Es werden immer mehr

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Karin
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dabei seit: 03.04.2007

Ich komme aus einer Kleinstadt, in der ich auch aufgewachsen bin. Hier kennen sich die Menschen untereinander.

Und auch ich bin ziemlich bekannt hier. Ich habe mih die letzten Jahre auch nicht versteckt, sondern einfach normal gelebt.

Nun kam es in der letzten Zeit, ab und zu vor, dass ich von anderen angesprochen oder besucht wurde, die ich mir gegenüber goutet haben.

Alle hier aus der Gegend.

Meiner Meinung nach war aber keine TS dabei. Alles Querbeet, vom DWT, über Fetischist, Hobby TV, bis hin zu einer, die meint, ts zu sein. aber eben keine, die in ihrem Wesen wie eine Frau wirkte.

z. B. Vor dem Einkaufscenter spricht mich ein älterer Herr an, er würde gerne einmal mit mr reden, ob ich mir denken könne über was?

Ich sagte ja. Er zeigte mir ein Foto einer gutaussehenden Frau auf seinem Handy, und erklärte, dass er das sei. Er lebt es seit vielen Jahren aus, aber alleine.

Er geht als Frau jeden Abend spazieren. Und respekt, sieht wirklich gut aus. Und das genügt ihr/ihm auch. Er war inzwischen bei mir zu Besuch, und wir haben die Abende gequatscht über vieles, nicht nur Transthemen.

Eine andere kam abends zu mir. Es klingelte an der Tür, und es kam jemand die Treppe rauf. Hohe Stiefel, Kosett unter der Jacke, geschminkt, Schnauzbart!

Ob sie nit mir reden könne. Selbstverständlich bat ich sie herein. Ihr Alter etwa 35. Sie erklärte mir, sie hätte das Outing vor. Meiner Meinung nach ist sie keineTS. Ich habe ihr ordentlich den Kopf gewaschen, was outing bedeutet. Sie hat Frau und Kinder!

Und die  beiden waren nicht die einzigen in letzter Zeit.

Nun, ich möchte denen ja gerne helfen, und sie unterstützen. Aber diese Woche passierte es, dass 2 gleichzeitig mich besuchen wollten, die beiden beschriebenen. Da eine nicht möchte, das es zu viele erfahren, mußte ich die andere vertrösten. Einen Tag vorher hatte ich in meiner Stammkneipe einen getroffen, hobby TV, der aber kein Geheimnis daraus macht, er wohnt auch inzwischen nicht mehr hier, taucht aber regelmäßig in unserer gemeinsamen Heimatstadt hier auf.

Kurz gesagt, es sind soviele, und ich hatte früher geglaubt, ich wäre die einzige. Wenn das so weitergeht, hab ich kaum noch die Zeit mich um jede zu kümmern. Ich kann die ja verstehen. Mit einem Stammtisch oder SHG wäre gut. Aber durch unsere Gegend, in der ich alle kennen, haben natürlich die meisten Angst vor dem Outing.

Was kann ich tun, immer bei mir treffen? Wie kann ich die eventuell überzeugen, dass wir alle in einem Boot sitzen, und sicher die eine den anderen nicht outen wird, damit sie mal zusammen kommen und sich auch gegenseitig helfen?

 

Minolfa
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dabei seit: 06.12.2007

Wenn sie sich zumindest untereinander trauen, könnten sie eine Selbsthilfegruppe gründen oder einen Transgender-Stammtisch. Falls Du die Zeit und Nerven hast, könntest Du das natürlich anschieben, aber selbst die zwei Jahre als Stellvertreterin fand ich persönlich ziemlich nervig. Als Räumlichkeiten bieten sich solche an, wo auch Selbsthilfegruppen zu anderen Themen ihre Treffen haben, das macht es für Ungeoutete einfacher. Wer sich traut, kann ja danach das Treffen in einem Gasthaus ausklingen lassen...

