Das gefährliche Loch nach der Euphorie

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denise
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hallo

seit langem das interessanteste thema für mich hier im forum.

eigentlich, als ich es heute morgen las, wollte ich auch etwas dazu schreiben. aber, zu spät....

susanne und kimber haben mir schon alles vorweg genommen. mehr hätte ich auch nicht zu sagen. ich hab den weg auch hinter mir, habe lange zeit an der grenze verbracht, mal zu dieser, mal zu jener seite schwankend. aber mittlerweile ist alles klar. ich bin auf der zielgeraden. das heisst aber noch lange nicht, daß nun ein dauer hoch eingesetzt hat. eher, wie oben beschrieben eine normalität, die aber immer noch die seelischen schlaglöcher aufweist, die jede von uns kennt. manchmal denke ich auch ein wenig wehmütig an die zeit, als jeder tag en femme dieses hoch- und glücksgefühl erzeugte und ich vermisse es auch sehr oft. 

nach 1,5 jahren leben und arbeiten als frau im sogenannten alltagstest stimme ich kimber zu, wenn sie sagt:

"... das alltägliche soziale Leben von Männern und Frauen unterscheidet sich im Wesentlichen nicht grossartig voneinander."

recht hat sie! das, was sich geändert hat ist die zufriedenheit, die ich seitdem mit mir trage. es hat nicht plopp gemacht und alles war anders. wer das meint, der ist auf dem falschen weg...

kim-denise

HannaW
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dabei seit: 20.06.2009

Petra-Susanne schrieb:
Ich mag es überhaupt nicht, als Macker, Platzhirsch, Alphatier oder was auch immer in sozialen Interaktionen aufzutreten. Das heißt nun überhaupt nicht, dass ich nicht zu meiner Meinung stehen könnte oder würde, aber der typisch männliche soziale Habitus fehlt mir, bzw. ich mag es nicht, mich entsprechend aufzuspielen. Insofern sehe ich mich in der Rolle einer "ernsthaften Frau" irgendwie deutlich stimmiger, von der ja solche Verhaltensweisen eher nicht verlangt/erwartet werden. Dabei sind mir dann stereotype Fraulichkeiten andererseits auch zuwider: Ich mag überhaupt nicht, wenn meine Fingernägel zu lang werden, weil es mich ziemlich beim Arbeiten (ziemlich viel Tipselei) arg stört. Von Rüschenröcken halte ich überhaupt nichts, genau so wenig wie von besonders sexy gestalteter Anmachkleidung - selbst wenn ich sie körperbaumäßig tragen könnte.  Wink

Ich denke, dass ist normal. Wir werden NIE richtige Frauen werden, sondern sind immer beides, Frau und Mann. Der männliche Körper und die weibliche Seele gehören bei uns nunmal zusammen und sind nicht trennbar. Wer denkt, einmal eine richtige, vollständige Frau werden zu können, der irrt sich in meinen Augen.

Unser Weg kann nur darin bestehen, beide Anteile, weibliche und männliche, in unser Leben zu integrieren. Unser eigenes Gleichgewicht der Geschlechter zu finden und darin unseren - hoffentlich zumindest - Frieden zu finden.

Ich für meinen Teil lebe zur Zeit als Teilzeitfrau. D.h. dass ich privat bei allen Freunden, Bekannten und Verwandten geoutet bin und wenn wir uns treffen frei entscheiden kann, wie ich zu dem Treffen erscheinen möchte. Mich kennen alle als beides, Frau und Mann. Ich denke schon, dass diese Lösung für mich lebbar wäre, allerdings erfüllt mich diese Lösung nicht mit Frieden.

Die letzten Jahre habe ich versucht, meine weiblichen Anteile in mein männliches Leben zu integrieren. Es waren nicht die körperlichen Übergriffe und auch nicht das Mobbing oder die verbalen Attacken Anderer, die mir zeigten, dass dies nicht für mich lebbar ist. Sondern ich merkte, dass mein Leben, also die Art wie ich beide Anteile auszuleben versuchte, nicht mit meiner Seele übereinstimmt.

Aber aufgrund meiner Vergangenheit fürchte ich die Attacken Anderer um so mehr, als ich sie aus rein rationellen Überlegungen ohnehin befürchten/erwarten würde. Daher weiss ich nicht, ob ein Leben als Vollzeitfrau für mich lebbar wäre. Es kostet ganz einfach Kraft, von der ich nicht mehr weiss, ob ich die noch habe. Als Teilzeitfrau habe ich die Freiheit, auch als Mann rausgehen zu können. Was dem geschieht ist mir relativ egal, da ich tief in mir drinnen weiss, dass es eh nur eine Hülle ist, die mir nicht viel bedeutet. Die Hülle bietet mir also einen gewissen Schutz. Aber auf der anderen Seite ist sie für mich schon immer ein Gefängnis gewesen, dass ich gehasst und abgelehnt habe. Ein Gefängnis, in dem ich auf Dauer nicht mehr Leben kann.

