Das gefährliche Loch nach der Euphorie

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BettinaStaal
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dabei seit: 14.04.2005

... ach Liv, Du weißt doch: Ich bin mein eigener Mann.....

Heute mal ganz öffentlich: Mein Lied zum Dienstag für Dich!

n/v
Liv-Marit Norton
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dabei seit: 13.02.2006

Liebe Bettina,

als einziger Trost bleibt das Wissen um die Fähigkeit den erlittenen kleinen Tod wieder zu besiegen......beim nächsten Mal.....

Danke und ganz liebe Grüße

Liv

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Nach der Lektüre von Elli Hunters Biografie "Elli Hunter ist der bunte Mann" hole ich dies Thema mal wieder hoch.

Ziemlich zum Ende des Buches widmet Elli einem Aspekt mehrere Absätze, die genau dieses Phänomen beschreibt. Dort geht es darum, daß man(n) die Phasen des Frauseins mit einer Zeit der unbeschwerten Freiheit, einem sorgenlosen Glücklichsein erlebt und beim Wechsel immer wieder (und immer intensiver!) die "reale" Männerwelt als schwer, sorgenvoll und voller Zwänge erleidet. Elli beschreibt Fälle, wo sich diese extreme Trennung des Erlebens zu einer gefährlichen Identitäts- und Lebenskrise hochschaukeln und entwickeln kann. Der Transvestit kann sich dahin entwickeln, daß er - ähnlich wie bei einer Drogensucht - sich immer mehr nach den glücklichen Momenten sehnt, sich nur noch damit beschäftigt, den nächsten Kick zu erhalten und den Bezug zu den realen Lebensanforderungen verliert. Wir müssen uns auch den Forderungen stellen, die an uns als Mann gestellt werden. Man darf sie nicht verdrängen oder ignorieren. Das kann dazu führen, daß sich Transvestiten fälschlich in eine Pseudo-Transsexualität hineinsteigern, weil sie einer verklärten weiblichen Welt, ohne harten Alltagsstress nacheifern. Das böse Erwachen würde kommen, wenn man erst als Frau erkennen muß, daß Frausein kein sorgenloses Elfendasein bedeutet.

Ich finde diese Warnung wichtig und es ist gut, daß Elli diese Gefahr anspricht. Die Lösung kann nur sein, beide Seiten unserer Persönlichkeit zusammen zu führen, keine "schöne Welt" und keine "böse Welt" aufzubauen, sondern sich im Ganzen der Realität zu stellen.

 

 

Natürlichkeit ist langweilig    

Rapunzel
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dabei seit: 16.04.2006

Puh.....

Wie oft habe ich über solche Aspekte schon nachgedacht, während der langen Zeit, in der ich mich mit diesem Thema beschäftige und versuche zu verstehen.

Danke, dass es von Betroffenen,  so angesprochen wird, wie ich manchmal vermute. Fühl ich mich nicht mehr ganz so dumm. Nein, dumm ist der falsche Ausdruck.

Ist 'ne gute These, nur, wie vermittelt man es Menschen, die mitten drin stecken?

Wahrscheinlich gar nicht, man muss es selber herausfinden?!?

Levve un levve losse!

HannaW
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dabei seit: 20.06.2009

Roxanne schrieb:
Der Transvestit kann sich dahin entwickeln, daß er - ähnlich wie bei einer Drogensucht - sich immer mehr nach den glücklichen Momenten sehnt, sich nur noch damit beschäftigt, den nächsten Kick zu erhalten und den Bezug zu den realen Lebensanforderungen verliert. [...] Das kann dazu führen, daß sich Transvestiten fälschlich in eine Pseudo-Transsexualität hineinsteigern, weil sie einer verklärten weiblichen Welt, ohne harten Alltagsstress nacheifern. Das böse Erwachen würde kommen, wenn man erst als Frau erkennen muß, daß Frausein kein sorgenloses Elfendasein bedeutet. 

