Das gefährliche Loch nach der Euphorie

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Gast
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Die Vorderung des Alltagstests finde ich ausgesprochen schwierig, denn man lebt ja seine empfunden Rolle nur soweit leben, wie es einem die Umgebung ermöglicht. Im Grunde genommen testet man nicht sich selber, sondern die Gesellschft auf Toleranz und Akzeptanz.

Denn wenn man bei der Rückkehr in die alte, einem zugewiesene Rolle, in ein tiefes Loch fällt, ist es doch ein Indiz dafür, dass diese Rolle einem aufgezwungen wird.

Vor allem wird man von der Umgebung als Mann/Frau gesehen, nur wenn auch man so aussieht, was aber ohne Hormone schwierig ist.

Vor der HRT konnte ich nicht wirklich testen, wie es ist als Mann gesehen und behandelt zu werden. Denn egal was ich gesagt habe, wurde ich als eine Frau gesehen, die sich maskulin kleidet, Fußbal spielt und Bier säuft, vielleicht als eine Emanze, aber nich als Mann.

Klar ist es mit sozialen Schwierigkeiten verbinden seine Identität zu leben, die nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Aber noch schwieriger war es für mich, meine Identität nicht zu leben.

Triona
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Hallo jan,

da is was dran.
Kenn ich irgendwo her.
Ist aber auch nicht wirklich tröstlich, daß es in der anderen Richtung auch nit besser ist.

Liebe Grüße
Triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Gast
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Naja, als Transmann kann man sich männlich kleiden, ohne dass die Leute von dem Problem was mitbekommen. Man hat ja heutzutage kein Problem damit, wenn Frauen Hosen tragen.
Einerseits ist es einfacher, weil man nicht schief angeguckt wird. Andererseits kann man damit kein Zeichen setzen...

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Jan1984 schrieb:
Andererseits kann man damit kein Zeichen setzen...

Als sich vor einigen Tagen ein Transmann fast gleichlautend im Schwesterforum äusserte, meinte ich, daß man da wohl schon "schwerere Kaliber" auffahren muß, wie einen falschen Bart und/oder eine ausgestopfte Hose. Das ist deutlich und kommt wohl ähnlich an, wie ein Mann in Frauenkleidern.

Natürlichkeit ist langweilig    

Triona
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ja, gewiß, aber ein Mann wirst du dadurch in den Augen anderer Menschen auch nicht.

Kann in Einzelfällen halt bisweilen das alltägliche Leben vlt etwas erträglicher machen.

Sozusagen der Versuch von TV als TS leicht.
Wenns denn helfen mag als wenigstens zeitweiliger Ersatz.

Weibliche TV fallen heutzutage ja kaum mehr sonderlich auf, was auch gut so ist. Und was auch nicht immer so war. Ist noch keine 50 Jahre her, daß einer Frau in Hosen übelste Ächtung wiederfuhr.
Männliche TV haben da wahrscheinl mehr Probleme mit ihrer Umgebung + mit der Gesellschaft.

Für TS gibt es da wohl aber nicht so viele unterschiede zwischen MzF + FzM.

Liebe Grüße
Triona

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Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

Johanna
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Beate schrieb:

Zitat:
Das würde ich nicht als Alltagstest bezeichnen; ich halte es auch für wichtig, diese beiden Dinge sauber voneinander zu trennen

Die beiden Dinge trenne ich überhaupt nicht voneinander, und das ist meiner Ansicht nach auch nicht sinnvoll.
- Wenn ich Alltagstest mache, nutze ich diese Zeit selbstverständlich, um in meine neue Rolle hineinzuwachsen.
- Wenn ich in die neue Rolle hineinwachse, frage ich mich auch, ob dies für mich der richtige Weg ist, d. h. ich teste mich weiterhin.

Zitat:
Alltagstest ist in meinen Augen belegt mit "sozialer Transition ohne jede somatische Maßnahme".

An somatischen Maßnahmen habe ich die Bartepilation und Hormone.
Bei meinem Bart (dunkle Haare auf heller Haut, also deutlicher Bartschatten) war die Epilation notwendig, um überhaupt irgendeinen sinnvollen Test zu machen. Ohne wäre es ein Kaspertest aber kein Alltagstest geworden. Die Maßnahme ist also auch für den Alltagstest eine Voraussetzung.
Hormone wären nicht notwendig gewesen, um den Alltagstest machen zu können. Umgekehrt muss ich aber die Hormone testen, insbesondere in Bezug auf ihre direkten und indirekten psychischen Wirkungen. Ein Alltagstest mit Hormonen umfasst einen größeren Bereich.

Jan schrieb:

Zitat:
Vor der HRT konnte ich nicht wirklich testen, wie es ist als Mann gesehen und behandelt zu werden. Denn egal was ich gesagt habe, wurde ich als eine Frau gesehen,

Für uns Transfrauen gilt das eindeutig nicht. Die sichtbaren Auswirkungen sind deutlich geringer, gerade im ersten halben Jahr, so dass man keine Hilfe für's Passing erwarten sollte. Ob wir als Mann oder Frau gesehen werden, hängt von anderen Äußerlichkeiten ab.

Für euch Transmänner mag das anders aussehen, da es für eine Frau schwieriger ist, sich eindeutig als Mann zurechtzumachen (Schminken is nicht, kurze Haare und männliche Kleidung kommt auch bei normalen Frauen mehr oder weniger vor, und ob Bart ankleben der Bringer ist, weiß ich nicht), und zum anderen treten sichtbare äußere Effekte (Stimmbruch, leichter Bartwuchs, Geheimratsecken) wohl schon nach recht kurzer Zeit auf und helfen mächtig im Passing. Da diese Effekte z. T. irreversibel sind, wäre es aber um so wichtiger, vorher gründlicher zu testen.

