Gute Nacht Geschichte :)

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Dani
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dabei seit: 11.10.2011

 

Die Überlieferung sagt, dass vor langer Zeit in einem fernen Land ein weiser König ein wundersames kleines Land beherrschte. Dieses Königreich war im Grunde wie jedes Andere. Jedoch war es eine kleine, abgeschottete Enklave, die dem Fortschritt der Welt rings umher stets einen Schritt hinterher folgte. Reisendeberichteten, das die dortige Gesellschaft aus zwei Kasten bestand - Der 'Kaste der Zufriedenen' und der 'Kaste der Mutigen'. Unmittelbar nach der Geburt wurde ein jeder Säugling auf die Länge seiner Arme hin untersucht. Hatte das Kind vergleichsweise lange Arme, so gehörte es zu der Kaste der Zufriedenen, hatte es hingegen kürzere Arme, so war offenbar, dass es sich um ein Mitglied der Kaste der Mutigen handelte. Der Grund für diese Eingruppierungen lag auf der Hand: Mit langen Armen ließ sich die Welt umarmen, ließ sich recht mühelos viel 'erreichen' - daraus entstand im Leben, so war jenem Volk seit Urzeiten klar, Zufriedenheit. Kurze Arme hingegen schulten das Heranwachsende früh darin, mutig einen Schritt mehr machen zu müssen, als die Anderen. Aufeinander zugehen, bisweilen eben auch, wenn das Kind des Laufens noch nicht fähig war, oder dann, wenn es schmerzte. Dazu bedarf es Mut. Das war jedem der Einwohner klar. Die eine Kaste war nicht mehr wert, als die Andere. Jedoch wurden die Menschen ihren jeweiligen Befähigungen entsprechend überall im Königreich eingesetzt. Die Kenntnis der Vorzüge jeder Kaste sah dies Völkchen als Geschenk und man war dankbar für diese Offenbarung von Weisheit. Heiraten innerhalb einer Kaste war strengstens untersagt. War es doch notwendig, dass ein Neugeborenes, je nach Kastenzugehörigkeit auch wenigstens einen erfahrenen Elternteil als Vorbild hatte. Jeder anerkannte diese Notwendigkeit. 

Problematisch wurde es jedoch, wenn ein Neugeborenes weder kurze noch lange, sondern eine mittlere Armlänge hatte. Das war in diesem Volke selten, kam zur Trauer der Eltern jedoch vor. Die Ärzte des Königreichs hatten auf Geheiß des weisen Königs viele Jahre lang nach einer Möglichkeit geforscht, diesen armen Kleinen zu helfen.  Ein Weg wurde gefunden, indem man ihre Arme zumeist kürzte. Ein so schlechter Start in das Leben, so sagte man,  bedurfte schon an diesem Punkt im Leben Mut. Da war es klar, dass solche Kinder der Kaste der Mutigen zu-operiert wurden.

Bisweilen entstand ein Problem durch die Entwicklung der Kinder zu jungen Erwachsenen. Kurze Arme wurden plötzlich ungewollt länger als erwartet, oder blieben trotz anfänglicher Überlänge unterentwickelt. Bevor nun ein Kastenwechsel notwendig wurde, der als schier unmöglich galt, hatte das Kind doch eine Entwicklung in der entgegengestzten Kaste durchlaufen, bot sich manch ein Arzt, Ärzte gehörten der Kaste der Mutigen an, entgegen des Gesetzes Bestimmungen, den jungen Erwachsenen heimlich zu helfen. Stillschweigend wurde dies praktiziert und im Grunde auch gut geheißen. Schließlich war dies Kind erzogen in der jeweiligen Kaste und ein Wechsel der Kasten galt in solch fortgeschrittenem Alter als schier unmöglich.

All dies kam jedoch selten vor und beschäftigte die Gesellschaft recht wenig, bis eines Tages ein reisender Krieger erschien, der in jener wundersamen Vollmondnacht den König in höchster Not, mit seinen langen Armen vor dem sicher tödlichen Angriff eines wilden Berglöwen errettete. Zunächst feierte man die Rettung des geliebten Herrschers ausgiebig und ehrte den Krieger zuhauf. Jedoch schon bei den Feierlichkeiten kam Getuschel auf. Wie war es möglich, dass ein Mann mit solch langen Armen, ganz offensichtlich Angehöriger der Kaste der Zufriedenen, den Mut eines Kurzarmigen aufbringen und den Kampf mit einem Löwen erfolgreich aufgenommen hatte? Der Reisende hatte das Königreich lange wieder verlassen und geriet in Vergessenheit. Und doch wurde ab und an das Märchen von dem langarmigen Krieger erzählt, der mutig sein Leben riskierte, um einem fremden Menschen das Leben zu retten. Mit überweiten, fassungslosen Augen fiel seither so manch ein Kind des Königtums mit dieser Geschichte in den Schlaf.

Eines Tages, man sagt, es war der Beginn des Untergangs des Alten Reiches, trat ein langarmiges Kind von neun Jahren in seiner Unwissenheit mutig auf seine Eltern zu und verriet, es fühle sich wie ein mutiges Kind. Dem Kind wurde mit allen Mitteln versucht, diesen Gedanken auszureden, und das Kind schwieg und gab sein Bestes, seiner Kaste gerecht zu werden. Es war gerade die Zeit der Jugendreife, da trat dieses Kind erneut vor die Familie und bekräftigte wieder mit ausgesprochen viel Mut, was längst überwunden schien: "Ich fühle mich so lange ich zurückdenken kann, als gehöre ich zu der Kaste der Mutigen!"

