Fehlen wirklich so viele Transgender-Gruppen?

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Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

Immer wieder lese ich in Foren, dass außerhalb von Berlin viel zu wenige Transgender-Gruppen seien, und die totale Intoleranz herrsche. Dies passt nur überhaupt nicht zu meinen persönlichen Erfahrungen, und deshalb möchte ich das Thema zur Diskussion stellen.

In Mittelfranken haben wir keine Probleme Räume zu bekommen. Unsere Gruppe zum Beispiel hat gratis jeden Freitag einen Raum in einem städtischen Freizeitheim zur Verfügung. Wir trafen uns monatlich, und oft saßen wir zu dritt mit einem Referenten da.  Ein Ansturm an Neuen blieb aus. Jetzt treffen wir uns noch alle zwei Monate zum Kochen und Ratschen.

martinahamburg schrieb:
Das [Anm. eine Gruppe für junge Trans] sollten sich andere Städte und Gruppen von der Art her mal als Beispiel nehmen.
In den gut drei Jahren, die ich überblicke, kam bei uns eine jugendliche TS sporadisch in die Gruppe, wenn sie nicht mit ihrem Freund besseres vor hatte.

Fazit: Ich sehe keinen Bedarf, denn die Infrastruktur zur Bildung von Gruppen und das Wohlwollen amtlicher Stellen ist vorhanden.

Kalen
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dabei seit: 07.02.2007

Als wir damals die SHG in Minden und auch die Workshops in der Region Porta Westfalica / Minden starteten, da war die Stadt sehr offen und interessiert.

Auch ein Kontakt zur Gleichstellungsbeauftragten wurde schnell gelegt.

Was Events und Workshops angeht, so habe ich bis dato nur positive Erfahrungen gemacht, es war unkompliziert Räumlichkeiten oder Treffpunkte zu planen und zu nutzen.

Auch der Kontakt mit Hotels und Gaststätten war unkompliziert und offen.

 

Wahrscheinlich hängt vieles damit zusammen, wir wir selbst uns sehen, auftreten und welches Bild wir in die Öffentlichkeit tragen. Solange wir in der Scham, Angst und dem Doppelleben verharren, teilweise in unseren Handlungen regelrecht gelähmt sind, wird es schwer sein.

Da fällt mir einer meiner Lieblingssätze ein: Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

 

Berlin hat mit der starken Queer Szene wahrscheinlich eine Sonderstellung in vielen Dingen.

In meinem Hobbybereich LARP sagten mal diverse Berliner: Warum sollen wir woanders hinfahren, wir haben doch alles direkt vor Ort und brauchen nicht reisen. Diese Mentalität konnte ich auch bei anderen Dingen feststellen. Vermutlich ist Berlin anders zusammengeschweißt, auf Grund der alten Strukturen und Umstände. Das wird wohl noch eine weitere Generation dauern, bis sich etwas öffnet. Berlin ist eine Metropole und bietet vieles gebündelt auf einem Raum.

Es gbt viele einzelne autarke Gruppen in Deurschland, in vielen Städten. Ein besseres Zusammenspiel der Gruppen, das wäre interessant. Ob das von den Gruppen gewollt ist ... (das würde ich mal offen lassen) da sollte jede(r) seine eigenen Erfahrungen machen.

 

 

 

 

Ich befinde mich auf einer Reise www.transseelische-reise.de . Two-Spirit ein alter Weg, der gerade wiederentdeckt wird.Welchen Weg wir auch wählen, es wird der eigene individuelle Weg sein, wenn er aus uns "selbst" kommt.

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Womit du wahrscheinlich recht hast.
Meine Erfahrungen weisen in die selbe Richtung.


einen schönen Sonntag noch.
liebe grüße
triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Meine Antwort bezog sich auf Michis Eingangsbeitrag.
Kalen bestätigt dies aber auch.

liebe grüße
triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Wir haben hier in Aachen kürzlich bei der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen nachgefragt: Auch wir werden als Ansprechpartner gern gesehen und bekämen bei Bedarf einen Gruppenraum in einer zentralen Einrichtung mit guter verkehrstechnischer Anbindung (für Treffen ca. 1/Monat) kostenlos zur Verfügung gestellt. Nur macht das beim derzeitigen Stand unseres Tx-Stammtisches noch nicht so recht Sinn, weil wir derzeit (noch) keine "jungen Küken" drin haben, die die Öffentlichkeit scheuen. Und für uns 3-4 Öffentlichkeitsgängige brauchen wir kein Separé zum Kommunizieren. Da gehen wir lieber gleich zum Genießen in ein Restaurant. Smile

Liebe Grüße,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Ist es denn nicht eher andersrum? Eine Bekannte von mir hatte kürzlich versucht, eine TG-Gruppe als ergänzendes Angebot zu unserer SHG auf die Beine zu stellen. Das Projekt scheiterte nach erster Neugier aus Mangel an Interesse.

