Das gefährliche Loch nach der Euphorie

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Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Ich denke, nicht wenige haben ähnliche Gefühle. Nach einer Zeit, wenn man aufgetranst etwas schönes erlebt hat und dann wieder in den kerligen, drögen Alltag einsteigen muß, fällt man in ein psychisches Loch - eine Depression. Mal fällt man tief, mal tritt man nur mit dem Fuß in eine Pfütze.

Die Gedanken kreisen. Um die Umwelt, um sich selbst. Oft ist man sich selbst dann nicht mehr Mensch genug.

In diesem Zusammenhang denke ich an die vielen Beispiele von bekannten Namen, die lange Zeit als TVs galten, sich auf Partys herumtrieben und dann irgendwann den Weg zur TS wählten. Ist das nur eine späte Selbsterkenntnis oder ein Ausweg aus dem oben angesprochenem Dilemma? Dieser Ausweg, dieses Ventil ist nicht allen offen.

Wir lesen fast täglich von schönen Erlebnissen und der Freude, die dabei empfunden wurde. Aber nur selten von den Nöten danach. Ganz sicher gibt es viele, die dadurch ihre "Batterien" wieder aufgeladen haben und frisch, fromm, fröhlich, frei durch das Leben gehen. Aber sind die Probleme danach tatsächlich eher eine Seltenheit oder wird das lieber verschwiegen? Sorgen, die nicht gern angesprochen werden und die man mit sich selbst ausmachen muß? Ich kann irgendwie nicht glauben, daß es nur mir so geht, daß ich nach dem Blick ins Feuerwerk, geblendet, oft in eine Grube falle. :roll:

Mal eine etwas nachdenkliche Roxanne...

Natürlichkeit ist langweilig    

Johanna
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dabei seit: 15.05.2007

Das Tief kommt. Garantiert. Meistens nach etwa drei Tagen, wenn man in den Alltagstrott kommt und wieder in seiner Männerrolle gefangen ist.

Zumindest bei mir ist das so.

Ob man deswegen von TV zu TS wird, weiß ich nicht. Ich habe mich nie als TV eingeordnet. Als ich es erkannt habe, war auch gleich klar, das die geschlechtliche Identifikation das Problem war und nicht die Kleidung. Aber, was eine Crossdresser-Vergangenheit betrifft, falle ich auch ganz aus der Reihe.

Liv-Marit Norton
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Yes, das Tief rollt immer wieder heran.....wie beim Wetter, es wird auch von Hochs und Tiefs bestimmt......

Ich habe mittlerweile nach einem schweren Jahr in der Ehe zumindest für das Jetzt einen Weg gefunden, nicht in völlige Depri zu verfallen.

Ich rufe mir Bilder aus der Kindheit zurück und vergleiche diese mit denen von heute. Was hat sich verändert ?

Dramatisch viel...und positiv !!!.....normalerweise dürfte ich ja gar nicht unzufrieden sein..... Ich habe Freiräume, die ich früher nur in meinen schönsten Träumen erleben durfte und, ganz wichtig, die Familie hält weiter zusammen, wohl wissend um Liv.

Die Erfüllung des letzten Wunsches scheint nicht möglich, einige von Euch wissen, warum....ich will nicht weiter darauf eingehen.

Ich glaube auch, dass die vielen Jahre im männlichen Körper Spuren hinterlassen haben, die nicht einfach durch eine GAOP wegzuwischen sind.
Dann bei mir Leuchtturmgröße und etwas große Damenfüßchen.....Wink

So genieße ich gewonnene Freiheiten und bin demütig im positivsten Sinne, dankbar eben.

But who knows.....where the time goes (Sandy Denny)

Liebe Grüße

Liv

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !

Roxanne
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dabei seit: 03.01.2006

Liv schrieb:

But who knows.....where the time goes (Sandy Denny)

Da kann ich auch einem Liedtext beisteuern, quasi an das andere Ich gerichtet:

"So now I'm praying for the end of time
To hurry up and arrive
Cause if I gotta spend another minute with you
I don't think that I can really survive
I'll never break my promise or forget my vow
But God only knows what I can do right now
I'm praying for the end of time
It's all that I can do
Praying for the end of time, so I can end my time with you!!!"