Ich lebe also zur Zeit einen Drahtseilakt, um meinem Gefängnis zu entfliehen und zu testen, wo die Grenzen meiner Kräfte liegen. Über das Ziel meines Weges muss ich mir keine Gedanken machen, das steht fest. Nur wie und ob ich da hin gelange, darüber mache ich mir Gedanken.

n/v
Fanny
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dabei seit: 26.08.2005

Roxi Schatzl, schon wieder so melancholisch? Puzzled

Bei deinem Treat -Kinder wie die Zeit vergeht- ist mir das schon aufgefallen. Wink

Ich könnte es auch so ausdrücken: Die gute alte Zeit war eben - eine gute Zeit.

Ich hatte mal auf der Page von Jula ein Diagramm gesehen, wo u. a. eine "Aktivitätskurve" eines Trannies so dargestellt war, dass nach dem transidenten Start-Up rumgetranst wurde bis der Arzt kam und anschließend die TG-Aktivität nachließ bis ein bestimmter Level erreicht war. Alle erfahrenen TG's, unabhängig von weiteren TS-Wegen, haben wohl diese Kurve an Events mitgemacht und danach einen Sättigungs-Level erreicht, der kompromissgerecht das Leben eines Trannies austariert.

Oder anders ausgedrückt, es gibt noch die Faktoren, Arbeit, Finanzen und ggf. Familie.

In eine Grube darf niemand fallen. Ich sehe es so wie die Wellen eines Meeres:

Hoch gesurft, durch das Tal mit Freude gleiten und mit Anlauf wieder zum nächsten heißen Wellenritt. Smile

 

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Fanny schrieb:
Roxi Schatzl, schon wieder so melancholisch? Puzzled

Dir ist aber schon aufgefallen, daß ich auf Seite 5 einen Thread von 11/2007 wieder reaktiviert habe, weil inhaltliche Ergänzungen kamen? Wink

Natürlichkeit ist langweilig    

Fanny
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dabei seit: 26.08.2005

Och sone Tranny-Omi wie ich guckt da nicht so hin, dachte schon, du brauchst Beistand. Laughing out loud

Obwohl, das Thema passt ja ein bischen in diese Zeit.

Wink

rafaela62
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dabei seit: 20.01.2008

Hallo ihr lieben - also die lange Beiträge hier zu lesen war schon etwas anstrengend. Das mit dem in das Loch fallen als Trannie, habe ich - denke ich mal - irgendwie schon hinter mir gelassen. Durch mein totales Outing, spüre ich das warscheinlich auch nicht mehr.          

Wie sagte Fanny neulich mal wieder zu mir: "... Du bist eine der wenigen die aus dem nichts aus alles gegangen ist..." Also nur den Schups brauchte um sich letzendlich auch selbst zu finden. Und was ich auch sehr positiv von ihr fand, sie sieht mich, genau wie ich auch, ganz stark auf dem Weg zur TS.

Sicherlich kommt das auch aus meiner Unbekümmertheit, Offenheit und meinem Selbstvertrauen zu mir und meinem Umfeld. Das hat sicherlich auch vieles leichter gemacht.

Also zusammenfasend: Das berümte "Transenloch" gibt es eigentlich bei mir schon nicht mehr!

Also lebt in eurer Überzeugung zu euch selbst - und das Loch wird immer kleiner. Ob es einmal ganz verschwinden wird, werdet ihr mit der Zeit auch selbst erleben können.

Rafaela

Leitende Betreuerin der SHG Trans Jena   

http://jena.transhilfe-thueringen.de

Optimismus und Selbstvertrauen sind das Wichtigste

Heike_007
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dabei seit: 10.04.2006

Fanny schrieb:
Oder anders ausgedrückt, es gibt noch die Faktoren, Arbeit, Finanzen und ggf. Familie.
In eine Grube darf niemand fallen. Ich sehe es so wie die Wellen eines Meeres:
Hoch gesurft, durch das Tal mit Freude gleiten und mit Anlauf wieder zum nächsten heißen Wellenritt. Smile

Die Faktoren Arbeit und Finanzen haben leider Sad erheblichen Einfluss auf die T*-Aktivitäten. Denn das Herumtransen ist ein ziemlich kostenintensives "Hobby" Wink.

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).

rafaela62
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dabei seit: 20.01.2008

@ Heike_007:

Herumtransen als kostenitensieves Hobby - na da kommen doch bestimmt noch Reaktionen von anderen hier ! ! !

Transen als Hobby - eigentlich sollte das nicht nur ein Hobby sein. Eigentlich ist doch Transen eine Überzeugung und Einstellung.

Kostenintensiev, sicherlich dann, wenn auf diverse Veranstaltungen und Partys gefahren wird. Dann ist natürlich deine Bemerkung richtig!

Tantchen Rafalea

Leitende Betreuerin der SHG Trans Jena   

http://jena.transhilfe-thueringen.de

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Brigitte
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dabei seit: 22.07.2008

Hallo,

"Lebensstil" trifft es besser. Das frühere Hobby ist ziemlich eingeschlafen, die Transerei weitaus attraktiver.

Heike_007
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dabei seit: 10.04.2006

rafaela62 schrieb:
Herumtransen als kostenitensieves Hobby - na da kommen doch bestimmt noch Reaktionen von anderen hier ! ! !

Hätte das (Un-)Wort wohl besser in " " setzen sollen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Und außerdem: Jede(r) so, wie sie/er mag.

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).