Viele liebe Grüße

Beate 

Svenja-J
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dabei seit: 24.07.2008

Was Berlin angeht, ist sicherlich festzuhalten, dass eine pulsierende Weltmetropole mit bewegter Geschichte als kultureller, wie gesellschaftlicher Schmelztigel seine Eigenheiten hat und sich individueller entfalten kann. Berlin ist insofern nicht mit regionalen Zentren wie Nürnberg, Rhein-Main und dem Ruhrgebiet oder Kleinmetropolen, wie München oder Köln zu vergleichen.

Im Ruhrgebiet gibt es zwar die eine oder andere Gruppe. Bei denen in Oberhausen und Duisburg wissen wir eigentlich nicht so genau, woran man dort eigentlich ist, die in Herne gilt als so gut wie tot und die in Dortmund hat eine Leiterin, die sich zwar in puncto Öffentlichkeitsarbeit und bis ins politische Engagement sehr gut einbringen kann, aber ihre Beratung ist doch ziemlich daneben. Nach Essen kommen immer wieder Überläufer gerade aus Dortmund. Yvonne leitet die Essener SHG, die übrigens als eine der ältesten und traditionsreichsten in Deutschland gilt, mit viel Herzblut und Engagement und viele, die zu uns kommen, wissen auch, was sie an uns haben.

Hinzu kommt, dass wir auch weiterhin eng mit Anja's Treff, der örtlichen TV-SHG, zusammenarbeiten.

Ich kann mir am ehesten vorstellen, dass es in abgelegeneren Provinznestern oder stark ländlich geprägten Gebieten ohne nennenswerte Zentren eine gewisse Unterversorgung gibt. TS ist jedoch unterm Strich so selten, dass sich eine entsprechende SHG in solchen Gegenden nur schwer etablieren lassen dürfte. Betroffene aus den entsprechenden Regionen werden also wohl auch künftig lange Wege zur nächsten Gruppe in Kauf nehmen müssen.

Fazit: ich schließe mich dem allgemeinen Tenor an. In Ballungsgebieten oder Regionen mit eigenem städtischem Zentrum sehe ich keine Unterversorgung.

Svenja-J
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dabei seit: 24.07.2008

Ich vergaß übrigens zu erwähnen, dass es mit der Lily Marlene in Dortmund-Hörde noch eine Anlaufstelle für TS und TV gibt. Das Ruhrgebiet ist also an sich sehr gut aufgestellt.

Kalen
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dabei seit: 07.02.2007

OWL platzte eine zeitlang vor Treffs, Events und Treffpunkten.

Beobachte das seit ast einem Jahr nicht mehr so aktiv.

Gütersloh, Bielefeld, Osnabrück, Minden, Porta Westfalica, Paderborn ... hier müssten so an die 200 TG/TS sich treffen.

Lübbecke hatte auch eine TS SHG, die Mangels Masse starb.

Ich befinde mich auf einer Reise www.transseelische-reise.de . Two-Spirit ein alter Weg, der gerade wiederentdeckt wird.Welchen Weg wir auch wählen, es wird der eigene individuelle Weg sein, wenn er aus uns "selbst" kommt.

Zonja EX
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Reale PersonEhemaliges Mitgllied
dabei seit: 09.02.2008

Svenja schreibt:

Ich kann mir am ehesten vorstellen, dass es in abgelegeneren Provinznestern oder stark ländlich geprägten Gebieten ohne nennenswerte Zentren eine gewisse Unterversorgung gibt. TS ist jedoch unterm Strich so selten, dass sich eine entsprechende SHG in solchen Gegenden nur schwer etablieren lassen dürfte. Betroffene aus den entsprechenden Regionen werden also wohl auch künftig lange Wege zur nächsten Gruppe in Kauf nehmen müssen.

