Lebenserwartung?

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violettcr
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dabei seit: 08.09.2013

Guten Abend (oder Morgen)...

Ich wollte mal fragen, ob man durch Hormone etc. die Lebenserwartung wirklich so erheblich senkt, wie ich mal gehört habe... Ich meine nicht auf die Psyche bezogen sondern rein Biologisch betrachtet. Also ich habe mal gelesen, dass man dann damit rechnen muss mit ca 65 Jahren zu sterben. Was wiederum für mich bedeuten würde, dass ich etwa ein drittel meines Lebens bereits hinter mir hätte...Mache mir da echt Sorgen... Stimmt das?

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Wenn ein gesunder Mann plötzlich Östrogene nimmt, ist das alles andere als gesund.

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Natalja...
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Also ich kann leider auch keine Antwort geben, außer: Schau mal wie schnell sich heutzutage die Medizin entwickelt. Falls das mit der kürzeren Lebenserwartung wirklich stimmt, könnte es in einigen Jahren schon ganz andere aussehen Wink
LG

Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

In einem Fachartikel wird behauptet, dass bei "moderner Therapie" die Lebenserwartung sich statistisch nicht mehr verkürzt. Mit "modern" meint der Arzt halt kein Ethinylestradiol, möglichst nicht jahrelang CPA (Androcur), Gel statt hoher Tablettendosierungen usw. Der geringere Energie-Grundumsatz und niedrigere Testosteronwert wirkt statistisch lebensverlängernd, das Thromboserisiko und die Nebenwirkungen aus dem Beipackzettel statistisch lebensverkürzend.

Im Internet kenne ich zwei weitere interessante Fachartikel zum Thema. Die erste verlinkte Studie beschreibt in der zweiten Hälfte ausführlich Risiken, Gegenanzeigen und lässt sich auch über Morbidität und Mortalität aus, allerdings mit dem Hinweis auf die sehr schlechte Datenlage. Richtige Studien mit Vergleichsgruppe sind ja aus ethischen Gründen nicht möglich. Deshalb habe ich eine weitere Studie verlinkt, die sich zwar mit Frauen beschäftigt, aber zumindest nach der OP sollte das auch weitgehend für TS gelten.

Achtung! In der der Publikation hinter dem oberen Link werden 50-100 mg CPA als "Standarddosierung" vor der OP bezeichnet, das wird heutzutage nur noch von wenigen Ärzten so gesehen.

Transsexuelle: http://www.kup.at/kup/pdf/4694.pdf

Allgemein Menopause: http://www.kup.at/kup/pdf/6752.pdf

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Kleine Ergänzung: vollkommen unabhängig von TS ist ja bekannt, dass Lebenserwartung und Gesundheit im Alter auch von der sozialen Lage beeinflusst werden - sozial schwache Menschen leben tendentiell weniger lang.  Die teilweise recht extremen Milieus, in denen Transsexuelle in der Vergangenheit (und anderswo in der Welt auch heute oftmals noch) leben müssen, dürften sich auch nicht gerade positiv auf die Lebenserwartung auswirken.

Sowas  geht alles in eine Statistik über die Lebenserwartung Transsexueller mit ein. Es würde mich nicht überraschen, dass man auf eine ganz normale Lebenserwartung kommen wird, wenn man sich auf die sozial erfolgreichen Transitionen beschränkt. 

 

Unabhängig davon: selbst wenn ich als Folge meiner Transition morgen gehen müsste, hätte sich der Wechsel für mich gelohnt.

Viele liebe Grüße

Beate 

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Beate_R schrieb:

Kleine Ergänzung: vollkommen unabhängig von TS ist ja bekannt, dass Lebenserwartung und Gesundheit im Alter auch von der sozialen Lage beeinflusst werden - sozial schwache Menschen leben tendentiell weniger lang.

 

Guter Punkt. Mobbing von Verwandtschaft wirkt sich auch negativ aus.

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

violettcr
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dabei seit: 08.09.2013

Okay... danke so weit.Und danke für die Links. werde ich so bald ich kann mal durchlesen. Ich habe echt angst davor mit 60 oder so schon zu sterben... :/Naja... Weiß auch nicht. Dass das nicht gesund ist, alleine wegen Stress für den Körper weiß ich ja auch. Aber ich will halt irgendwie nicht einen solch radikalen Einschnitt in meine Lebenszeit machen. klingt komisch, aber ich empfinde so... Auch wenn viele das hier anders sehen mögen. Ich hoffe wirklich, dass das nicht sooo schlimm wird...Und wie ist das, wenn man in der Zeit Samen gespendet hätte? Also wenn ich das jetzt zum Beispiel gemacht hätte um ein bisschen was zu verdienen und aus keinem anderen Grund? Habe mal gelesen, dass es dann Probleme geben kann. Ich meine, wieso würde man dann verurteilt werden, das einzig positive an dem Glockenspiel auszunutzen?

