Fazit: Uni Bonn, Diskussion: Transsexuellengesetz - Reform oder abschaffen?

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Shima
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@Tina
die eingetragene Lebenspartnerschaft wird nur im Volksmund Homoehe genannt. Den Standesämtern in Deutschland ist es aber natürlich klar, dass es auch zwischen transsexuellen Frauen und ihren Partner des Öfteren zu einer solchen Eheschließung kommt. Eine andere Möglichkeit gibt es ja derzeit nicht, für seinen Partner auch vor dem Gesetz und dem Staat Verantwortung zu übernehmen.  Falls es dann später doch mal zu einer Personenstandsänderung kommt, kann man die eingetragene Partnerschaft unkompliziert auflösen lassen und übergangslos mit dem Partner eine normale Ehe eingehen. So war das bei mir. Es wäre vielleicht noch einfacher, wenn man eine bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft nach der PÄ automatisch in eine Ehe umwandeln lassen könnte. Sowas müsste eigentlich ins TSG rein. Die ganze TSG Problematik ist sowas von elend komplex. Sick

Jedenfalls bin ich beruhigt, dass Du Dich nicht wegen der Personenstandsänderung operieren lassen hast. Ich glaube, all die, die sich aus  rein sozialen Gründen operieren lassen, machen einen argen Fehler.

Dann hat Dein Blasenproblem ja direkt auch nichts mit dem Erlangen der Personenstandsänderung oder dem, wie Du es nennst, menschenverletzenden TSG zu tun, ...hast Dich ja nicht deswegen operieren lassen, sondern, weil Du ohne OP nicht leben konntest. Hoffentlich kann Dir mit Deiner schlimmen Blase doch noch irgendwann geholfen werden. 

@Beate
ich habe schon öfters mit Nicht-Betroffenen über eine mögliche Personenstandsänderung für Non-OPs diskutiert. Die meisten Menschen begegnen einer solchen Forderung wohl eher mit Unverständnis. Ich glaube, dafür kann man nur von Betroffenen, Angehörigen und ausgesprochen toleranten Menschen Verständnis erwarten. In den Köpfen der meisten Menschen scheint es keine Frauen mit "Extra" zu geben. Zumindest aber Prä-OPs, die aus schwerwiegenden, gesundheitlichen Problemen keine GaOP machen lassen können, sollte man eine PÄ ermöglichen.

 

 

 

 

tina666 EX
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dabei seit: 19.11.2009

Hi

Wie gesagt ich denke das ich mit meiner Blase zeit brauche, habe ja im Januar eine Kleine nach op.

Und Shima ich habe auch die Op gemacht, das ich Normal Heiraten kann.
Und ja habe da durch meine Personenstandsänderung.

Ich würde kaputt gehen, wenn ich die Lebenspartnerschaft eigegangen wäre.

Ich würde mich damit nicht wohl fühlen, ich hätte damit das gefühl ich wäre schwul und keine Frau.

Sorry ist halt meine Meinung dazu.

Also nicht nur aus den grund da ich mit meinen alten geschlecht nicht leben wolte, es hatte viele gründe.

Verstehe mich nicht falsch.

Lg

Tina

 

AnneTG
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dabei seit: 18.01.2005

Hallo Beate,

danke für deinen Bericht und dein Engagement bei diesem Thema.

Wie einige andere Mitschreiberinnen bin auch ich der Auffassung, dass die nach dem jetzigem TSG geforderte dauerhafte Fortpflanzungsunfähigkeit und operative Anpassung der äußeren Geschlechtsmerkmale als Voraussetzung für eine Personenstandsänderung gegen die Menschenrechte verstoßen. Dies sind gravierende körperliche Eingriffe, die keinem Menschen gegen seinen Willen aufgezwungen werden dürfen. Außer transidentischen Menschen wird sonst niemand zu derartigen Eingriffen gezwungen.

Wir wissen inzwischen, dass das Geschlecht nicht zwischen den Beinen, sondern im Kopf bestimmt wird. Dies bedeutet aber, dass ein Mensch mit männlichem Körper, der sich als Frau fühlt, auch einen rechtlichen Anspruch auf Anerkennung als Frau (und damit auch eine Personenstandsänderung) haben sollte, unabhängig davon, ob er seine körperlichen Geschlechtsmerkmale anpassen will oder nicht. Wer derartige Eingriffe wünscht, um sich selbst als Frau besser zu fühlen, soll dies tun dürfen. Wer dies aber nicht benötigt oder ablehnt, aus welchem Grund auch immer, soll nicht dazu gezwungen werden.