Über dieses Thema denke ich auch schon eine lange Zeit nach. Ich habe so oft gehört, dass sich TV's/TG's/TS's als Frau pudelwohl fühlen und wahre Glücksmomente erleben. Bei mir ist das nicht so. Ich würde das Gefühl als "ich fühle mich normal" bezeichnen. Auch falle ich beim Abschminken nicht unbedingt in ein Loch. Aber ich merke im Vergleich von Frauen- und Männerrolle, dass ich mich von der Männerrolle überfordert fühle. Dass ich mich damit nicht identifizieren kann. Dass ich mir darin wie ein Trottel vorkomme... Aber die Jahre als Mann haben Spuren hinterlassen. Spuren, die nicht mehr zu korrigieren sind. Daher bezweifle ich, dass mein Leben als Frau ein sorgloses, schönes Leben sein wird.

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ein Leben als Mann für mich nicht lebbar ist. Aber ich weiss nicht, ob ein Leben als Frau lebbar ist, da ich dass noch nicht wirklich erleben konnte. Das ist für mich das Loch, in das ich immer wieder falle und aus dem ich nur schwer wieder heraus finde. Mein Gefühl sagt mir eindeutig, dass ich weibliche Hormone nehmen möchte und dauerhaft als Frau leben möchte. Dass ich meine weibliche Seele voll und ganz ausleben möchte und nicht nur TZ-F sein möchte. Aber mein Verstand hat Zweifel, ob ich nach all den zehrenden Jahren als Mann noch die Kraft dazu habe.

n/v
Bettina EX
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dabei seit: 15.02.2009

Vom Leben einer "Zimmertranse" über vorsichtige Gehversuche nach draussen, die Teilnahme an Partys usw. hat in mir eine "Weiterentwicklung" zur TS stattgefunden, es geht mittlerweile so weit das ich bis auf der Arbeit ausschließlich als Frau lebe.

Die Momente in denen ich als Mann meinen Job erledigen muss sind wahrlich Momente die ich am liebsten aus meinem Leben verbannen möchte, aber da setzt das realistische Denken ein, einen todsicheren Job als Beamter aufs Spiel zu setzen um den eigenen Gefühlen nachzugehen das sind tägliche tiefe Löcher in die ich jedesmal falle, und daher kann ich diejenigen nur zu gut verstehen die ähnliche Erfahrungen machen und nicht gerne darüber sprechen.

LG Bettina

Ich kann meine Träume nicht entlassen, ich schulde ihnen noch mein Leben !

susanne-ffm
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dabei seit: 14.10.2007

"Man fällt in ein Loch - und die lange Zeit als TVs galten, sich auf Partys herumtrieben und dann irgendwann den Weg zur TS wählten"

Schwermütige Gedanken und Gedanken die an die Existenx gehen - aber nachvollziehbar

Zunächst das Tiefe Loch - wenns denn ein andres "Hobby" währe was dich erfüllt und du nach dem schönen Sonntag wieder zurückmusst in die Tretmühle fällt man auch in ein Loch - das hat nach meiner Meinung nach nichts damit zu tun das es in dem Fall eine "Wochenendfrau"  ist - man freut sich auf was und darf es nur kurz sein und geht dann in den Alltag - völlig normal würde ich mal sagen.

wobei die zweite Bemerkung für mich klingt - "Hilfe bin ich TS ?" (aber da bin ich vorbelastet also nicht zu ernst nehmen) auch hier ist es so, grade wenn es um Transtreffen geht, - du bist in einem geschützten Bereich - man ist unter Gleichgesinnten - was soll da böses passieren ? Der Alltag hat kein Eintritt der bleibt einfach draussen.