Meat Loaf "Paradise by the dashboard light"

Natürlichkeit ist langweilig    

Beate_R
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dabei seit: 03.02.2005

Roxanne schrieb:
... Ist das nur eine späte Selbsterkenntnis oder ein Ausweg aus dem oben angesprochenem Dilemma? Dieser Ausweg, dieses Ventil ist nicht allen offen.

Wohl eher ersteres. Oder Klarheit, der Entschluss, jetzt wirklich zu sich selbst zu stehen.

Ist die Transition wirklich das einzige Ventil? Eines, das unseren Konflikt ja nur lindern, aber nicht vollends auflösen kann. Eines, das uns beim Durchqueren zwangsläufig neue Narben zufügt, oft genug wirklich tiefe. dennoch für die allermeisten derer, die diesen Weg beschreiten, eine Notwendigkeit.

Am schlimmsten empfinde ich übrigens die sozialen Probleme.

Viele liebe Grüße

Beate 

Triona
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dabei seit: 05.10.2007

Kommt mir irgendwie auch teilweise bekannt vor.

Roxanne schrieb

> In diesem Zusammenhang denke ich an die vielen Beispiele von bekannten Namen, die lange Zeit als TVs galten, sich auf Partys herumtrieben und dann irgendwann den Weg zur TS wählten. Ist das nur eine späte Selbsterkenntnis oder ein Ausweg aus dem oben angesprochenem Dilemma? <

Gilt wohl auch für manche weniger bekannte TV / TG (hier gemeint: zwischengeschlechtlich / uneindeutig fühlende Menschen), die nicht auf irgendwelchen Parties zu sehen waren.

Nachdem ich mich viele Jahre als "zwischengeschlechtlich" verstanden habe, also als eindeutig uneindeutig, bin ich gefühlsmäßig in den letzten 1 - 2 Jahren immer mehr in Richtung TS gegangen. Habe auch immer mehr Lebensbereiche einbezogen, d.h. mich immer seltener als Mann verkleidet. Zuletzt kamm der Bereich Arbeit. Das ist noch nicht vollständig überall durch. (Manche Leute hängen doch eben recht zäh, aber oft auch recht hilflos am Althergebrachten.) Sozusagen Alltagstest ohne Psycho.
Der letzte große Brocken ist übrigens die Partnerbeziehung, wo es langsam auch am Knackpunkt angelangt ist.

Und da hab ich mir auch selbstkritisch überlegt, ob das nicht schon wieder eine Suche nach dem Weg des geringsten Widerstands ist.
Sozusagen erneut ein Nachgeben nach der gesellschaftlichen Forderung nach geschlechtlicher "Eindeutigkeit".

Nun, nach Unverträglichkeitsproblemen mit Hormoneinnahme hat sich zwangsläufig die Denkpause verlängert.
Ich hoffe nur, daß ich die zuletzt recht lange anhaltende Dauereuphorie ein wenig oder am liebsten etwas mehr in ein (vorläufiges?) "Dauer-TV-Dasein" rüberretten kann.
Merke aber auch , daß ich gegen allerlei große und kleine Hiebe
zusehends empfindlicher reagiere.

Liebe Grüße
von einer manchmal immer noch etwas ratlos im großen Ozean zwischen den Geschlechtern rumschwimmenden
Triona

Aw, Thou beloved, do hearken to the Banshee's lonely croon!

sinn féin - ça ira !

Hab nur kurz auf die Maus geklickt. Ich glaub ich hab das Internet gelöscht.

sandra10
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dabei seit: 29.11.2006

Zitat:
Ich kann irgendwie nicht glauben, daß es nur mir so geht, daß ich nach dem Blick ins Feuerwerk, geblendet, oft in eine Grube falle. Rolling Eyes

...nein, ich denke es geht nicht nur Dir so. Ich zähle mich einfach mal dazu. Weil mir dieses Gefühl der Leere nach dem abschminken durchaus sehr bekannt ist.
Allerdings: wer spricht schon gern darüber, wenns einem nicht so prickelnd gut geht?
Daher liest man selten über das "große Loch" in das viele von uns fallen, wenn der Alltag als "gestandener Kerl" über uns hereinbricht....

Liebe Grüße
Sandra

Ella
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dabei seit: 27.12.2005

@ Roxy, Liv
Ich lasse einfach die Euphorie weg - den Rest kann ich insoferne nachvollziehen, als wenig fällt, der wenig steigt Stare

C

Die Karawane bellt, der Hund zieht weiter...