Diese Auffassung vertreten auch immer mehr Menschenrechtsexperten, so zum Beispiel der Menschenrechtskommissar des Europarats, Thomas Hammarberg (https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1476365&Site=CommDH&BackColorInternet=FEC65B&BackColorIntranet=FEC65B&BackColorLogged=FFC679) oder eine 29-köpfige Gruppe von internationalen Experten, die der UN im Jahr 2006 mit den sog. Yogyakara-Prinzipien Empfehlungen über die Durchsetzung der Menschenrechte in Bezug auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität übermittelt haben (http://www.yogyakartaprinciples.org/principles_en.htm).

@Shima: Ich teile deine Skepsis über die gesellschaftliche Anerkennung transidentischer Menschen ohne gaOp in ihrem Wunschgeschlecht. Aber das ändert nichts an der grundlegenden menchenrechtlichen Bewertung und weist nur darauf hin, wieviel Überzeugungsarbeit noch notwendig ist.

Anne

 

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Liebe Anne,

eben, genau so sehe ich das (sehen wir im G-Institut das) auch.

Allerdings sollten wir uns dessen schon bewusst sein, dass sich dies i.d.R. nur rational erschließt, zumindest gilt das für mich. So ganz aus dem Bauch heraus kann ich all die Leute verstehen, die Bedenken hinsichtlich einer Personenstandsänderung ohne Angleichung haben. Aber vielleicht liegt das ja auch mit daran, dass ich mich selbst in meiner Transition auf den Verzicht auf die PÄ habe konditionieren müssen.

Dennoch halte ich es für wichtig, dass hier durch eine entprechende Rechtssetzung auch eine allmähliche Veränderung im Bewusstsein der breiten Bevölkerung angestoßen wird. Vielleicht analog zu dem langsamen Prozess, den die über lange Zeit ja nur formale Gleichsstellung der Geschlechter im Grundgesetz angestoßen hat.

 

Viele liebe Grüße

Beate 

Tassi EX
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dabei seit: 02.05.2007

Guten Morgen,

 

glaubt ihr denn wirklich, dass dieses Diskussion hier zu einer ernsten Veränderung des TSG's führen wird?

Es kommt immer auf die Frage an, von welcher Seite die ganze Thematik betrachtet wird.  Von der der Betroffenen sieht es natürlich ein ganzes Stück anders aus, als von anderen Perspektiven.

Grundsätzlich ist es sicherlich so, wie es bereits gesagt wurde - das gefühlte Geschlecht kommt vom Kopf, doch dieses kann u.U. nichts mit der Wahrnehmung von unserer Umgebung gemeinsam haben.

Sicher ist die duale Unterscheidung der Geschlechter überaltet, doch wird genau nach diesem Dualismus zwischen Mann und Frau unterschieden.

Das derzeitige  TSG ist sicherlich nicht optimal, doch halte ich die voran gemachten Vorschläge ebenso für suboptimal.

 

Wenn dann sollte man doch den ganzen Geschlechterkram abschaffen und jeder darf so leben wie er will, ohne irgendwelche Entragungen in irgendwelche Dokumente und ebenso ohne den Schutz von irgendwelchen Gesetzten, wie dem Offenbarungsverbot usw. .... alles Menschen sind gleich, egal ob Frau, Mann, Trans - wie wäre das?

 

.... Tassja

 

tina666 EX
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dabei seit: 19.11.2009

Tassi

Alle Menschen wären gleich ohne Geschlechterkram coole sache :mgreen: , aber in ernst neee ich glaube das dieser Forum beitrag keine veränderung des TSG erzielen wird.

Aber es ist sicherlich interessant zu wissen wie wir alle über dieses TSG  denken.

Das jetzige TSG fordert dauerhafte Fortpflanzungsunfähigkeit und operative Anpassung der äußeren Geschlechtsmerkmale als Voraussetzung für eine Personenstandsänderung!!! es verstopßt auch nach meiner auffasung gegen die Menschenrechte.

Obwohl ich meine GA OP hinter mir habe, ist es meine Meinung dazu.

Ich sage euch mal was!!! ich sehe Super weiblich aus, besser wie die Junge Richterin die mir die Personenstandsänderung erlaubt hat.

Und diese fragt mich bei der verhandlung der Personenstandsänderung für mich sehr unverschämt (3 wochen nach meiner GA op) ob ich es bereut habe die op machen zu lassen.

Ich habe sie gefragt was soll das?

Ich habe ihr gesagt dazu gebe ich keine antwort, sie schaute mich komisch an und meinte ja ich gebe ihren antrag statt.

So nicht!!!!!!!

Das TSG muß abgeschaft werden.

Und Personenstandsänderung Namensänderung muß vereinfacht per Antrag beim Bürgeramt erfolgen.

Gerichte sollen sie um andere sachen kümmern, es ist lächerlich das diese die Aufgabe Transsexuelle haben unsere anträge zu bearbeiten.