Was die Gefahr betrifft süchtig zu werden nach dem Hochgefühl - ist gegeben ja - ob es auch die Gefahr gibt duch das Hochgefühl vor dem drögen Männerleben zu flüchten in die schöne Welt der Frau - sprich zur TS wird - ich weiss es nicht ob sowas geht - unmöglich ist es nicht

Und hier tritt meiner meinung nach der Alltagstest auf den Plan : (ob nun vorgeschrieben oder nicht - ich halte den für sinnvoll) Nimm mal Montagmorgen um mal den schlimmsten Tag zu nennen - du bist eh spät dran und dann haust du dir ne Laufmasche rein - du hast 15 sekunden für die entscheidung pünklich mit Laufmasche oder zu spät ohne - das hat dann nichts mehr mit Hochgefühl zu tun, schön eine Frau zu sein. Es ist Alltag. Relativ schnell wird das wöchendliche Hochgefühl "eingeschleift" es ist ja nichs Besondres mehr - wenn sich dann eine allgemeine Zufriedenheit einstellt, du mit dem Leben plötzlich klarkommst - dann kannste davon ausgehen - jo es ist TS.

Also ich denke zusammenfassend - ich halte es nicht für unmöglich das eine TV sich in eine TS reinsteigert - glaube aber nicht dat dat lange anhält im Alltag

Anderseits sind wesendlich mehr TS als TV unterwegs weil ... und hier gibt es viele Gründe nicht den Schritt zu gehen - die Frau, die Kinder, der Beruf oder wie auch immer man versucht halt mit Minimaldosis auszukommen - und ich vermute mal die meisten die du als TV kennengelernt hast auf den Partys und plötzlich zur TS wurden sind dann auch mit der Zeit spärlicher geworden auf den Veranstaltungen - klar werden sie noch ab und an da sein - grade wegen den geschützten Raum - aber seltener es muss nicht mehr Druck abgebaut werden. Das das Verstecken eine TS auf dauer krank macht sollte auch mal erwähnt werden, meist Platzt eh der Knoten mal, egal welche externe Konsequenz sich ergibt.

Übrigends kenne ich noch keine TS die in den Alltagstest gegangen ist und dann feststellt - holla die Waldfee es ist ja doch nur TV - dazu grübelt man als Mensch vorher viel und lang drüber nach - grade die Kandidatinen die igendwie an der Grenze stehen - ich sage mal der Übergang zwischen TV und TS ist fliessend und je näher dran an der Scheidegrenze umso mehr Grübel Smile

Es gibt Menschen die sagen klar bin ich TV  oder TS was denn sonst - völlig eindeutig - aber viele müssen durch den harten Weg der Selbstfindung - und mein Rat ist da: solange es unsicher ist geht man am besten von TV aus.

Ich finde es schön Roxanne das du auch mal nachdenkliche Momente aufgreifst Smile

 

Kimber EX
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dabei seit: 05.05.2009

 

Warum verbinden manche Menschen das Leben einer Frau mit Attributen wie ´leichter´, ´netter´, ´stressfreier´, ´friedlicher´ und derartigen Erwartungen?

An sich ist es doch offensichtlich, dass Frauen sich auf ihre Art genauso durchsetzen und das Leben wie Männer auch meistern müssen. Das alltägliche soziale Leben von Männern und Frauen unterscheidet sich im Wesentlichen nicht grossartig voneinander.

 

Man kennt doch genug Frauen, die auch nicht das Leben einer Prinzessin führen?

Das ist an sich selbstverständlich.

 

Es ist doch auch jedem Menschen klar, dass Urlaub nicht das alltägliche Leben wiedergibt, sondern eben Urlaub ist.

 

 

*TG schliesst selbstredend TS mit ein.

 

Doug hatte Recht: Macht´s gut und danke für den Fisch.

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

HannaW schrieb:
Roxanne schrieb:
... Das böse Erwachen würde kommen, wenn man erst als Frau erkennen muß, daß Frausein kein sorgenloses Elfendasein bedeutet. 
... Aber ich merke im Vergleich von Frauen- und Männerrolle, dass ich mich von der Männerrolle überfordert fühle. Dass ich mich damit nicht identifizieren kann. Dass ich mir darin wie ein Trottel vorkomme...