Die Familie geriet in Angst und Bange. Was sollte aus dem Kind werden. Von Allen isoliert, verhöhnt wegen seines irrsinnigen Traumes. Das hatte es in der Familie noch nie gegeben. Die Alten wurden befragt. Wo sollte es noch Arbeit finden.. ein Zufriedener etwa als Forscher oder Polizist? Das war ausgeschlossen. Das Kind würde also nicht nur als Aussenseiter verspottet und isoliert, sondern auch arbeitslos verhungern. Immer und immer wieder befragte man den Jungen, was es denn bedeuten würde, sich als offensichtlich Langarmiger 'mutig' zu fühlen. Eine Antwort auf die nun kreisenden Fragen, wie man 'sich mutig fühlt' und 'sich zufrieden fühlt' definiert, wurde nicht gefunden. Warum er denn nicht einfach 'zufrieden' sein könne, wie es sich für einen Angehörigen seiner Kaste gehöre? Jeder Langarm sei doch ab und an auch mutig, jeder Kurzarm ab und an auch zufrieden. Jeder sei doch eine Mischung aus Beidem. Warum wolle er für seinen Mut, den er ganz offensichtlich an den Tag legte, seine Zukunft zerstören? Die Eltern wurden darüber krank, schon in der eigenen Familie kam es zu Spott, Zorn und bestenfalls Unverständnis. Als der junge Mann dann einen Arzt gefunden hatte, der seine Arme operativ verkürzte, wurde dem Kind wurde nahegelegt, das Land zu verlassen. Schließlich konnte jedermann an den Narben sehen, dass es nur eine operative Wandlung war. Niemals würde er so hier akzeptiert werden. Er solle es mit seinem Weggang sich selbst und der Familie - ja der Gesellschaft einfacher machen, indem er verschwand. Und die Familie verstummte, sprach keinen Ton mehr mit ihm.

Doch dann ergriff der weise alte König das Wort. Er erinnerte sich dankbar an den reisenden Krieger, der ihm einst das Leben rettete:

"Mein Junge, denke nicht, Du seist ein dürrer Baum und ich würde Dich aus meinem Volk weisen. Denn gerade solche wie Du, die dazu noch meine Gesetze ehren und mir dienen, wie es mir gefällt und mir Treue schwören, denen will ich selbst in meinem Palast eine Wohnung und Arbeit geben. Ich will Euch hier bei mir ein Denkmal errichten und einen neuen Namen geben, der noch weitaus besser ist, als Mutiger oder Zufriedener... ich werde Euch einen Namen geben der nie vergehen wird." 

Das Alte Reich verging - und ein Neues, fortschrittliches und grenzenloses Reich entstand.

 

Schlaft gut,

Eure Danni Smile

 

Das Leben meistert man lächelnd,

oder überhaupt nicht.

Dani
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dabei seit: 11.10.2011

sorry, dass ich Euch immer mit meinen geistigen Ergüssen nerve Blushing ich geh jetzt auch ins Bettchen, dann ist endlich Ruhe Innocent

 

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Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Hallo Danni,

das ist 'ne echt schnuckelige Geschichte - möglicherweise wert, dass man sie mal in einer der früheren Schulklassen zur Interpretation im Deutschunterricht präsentiert. Wobei die interpretierbare Richtung natürlich durchaus über unseren Bereich deutlich hinausgeht.

Hast du die selbst geschrieben?

Lieben Gruß,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Dani
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dabei seit: 11.10.2011

Hallo Petra,

ja, alles von mir - außer der Reaktion, den Worten des Königs Wink die stammt aus der Bibel 'Jesaja 56, 3-5' und ist Gottes Reaktion auf 'uns Verschnittene' Smile

lg Danni

 

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susanne-ffm
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dabei seit: 14.10.2007

Addon:

Nun begab es sich aber das der König seinen Zauberer gefragt hat wie man denn feststellen könnte ob das Kind doch recht hatte wenn es denn behauptete seine Arme währen bei der Geburt durch ein fehlerhaftes Massband gemessen worden.

Der Hof Zauberer beriet sich mit andren Zauberen des Landes, die alle in dem (M)agischen (D)ruiden (K)reis sich zusammen getan hatten.

Und dieser -M D K- legte fort an Prüfungen fest, die Menschen bestehen mussten, wenn sie denn der Meinug waren bei der Messung der Arme währe falsch vorgegangen worden.

Kein Kurzarmiger musste natürlich eine Prüfung ablegen ob er denn auch wirklich Kurzarmig sei - genauso musse kein langarmiger beweisen das er langarmig sein - das war ja so offensichtlich und klar wie sonst was  ... nur der kleine Kreis derer die aubegehrten gegen die Rolle mussten Prüfungen ablegen um das Wohlwollen des Königs zu erlangen ...

@Dani mal mutig umarm ;) 

 

 

Dani
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dabei seit: 11.10.2011

*lach* ja, den 'Magischen Druiden Kreis' hatte ich doch tatsächlich unterschlagen... das ist ja sowas von wahr... *lässtsichgernedrücken&drücktzurück*

Die Danni

 

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