Abgesehen von der viel zu geringen Teilnehmerzahl denke ich, dass das Modell tragfähig ist, wie Du es in Erlangen erlebt hast.

Kontakt zu Sandra (Trans-Ident Nordbayern) aufzunehmen könnte auch eine Idee sein, unter dem Dach gibt es bereits mehrere Gruppen.

Sarah-HL
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dabei seit: 01.06.2012

Du hast echt ein 'Luxusproblem' Wink

Spaß beiseite, ich denke, dein letzter Satz ist die Antwort. Mache ihnen klar, daß sie in demselben Boot sitzen, vielleicht auch mit dieser Metapher. Mache sie neugierig aufeinander. "Ich kenn da eine die supernett ist nd Kontakt sucht", so in die Richtung. Oder biete einen Abend der offenen Tür an. Das ganze mit der Überschrift 'Vernetzung'. Ob- und was sich daraus ergibt, ist dann eine andere Sache, aber von dir als Zentrale können Impulse kommen.

Sieht wohl so aus, als ob du in deinem Ort die "Mutter aller Transen" bist. Spannende sache.

Ganz viel Glückmutfreudekrafundsoweiter dafür.

Smile Sarah

En fiddl fund Wurbln un ein Harbsch mit Schronk un Borsch...

Granada
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dabei seit: 10.10.2012

Erlangen? Ich war's nicht, aber sagt mal einer gebürtigen Erlangerin und Freundin ihrer alten Heimatstadt, was da so los ist, außer, daß die Baustelle mit der abgerissenen alten Grande Galerie ja wohl nicht mehr bis zum Weihnachtsgeschäft 2012 fertig wird, wie es uns jahrelang versprochen wurde. Wink

LG

Julia

Eyleen
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dabei seit: 09.08.2008

@Karin

Ja meine Liebe - da solltest Du mal eine eigene SHG oder besser einen Stammtisch gründen....

Viel Erfolg dabei....

PS: Ehrenamtliche Arbeit ist nicht immer von Dank gekürt - aber es macht Spaß....

 

*Unser Glück und Seelenfrieden beruhen darauf, dass wir tun was wir für richtig halten und nicht das, was andere sagen oder tun.*

**Mahatma Gandhi**

Brigitte
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dabei seit: 22.07.2008

Ich könnte mir nicht vorstellen, Trans-Seelsorgerin zu sein. Und du, Karin, hast so viel Stress in den letzten Jahren gehabt. Setz deine Energie für dich ein.

 

Brigitte

Karin
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dabei seit: 03.04.2007

Brigitte schrieb:

Ich könnte mir nicht vorstellen, Trans-Seelsorgerin zu sein. Und du, Karin, hast so viel Stress in den letzten Jahren gehabt. Setz deine Energie für dich ein.

 

Brigitte

Tja, aber ich weiß und sehe eben, wie es denen geht. Eine hat mich jetzt gefragt, ob ich ein Perücke für sie hätte.

Da fehlts oft an vielen, nicht nur materielles, sondern vor allem haben einige noch nie Vertändnis für ihr Andersein gefunden. Für manche war ich die erste, der sie sich offenbarten, und einmal darüber reden konnten. Ich erinnere mich gerade daran, sie hat gezittert, wie Espenlaub, als sie bei mir saß. Ich weiß, wie es mir vor vielen Jahren ging. Und ich war auf mich alleine gestellt.

Ich werde versuchen, ein offenes Ohr zu haben, und mich doch nicht zusehr vereinnahmen zu lassen.

Wie überall, einen vernünftigen Mittelweg finden.

Und Energie habe ich wieder. Ich trainiere wieder sehr hart, ca 3 Stunden täglich. Und ich bin froh, wenn alles geschafft ist( in 10 Tagen noch ne kleine OP), und ich wieder arbeiten kann.