Bei relativ ähnlichen Gefühlen habe ich ein wenig reflektiert, woran das möglicherweise (bei mir!) liegen könnte. Einen Hinweis haben Bemerkungen meiner Frau gegeben: Sie meinte in gewissen Situationen (in denen ich deftiger unseren Standpunkt gegenüber Dritten vertreten musste), dass ich dabei noch mal "meine Testos raushängen lassen solle, auch wenn mir das ansonsten ja recht schwer fiele." Zumindest auf meine Person bezogen ist da wohl ein recht großer wahrer Kern drin: Ich mag es überhaupt nicht, als Macker, Platzhirsch, Alphatier oder was auch immer in sozialen Interaktionen aufzutreten. Das heißt nun überhaupt nicht, dass ich nicht zu meiner Meinung stehen könnte oder würde, aber der typisch männliche soziale Habitus fehlt mir, bzw. ich mag es nicht, mich entsprechend aufzuspielen. Insofern sehe ich mich in der Rolle einer "ernsthaften Frau" irgendwie deutlich stimmiger, von der ja solche Verhaltensweisen eher nicht verlangt/erwartet werden.

Dabei sind mir dann stereotype Fraulichkeiten andererseits auch zuwider: Ich mag überhaupt nicht, wenn meine Fingernägel zu lang werden, weil es mich ziemlich beim Arbeiten (ziemlich viel Tipselei) arg stört. Von Rüschenröcken halte ich überhaupt nichts, genau so wenig wie von besonders sexy gestalteter Anmachkleidung - selbst wenn ich sie körperbaumäßig tragen könnte.  Wink

Zitat:
Aber die Jahre als Mann haben Spuren hinterlassen. Spuren, die nicht mehr zu korrigieren sind. Daher bezweifle ich, dass mein Leben als Frau ein sorgloses, schönes Leben sein wird. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ein Leben als Mann für mich nicht lebbar ist. Aber ich weiss nicht, ob ein Leben als Frau lebbar ist, da ich dass noch nicht wirklich erleben konnte.

Das ist auch sehr ähnlich bei mir der Punkt: In gut kontrollierbaren Umgebungen und entsprechenden Randbedingungen bin ich sehr gerne *ich*, aber es gibt einfach zu viele Gelegenheiten, in denen Julas berühmte Kugel leider zur falschen Seite rollt, und dann komme/käme ich mir selbst viel zu sehr als Freak vor, die/der ich zumindest nach eigenem Empfinden gar nicht bin. Gerade aktuell: Ich bin erkältet, und zwar etwas stärker. Wenn ich so vor mich hinschniefe und pruste, würde sich das Dritten gegenüber wahrscheinlich ausgesprochen unfraulich anhören, auch wenn ich mich noch so gut geschminkt und angezogen habe. Wenn ich mir (gerade leider recht) häufig die Nase putzen muss, ist nach kürzester Zeit der Bartschatten auf der Oberlippe wieder durch. So'ne gute Abdeckcreme/Camouflage gibt's einfach nicht. Sick

Ein aus Arbeitsgründen zwar eher seltenes, aber wesentliches Hobby ist das gemütliche Motorradfahren. Ohne Perücke braucht Julas Kugel erst gar nicht zu rollen - die ist dann schon eindeutig in der männlichen Kuhle. Aber für mich sind Perücken und Motorradfahren schon arg inkompatibel, auch wenn Ella vielleicht andere Erfahrungen gemacht hat. Love

Zitat:
Mein Gefühl sagt mir eindeutig, dass ich weibliche Hormone nehmen möchte und dauerhaft als Frau leben möchte. Dass ich meine weibliche Seele voll und ganz ausleben möchte und nicht nur TZ-F sein möchte. Aber mein Verstand hat Zweifel, ob ich nach all den zehrenden Jahren als Mann noch die Kraft dazu habe.