Um 1900 wäre das einfacher gewesen.

Zitat:
Die Forderung des Alltagstests ...
Denn wenn man bei der Rückkehr in die alte, einem zugewiesene Rolle, in ein tiefes Loch fällt, ist es doch ein Indiz dafür, dass diese Rolle einem aufgezwungen wird.

Mit dem Loch nach der Rückkehr war nicht das Ende des Alltagstestes gemeint, sondern für diejenigen, die normalerweise als Mann, d. h. in ihrem ursprünglichen Geschlecht leben, das Loch nach einem durchgetransten Wochenende.

Gruß

Gast
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Zitat:
Als sich vor einigen Tagen ein Transmann fast gleichlautend im Schwesterforum äusserte, meinte ich, daß man da wohl schon "schwerere Kaliber" auffahren muß, wie einen falschen Bart und/oder eine ausgestopfte Hose. Das ist deutlich und kommt wohl ähnlich an, wie ein Mann in Frauenkleidern.

@Roxanne: Ja da hast du Recht. Aber Bart kleben ist so ziemlich das einzige, womit transmann Zeichen setzen kann. Ausgestopfte Hose fällt nicht wirklich auf, denn wer guckt denn einem schon in den Schritt?

Johanna schrieb:
Jan schrieb:
Zitat:
Vor der HRT konnte ich nicht wirklich testen, wie es ist als Mann gesehen und behandelt zu werden. Denn egal was ich gesagt habe, wurde ich als eine Frau gesehen,

Für uns Transfrauen gilt das eindeutig nicht. Die sichtbaren Auswirkungen sind deutlich geringer, gerade im ersten halben Jahr, so dass man keine Hilfe für's Passing erwarten sollte.

Ich kenne eine TF, die durch Hormone schon sehr weiche weibliche Gesichtszüge bekommen hat. Also ich würde bei ihr nicht daruf kommen, dass sie TF ist. Aber du hast natürlich recht, bei TMs haben Hormone viel stärkere Wirkung.

Johanna schrieb:
Mit dem Loch nach der Rückkehr war nicht das Ende des Alltagstestes gemeint, sondern für diejenigen, die normalerweise als Mann, d. h. in ihrem ursprünglichen Geschlecht leben, das Loch nach einem durchgetransten Wochenende.

Das ist mir schon klar. Aber wenn ich es richtig verstehe, fühlt es sich für euch gut an an diesem Wochenende in der Frauenrolle zu leben und im "kerligen" Alltag sehnt ihr euch wieder nach diesem Gefühl. Ansonsten würde ja kein Loch entstehen, oder? Oder ich versteh das Wort "durchgetranst" nicht wirklich. Tut mir leid, wenn ich was falschen in eure Beiträge hineingelesen habe.

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Johanna schrieb:
@Außerdem stimmt es nicht, dass Hormone und GaOP keine Nebenwirkungen familiärer Art hätten. Oder was meinst du, welches für die Partnerin das geringere Übel wäre? Lediglich bei der Arbeit wäre das problemloser.

@Johanna

Zumindest würde die Parterin nicht als Lesbe eingeordnet werden. Auf der Arbeit würde die TS, wenn weiterhin männlich erscheinend, keine Gehaltskürzungen erhalten und keine Ängste bei männlichen Kollegen oder Kunden hervorrufen. Auch würde der Ruf der Firma nicht geschädigt werden, weil "man" ja so was nicht macht (zur Frau werden).

LG Jasminchen

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

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http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Jan schrieb:

Zitat:
Ich kenne eine TF, die durch Hormone schon sehr weiche weibliche Gesichtszüge bekommen hat.

Im Laufe der Jahre ergibt sich i. d. R. schon eine nennenswerte Verweiblichung, die auch im Alltagstest hilft. Aber was sich in den ersten 6 bis 12 Monaten tut, ist eindeutig zu wenig, um eine echte Hilfe im Passing zu sein, d. h. für die Zeit des Alltagstests bringt es nichts, sondern erst danach. Wie üblich gilt, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Zitat:
Aber wenn ich es richtig verstehe, fühlt es sich für euch gut an an diesem Wochenende in der Frauenrolle zu leben und im "kerligen" Alltag sehnt ihr euch wieder nach diesem Gefühl.

Das hast du schon richtig verstanden (wobei das für mich nicht gilt, da ich im Alltagstest bin und es kein "kerliges" Zwischendurch gibt, wohl aber für Roxanne, die das Thema wieder aufgewärmt hat).

@Jasminchen:
Deine Ansichten über Partnerinnen sind viel zu logisch, dabei muss das eindeutig von der Gefühlsseite her gesehen werden, rationale Argumente zählen nicht. Ich denke, die meisten Partnerinnen würden einen Mann in Frauenkleidern gegenüber einer Frau in Männerkleidern an ihrer Seite vorziehen.

Was die Arbeit betrifft, da hast du wohl recht - wobei die Bosse doch eigentlich psychisch ausgeglichene Mitarbeiterinnen gegenüber depressiven Mitarbeitern vorziehen sollten.

jasminchen
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dabei seit: 17.06.2007

Johanna schrieb:
Was die Arbeit betrifft, da hast du wohl recht - wobei die Bosse doch eigentlich psychisch ausgeglichene Mitarbeiterinnen gegenüber depressiven Mitarbeitern vorziehen sollten.

@Johanna

Wobei Misogynie und Transphobie immer die Instabilität des Gegenübers offenbaren.

LG Jasminchen

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