Seite wird die komplette Tonlage nach oben verschoben.

Akustisch verschwinden die tiefen Töne und es kommen weitere hohe Töne dazu.

Was für Musikintrumente korrekt ist, gilt für Stimmbandoperationen deswegen noch lange nicht.

Der Stimmraum wird definitiv nicht nach oben erweitert, sondern nur unten abgeschnitten. Man kommt mit OP nicht höher als man es vor der OP geschafft hat. Der Vorteil ist, dass man (bei gelungener OP - also nur 25% bis 50% der Fälle) nicht mehr unbeabsichtigt in den tiefen Bereich abrutschen kann. TS, die eine sehr tiefe normale Sprechstimme haben und auch mit Logopädie es nicht schaffen, dauerhaft im oberen Bereich zu bleiben, können davon profitieren. Aber meistens ist Logopädie die bessere Alternative, zumal die OP auch nicht ohne Logopädie auskommt - die Stimmhöhe ist halt nur ein Faktor von mehreren.

Denk mal an ein Xylophon, das man in der Mitte durchsägt - nur mit der oberen Hälfte kommt man auch nicht höher als früher. OK, der Vergleich hinkt ebenso. Aber eine typische Operation ist die Kehlkopfknorpelfixierung (auf deutsch Cricothyroidapproximation, CTA), bei der der Kehlkopf in der "hochgeklappten" Position mit Bändern fixiert wird, wodurch die Stimmbänder stärker gespannt werden und höher klingen. Genau diese Position lässt sich aber auch ohne OP erreichten und beibehalten, ein bisschen Übung ist nötig. Der Unterschied nach OP ist, der Kehlkopf kann dann aus dieser Position nicht mehr zurückfallen.

Andere OP-Methoden nähen die Stimmbänder zusammen und fixieren sie, so dass nur die höheren Töne erzeugt werden können. Aber auch hier gilt, die Stimmbänder können nicht über ein gewisses Maß hinaus gespannt werden, irgendwann ist das Maximum erreicht, und dieses Maximum lässt sich auch ohne OP erreichen. Nachteilig ist dann noch, dass durch diese OP die Stimmbänder in einem anderen Winkel auf den Kehlkopf treffen und dadurch etwas unnatürlich klingen.

Allen OP-Methoden ist gemeinsam, dass andere Parameter, wie z. B. die Größe des Kehlkopfes oder der Resonanzraum in der Brust nicht geändert werden können. Hinzu kommt, dass die Vernähung einreißen kann, womit die Stimme wieder tiefer wird, die Narben aber bleiben.

Dani schrieb:
Ich werde mich beraten lassen - kann ja mal von dem Gespräch mit Doc Davids berichten, wenn ich ich es hatte. 

Bei Herrn Davids war ich auch wegen des Adamsapfels. Nach dem Vorgespräch habe ich kurz über die CTA nachgedacht, da es nur eine OP wäre, habe die CTA dann aber recht schnell wieder verworfen - ohne OP erreiche ich das Ergebnis auch, und auch am Telefon reicht es aus.  - Übrigens, mit CTA wird die Narbe größer.

Vyola
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dabei seit: 24.02.2011

Hallo Johanna,

 

Ok. ! Danke für deine Info. Die dieses bestätigt, was schon im Forum anklang fand.

Ist Dir vielleicht eine Literatur diesbezüglich bekannt, die Du empfehlen kannst?

 

Lieben Gruß

Vyola Smile

„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt"

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Johanna schrieb:

Denk mal an ein Xylophon, das man in der Mitte durchsägt - nur mit der oberen Hälfte kommt man auch nicht höher als früher. OK, der Vergleich hinkt ebenso.

 

Ooch, das wäre aber schade um das schöne Instrument. Du kannst doch auch die unteren Hölzer bloß wegnehmen oder - noch einfacher - diese abdämpfen. Das hat dann ähnliche Wirkung, wie die OP auf Stimmbänder im Erfolgsfall, ließe sich aber im Gegensatz zu dieser wieder rückgängig machen. In dieser Hinsicht wirkt eine OP eher wie eine Säge. Und wenn du Pech hast, ist die Stimme nachher auch kaputt. Besser ist, zu lernen, daß man die unteren Hölzer beim Spielen gleich gar nicht erst trifft.

Singen geht nach OP fast immer schlechter, da im besten Fall (d.h. bei Ausbleiben von Komplikationen) Stimmumfang eingeschränkt. Besser ist allemal, in anderer Stimmlage singen üben. Das kann auch den Erfolg von Logopädie unterstützen.

 

liebe grüße

triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.