Hier unterscheiden wir uns dann aber wohl, vielleicht aber auch, weil ich vom Verstand her noch stärker meine Grenzen, wie oben beschrieben, empfinde. Wenn morgen die berühmte Fee mit den rückstandslos erfüllbaren Wünschen vorbei käme, würde ich wohl auch gerne wechseln wollen. Aber unter den Gegebenheiten einer jahrzehntelangen biologischen Männlichkeit und wohl auch durchaus männlichen Sozialisation wird's bei mir nicht mehr zur Vollfrau reichen. Fragt sich jetzt nur, welche Optionen einem unter diesen Randbedingungen offen stehen. "Spaßtranse" ist es wohl nicht. Als "Trümmertranse" bin ich mir eigentlich zu schade. Teilzeitfrau käme der Sache wohl am nächsten, wobei ich nur heftigst das Problem sehe, dabei gegenüber seinen vielfältigen Sozialpartnern im täglichen Leben noch authentisch rüber zu kommen.

Ist das lebbar, z.B. gegenüber Nachbarn und Bekannten, oder gar im professionellen Umfeld, authentisch als Wechselwesen rüber zu kommen? Ich befürchte, dass nicht. Und hier ist wohl mein persönliches Dilemma an dem ich schon einige Zeit rumknabbere.

Liebe Grüße,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Heike_007
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Reale Person
dabei seit: 10.04.2006

Petra-Susanne schrieb:
Einen Hinweis haben Bemerkungen meiner Frau gegeben: Sie meinte in gewissen Situationen (in denen ich deftiger unseren Standpunkt gegenüber Dritten vertreten musste), dass ich dabei noch mal "meine Testos raushängen lassen solle, auch wenn mir das ansonsten ja recht schwer fiele." Zumindest auf meine Person bezogen ist da wohl ein recht großer wahrer Kern drin: Ich mag es überhaupt nicht, als Macker, Platzhirsch, Alphatier oder was auch immer in sozialen Interaktionen aufzutreten. Das heißt nun überhaupt nicht, dass ich nicht zu meiner Meinung stehen könnte oder würde, aber der typisch männliche soziale Habitus fehlt mir, bzw. ich mag es nicht, mich entsprechend aufzuspielen. Insofern sehe ich mich in der Rolle einer "ernsthaften Frau" irgendwie deutlich stimmiger, von der ja solche Verhaltensweisen eher nicht verlangt/erwartet werden.
Dabei sind mir dann stereotype Fraulichkeiten andererseits auch zuwider: Ich mag überhaupt nicht, wenn meine Fingernägel zu lang werden, weil es mich ziemlich beim Arbeiten (ziemlich viel Tipselei) arg stört. Von Rüschenröcken halte ich überhaupt nichts, ...

Das entspricht zu fast 100 % auch meinen Erfahrungen. Als Projektleiter im Anlagenbau war sehr oft mein Verhalten als "Macker, Platzhirsch, Alphatier" erforderlich, was mir nicht selten sehr schwer fiel. Ich musste mich verstellen und wirkte schnell verkrampft und wenig authentisch. Spott (Weichei, Warmduscher etc.) ließ da nicht lange auf sich warten.
Ich habe versucht, mich mehr auf Fach- und Sachargumente statt auf autoritäres Auftreten zu konzentrieren. Das führte dann zur Einschätzung "intellektueller Spinner".

Für mich ist mit nunmehr 55 1/2 Jahren der Zug wohl abgefahren, über die heute so geschätzten Fähigkeiten als Showmaster (man kann auch boshaft Schwätzer sagen) verfüge ich auch nicht.
Ein Leben zu 100% en femme kommt für mich nicht in Frage. Da niemand mehr von mir ein Auftreten als "Macker, Platzhirsch, Alphatier" von mir erwartet, werde ich versuchen, mit den 2 Seelen in mir weiterhin klar zu kommen.

Heike

Bei mir mag ein Jeder nach seiner Fasson selig werden (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1620-1688).