Ich kann es persönlich nicht verstehen das einige Transsexuelle Menschen das alte TSG gut finden, ich kann doch nicht egoistisch sein.

Nur da ich alles hinter mir bekommen habe z.b GA OP , und ich blut gespuckt habe.

Möchte ich nicht das andere das gleiche durchmachen müßen, wenn sie auch ohne Op damit leben können und möchten.

Sie sollen auch das bekommen (Namensänderung, Personenstandsänderung, Normale Heirat,)

tina

 

 

Tassi EX
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Ehemaliges Mitgllied
dabei seit: 02.05.2007

Liebe Tina,

deswegen wurde ja bereits in einem anderen Beitrag darauf hingwiesen, dass eine GAOP, nur um die PÄ zu erlangen, eher der falsche Weg ist. Wink

Auf der anderen Seite stellt sich nach wie vor allgemein die Frage, wonach man denn nun eigentlich unterscheidet, ob es Männlein oder Weiblein ist und hier liegt der Großteil der Antworten von Nichtbetroffenen eindeutig in der Richtung, dass Frauen eine Vagina & Brüste und Männer einen Penis haben. Auch wenn das Betroffene nun etwas anders sehen, geht es ja in einer Demokratie um Mehrheiten - demzufolge werden genau diese voran genannten Menschen immer in der Mehrheit sein, solange sich nichts in den Köpfen dieser Menschen ändert. Naja - viele von ihnen haben ja schon mal die Akzeptanz geschafft, dass Liebe und Sex zwischen Menschen nicht immer etwas mit Heterosexualität zu tun haben muß.

Ich meinte mit der Abschaffung des Geschlechterkrams auch den Punkt, dann es dann nicht mehr von Nöten sein wird, irgend eine Änderung auf bürokratischer Ebene von Mann zur Frau bewerkstelligen zu müssen und ich glaube, dass dann hier einige Betroffenen nicht mehr so ganz konform sein werden.

 

... Tassja

Johanna
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Tassi schrieb:
Auf der anderen Seite stellt sich nach wie vor allgemein die Frage, wonach man denn nun eigentlich unterscheidet, ob es Männlein oder Weiblein ist und hier liegt der Großteil der Antworten von Nichtbetroffenen eindeutig in der Richtung, dass Frauen eine Vagina & Brüste und Männer einen Penis haben. Auch wenn das Betroffene nun etwas anders sehen, geht es ja in einer Demokratie um Mehrheiten

Nicht unbedingt. Auch der Einzelne hat Rechte, die ihm von der Mehrheit nicht genommen werden können.

Nicht zu Unrecht heißt es es im ersten Paragraphen "Die Würde den Menschen ist unantastbar." Und diese Würde kann einem auch nicht durch die Mehrheit der anderen entzogen werden. (Wie weit dieser Paragraph auf die PÄ anwendbar ist, das ist eine andere Frage.)

Ein Beispiel, wo die Rechte des Einzelnen über die Mehrheit gingen, war die Streichung der Ehelosigkeit als Voraussetzung für die PÄ. Das BVG hat eindeutig begründet, dass in diesem speziellen Fall die Rechte des Einzelnen am Erhalt seiner Ehe wichtiger sind als der Wunsch der Mehrheit, die Ehe nur heterosexuellen Paaren zugänglich zu machen.

AnneTG
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dabei seit: 18.01.2005

Noch ein Gedanke: Mich würde mal interessieren, wieviele TS eine OP nur deshalb vornehmen lassen, weil dies eine zwingende Voraussetzung für eine PÄ ist. Oder anders herum: Gibt es TS, die auf eine OP verzichtet hätten oder verzichten würden, wenn diese keine Voraussetzung für eine PÄ wäre?

Es gibt TS, denen es primär auf einen Wechsel in ihrer sozialen Rolle ankommt und nicht auf eine körperliche Anpassung. Diesen wird großes Unrecht zugefügt, wenn sie sich dazu letztlich unfreiwillig, weil nur zum Zwecke der angestrebten Anerkennung in einer weiblichen sozialen Rolle, einem schweren operativen Eingriff unterziehen müssen. Auch an die überflüssigen Kosten für die Krankenkassen sollte man dabei denken.

 

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Liebe Anne,

die Anzahl der Transsexuellen, die die OP wegen der PÄ gemacht haben, halte ich für sehr gering. Allerdings sehe ich eine erhhebliche Erwartenshaltung der Gesellschaft vor allem an die Transfauen zu einer genitalen Angleichung (oder einer Entmannung?), und ich glaube schon, das dieser Erwartungsdruck Menschen zu einer OP bringen könnte, die ohne diesen Druck vielleicht nicht immer zwingend notwendig, manchmal vielleicht sogar ein Fehler ist.

Viele liebe Grüße

Beate