Abigail
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dabei seit: 04.10.2012

Liebe Karin,

ich finde deine Aufopferung total super! Wenn ich doch auch vor Jahren schon jemanden gekannt hätte, mit dem ich über alles reden kann. Dann wäre es auch mir nicht so lange Zeit so schlecht ergangen. Jetzt ist ja alles gut. Ich bin jetzt endlich hier im Forum bei netten Leuten zum Austauschen und auch privat habe ich große Fortschritte gemacht. Nur das darüber reden hat mich stark ermutigt mit einem guten Selbstbewusstsein meinen Weg zu beschreiten.

Ich glaube du bist ein sehr, sehr guter Mensch, Karin. Leider gibt es viel zu wenige von deiner Sorte. Ich selber versuche auch anderen so viel und gut es geht zu helfen. Leider wird man oft enttäuscht oder steht alleine dar, wenn man selber Hilfe braucht. Allerdings können die, die es wert schätzen auch zu wirklich guten Freunden werden.

Jetzt könnte ich auch noch das gleiche schreiben wie die anderen, aber das brauche ich nicht. Du machst das!

 

Ich wünsche dir alles Gute für deine OP!

Werd schnell wieder fit.

 

Ganz liebe Grüße,

Abby

 

 

claudiaw
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dabei seit: 18.12.2004

Moin Karin,

stimmt, es werden immer mehr ... ich wurde auch schon als Transe in meiner 2. Heimatstadt Clausthal-Zellerfeld darauf angesprochen von Leuten, von denen frau es eigentlich nicht erwartet ... aber so ist's eben ...

ich wünsche Dir Gesundheit und alles Gute für's neue Jahr (und Geduld mit den Menschen)

viele liebe Grüße an die Röslau

Claudia

Seejungfrau
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dabei seit: 08.04.2008

Nun werde ich auch mal etwas dazu schreiben.

Bin früher auch ein Mensch gewesen der so gut wie nie - nein - sagen konnte, wenn jemand zu mir kam um sich mir anzuvertrauen.

Auf der einen Seite ehrt es einen, das ein Fremder Vertrauen zu einem hat. Auf der anderen Seite bekommt man so viel zu hören, das es irgendwann einen erschlagen kann. Oft fühlt man sich auch nur als seelischen Mülleimer, da sie - wenn sie durch die erste oder auch 2. Krise sind, einen nicht mehr brauchen und kennen.

Nun helfe und bin nur noch für meine guten Bekannten und Freunde da.

Gerade in der heutigen Zeit ist es einfach geworden, sich zu informieren oder Hilfe zu bekommen. Fast jeder hat einen Zugang zum Internet. Wenn mich jetzt jemand fragt, verweise ich auf Foren - wie hier - oder auf Infoseiten. Es gibt in fast jeder Gegend einen Stammtisch oder Kontaktpersonen.

Ich kann verstehen, wenn ein vor Angst zittender Mensch vor einem steht und um Hilfe bittet, das es schwer ist ihm zu sagen, ich helfe nicht. Was ich machen würde an Karins Stelle - einen Flaier mit verschiedenen Anlaufstellen und Info Seiten im Net zusammen zustellen und es den Leuten zu geben.

LG Jutta

petra4
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dabei seit: 24.07.2012

Sehe ich ähnlich wie Seejungfrau. Ich würde denen allenfalls eine Linkliste in die Hand drücken mit entsprechenden Forenadressen, von denen ich selbst überzeugt bin. Viele Fragen kann man dort klären - und auch sich darüber regional verabreden, wenn es denn soweit ist.

Nichts gegen persönliche Kontakte, aber erst, wenn jemand sich schon ungefährt einschätzen kann, ob er wirklich CD, TV, TS oder Mann im Rock... ist.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier eine Linkliste einstellen darf - wahrscheinlich würde das gegen die Forenregeln verstoßen. Deshalb die Anregung, das einmal zu prüfen. Klar: Das eigene Forum ist das Beste Wink - aber vielleicht darf man ja auch auf andere halbwegs brauchbare verweisen...?

LG

Petra