Fazit: ich schließe mich dem allgemeinen Tenor an. In Ballungsgebieten oder Regionen mit eigenem städtischem Zentrum sehe ich keine Unterversorgung.

Sehr richtig, ist auch meine Erfahrung. Ich bin schon zu sehr vielen Stammtischen getingelt; aber ST-Adressen finde ich immer nur in Ballungszentren/Städten etc. - Ich selber komme aus der tiefsten Provinz - fast schon Pampa - und muss immer mindestens 100 km fahren, um einen Stammtisch zu besuchen. Aber bis jetzt bedauere ich keinen gefahrenen km - außen einmal. Aber das war kein TT-Stammtisch.

Die von Michi_2 erfragte "Intoleranz" habe ich ebenfalls nirgendwo(!) erfahren können, weder im Lokal, noch bei seinen Gästen, noch einzeln auf den Gehwegen/Uferpromenaden/in Kaufhäusern/Cafe´s etc. in Städten. Ich bin inzwischen aber auch so weit, dass sie mir egal wäre, solange ich nicht körperlich attakiert werde.

Was ich aber betonen muss: Ich fahre nicht in kleine Orte (und für unsereins anrüchige Stadtteile). Wenn ich nämlich mein eigenes Dorf zu Grunde lege, würde mich in solchen wohl mehr oder weniger schmerzliche Intoleranz erwarten, - bis hin zur "Kloppe". Das ist diesen Typen, so meine ich, aber meist nicht als "menschlich minderwertig" anzulasten, sondern eher begründet in ihrem absolut mangelhaften Informationsstand verbunden mit verklemmter Erziehung, - oder ihrer genetisch bedingten Dummheit und der damit verbundenen Immunität gegen "Erkenntniserweiterung".

Eine Freundin zur Einstiegshilfe und ggf. gemeinsamer Anreise wäre bestimmt sehr hilfreich. Eine Sache der Absprache, - aber nicht nur: Es ist immer ein gewisses Risiko damit verbunden, sich mit völlig Fremden zu verabreden ohne "Fluchtmöglichkeiten". Kann fürchterlich in die H... gehen. Hier könnte - wenn auch nur begrentzt - eine aussagekräftige/wahrhaftige Galerie(!) und einige PNs/Telefonate  vorher hilfreich sein.

Fazit + meine Erfahrung: Wenn frau beweglich ist (also auch maschinell + finanziell 100-km-mäßig ausgestattet)  und genügen mutig ist für Allein-Excursionen in fremde Gefilde, dann ist alles an Treff-Möglichkeiten genügend vorhanden. Aber...

 

 

 

Jana72 EX
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dabei seit: 03.08.2009

Michi_2 schrieb:
Immer wieder lese ich in Foren, dass außerhalb von Berlin viel zu wenige Transgender-Gruppen seien,  ...... In Mittelfranken haben wir keine Probleme Räume zu bekommen. Unsere Gruppe zum Beispiel hat gratis jeden Freitag einen Raum in einem städtischen Freizeitheim zur Verfügung. Wir trafen uns monatlich, und oft saßen wir zu dritt mit einem Referenten da.  Ein Ansturm an Neuen blieb aus. Jetzt treffen wir uns noch alle zwei Monate zum Kochen und Ratschen.

so ganz ist mir nicht klar, liebe Michi, worauf Du hinauswillst. Bei mir in der SüdLausitz gibt es imGegensatz zu Berlin eindeutig zu wenig TransStammtischgruppen  (gerundet Null). Das liegt aber nicht an fehlenden Räumen oder so was....es ist nur einfach so, dass (im Gegensatz) zu Berlin die erforderliche durschnittliche Schnittmenge an potentiellen Transstammtischbesuchern (also Menschen mit Transhintergrund MIT Lust sich damit auseinander zu setzen MIT Lust und Mut in die Öffentlichkeit zu gehen Mit Bock sich regelmäßig zu treffen und...und ...und) einfach viel zu gering ist. Und so ist die Transe inner Provinz immer potentiell etwas mit Einsamkeit beschlagen. Das betrifft mich zwar selbst nicht, aber um mir einen Bekanntenkreis zu organisieren musste ich einen enormen Aufwand betreiben.