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

violettcr schrieb:
 Aber ich will halt irgendwie nicht einen solch radikalen Einschnitt in meine Lebenszeit machen. klingt komisch, aber ich empfinde so...

 

Kann ich durchaus verstehen. 

Mach Dir mal die Risiken rational klar: nach momentanem Stand der Erkenntnis (und leider nach wie vor schlechter Datenlage) sieht es so aus, als ob eine vernünftigen HRT keinen erkennbaren Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Ganz im Unterschied zu Eunuchen, also ganz ohne Hormonsubstitution. 

Es gibt inzwischen etliche Frauen, die über Jahrzehnte einer HRT alt geworden sind. Schau Dich mal auf Lynn Conways Seite um - Lynn zählt inzwischen selbt dazu, sie ist weit in ihren 70ern. Sogar Frauen, die ihre OP noch in Casablanca haben machen lassen - mit einem weit größeren Risko als wir heute.

 

Risikofaktoren sind: Ethinylestradiol (Krebsgefahr, Thromboemboliegefahr), Rauchen, Übergewicht. Also fast wie ohne Transition.

 

 

Viele liebe Grüße

Beate 

violettcr
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dabei seit: 08.09.2013

Naja... Ich bedanke mich für Eure Antworten. Hat hier jemand Erfahrungen was Kinderwunsch angeht? Also ich weiß, dass ich irgendwann ein Kind mit meinem Gencode haben will... Stimmt es, dass man sein Sperma nicht einfrieren lassen darf? Also nicht ohne später mit konsequenzen rechnen zu müssen?

Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

Halllo Violett,

wenn Du Kinder "aus eigenem Sperma" willst und eine Hormontherapie beginnen willst, musst Du Sperma einfrieren lassen. Durch die Hormontherapie sinkt zumindest die Spermaqualität erheblich (und wer will das den Kindern antun?), meistens bleibt es auch recht bald aus.

Rechtlich gibt es beim Sperma einlagern keinerlei Probleme, in vielen größeren Städten gibt es Samenbanken. Du musst aber mit mehreren hundert Euro Kosten jährlich rechnen. Willst Du später mit Deiner zukünftigen Lebensgefährtin ein Kind haben, muss die Befruchtung aber außerhalb Deutschlands geschehen, denn das erlauben die deutschen Gesetze nicht. Einige Länder in Europa kommen in Frage. Damit das Kind dann in Deutschland juristisch Deins wird (Erbfolge usw.), kannst Du es adoptieren. Irgendwelche Folgen für die "Anerkennung der Transsexualität" hat das Einlagern von Sperma oder das Zeugen von Kindern nicht (mehr).

Liebe Grüße, Minolfa

violettcr
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dabei seit: 08.09.2013

Okay,

Danke dir Minolfa! Hatte da echt Sorgen, weil mein letzter Stand war, dass das nicht möglich sei. Und mehrere hundert Euro jährlich? So wäre mir das lieber. Das war halt mit meine größte Sorge... wo besteht denn dann das Problem mit der künstlichen befruchtung in D? Gilt das etwa dann als "klonen"? Sorry. Bin da trotz meiner Lehre zur Biologielaborantin nicht so auf dem laufenden. Und so lange ich im Beruf etc. noch den Kerl spielen darf mag ich natürlich nicht meinen Biolehrer fragen... der ist aber eh irgendwie im Kopf in 1960 stehen geblieben...

Wären die Niederlande zum Beispiel so ein Land wo das ginge? Oder Grosbritanien? Wenn das nämlich geklärt werden kann sind meine einzigen (wirklichen) Sorgen bei diesem Thema beseitigt... Denn ich will irgendwann ein eigenes Kind mit meiner Partnerin haben. Auch wenn das komisch klingt.

Aber was ich hier bisher so höre... Ich denke 70 Jahre wären für mich genug... und doch die Möglichkeit ein Kind zu kriegen... auch wenn ich es nicht austrage, das wäre wirklich toll! Und ab nächsten Monat hätte ich theoretisch sogar genug Verdienst um mir vielleicht was einlagern zu lassen! Oh man... wenn ihr wüsstet, wie sehr mir das alles gerade hilft Smile