GabiStern
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dabei seit: 18.05.2005

Wie geht es meiner Süssen nach einem tollen Partyabend?

Das Abschminken und Ablegen der Kleider ist ein Gefühl von Verlust. Eine gewisse Traurigkeit macht sich breit, die allerdings dann vom Tragen eines seidigen Nachthemdes gelindert werden kann. Dann kuscheln wir noch ein bisschen und fühlen uns beide auch wieder wohl und gut. Am nächsten Morgen ist sie auch als Mann wieder recht zufrieden, es sei denn, die lackierten Zehennägel laden schon wieder zum Tragen der geliebten Kleider ein. Allerdings piekt es und macht sehnsüchtig wenn zum 2. Frühstück dann zwei "Schwestern" in Kleidern vorbeikommen können. Offenbar schon wieder rasiert (zwei Mal hintereinander bei Steffi eher schwierig) und hübsch geschminkt. Aber es ist den Schwestern Fanny und Mischelle sehr gegönnt:-)
Trotzdem ist Steffi auch gern Mann.

Gute Gedanken auch nach der Party wünscht allen
Gabi

n/v
Gast
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Wenn ich als Frau meine Runden drehe draußen, dann abends nach Hause komme, muss ich mich erst hinsetzen ein Kaffechen und Zigarettchen und denke über den Tag nach wie schön es war.
Wenn ich dann am anderen Tag wieder in den Alltag stürmen muss, Schminke ich mich ab und denke auch mal, schade es könnte so bleiben, aber der Beruf geht vor und bin dann froh wieder Mann zu sein. Wenn ich mit Bus unterwegs bin habe ich ja viele Weibliche Wesen als Fahrgast, wenn ich mir die manchmal betrachte da kommt einem das krausen, manche wirklich ungepflegt man kann es nicht beschreiben, da denke ich im Traum nicht daran Renate zu sein, ich habe dann auch abstoßende Gefühle gegenüber Renate, da gibt es nur noch Ho………..
Habe auch des öfteren sehr gepflegte Damen dabei, wo ich mir genauer ansehe auch mal das Styling, aber der Mann steht an erster stelle und Flirte viel mit den Damen, auch oft abends im Hotel, bei mehr Tagesfahrten, manchmal, na, ja kommt mehr.
Bin auch öfters alleine im Hotelzimmer abends da schiebt sich als Renate mal in den Vordergrund, aber wo dann schnell wieder verfliegt, den als erstes steht mein Beruf und der siegt dann am Schluss.
Wenn ich mal in der Firma arbeiten muss so wie Buspflege und Reparatur arbeiten, denke ich auch oft daran als Renate zu sein und irgendwo in einer Stadt zu Bummeln, aber da habe ich keine Probleme damit mach meine Arbeit und der Alltag als Mann ist normal. Wenn ich dann nach Hause fahre und muss dann am nächsten Tag weg kommt auch manchmal das so genannte Loch da weis ich nicht was ich will, aber da kommt der Job wieder durch und siegt.
In den Sommermonaten habe ich kaum Gedanken dazu mich zu Stylen und Renate ins Leben zu rufen, außer wenn ich zwischendurch ein paar Tage frei habe, wo ich diese Saison Glück hatte, da nutze ich natürlich die Chance und gehe raus.
In den Wintermonaten muss ich den angesammelten Urlaub und freie Tage abfeuern und da habe ich natürlich die Gelegenheit Renate richtig Auszuleben und tu es auch, warum auch nicht, das geht schon Jahre so und habe keine Probleme damit. Durch das, das ich alleine lebe steht ja nichts im Wege, habe auch sonst keine Verpflichtungen, wo mich daran hindern. Es kommt aber auch vor wo ich nicht schnell genug aus den Klamotten raus komme, oder habe mich schon oft Gestylt und war fertig für raus und auf einmal verflog das und zog mich schnell wieder um und blieb ein paar Tage Mann, ohne den reiz zu verspüren Renate zu sein.
Es geht schon Jahrzehnte so, ich weis auch was ich will, ich möchte trotzdem Mann sein.!!

Liv-Marit Norton
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dabei seit: 13.02.2006

Cristin hat folgendes geschrieben:


Zitat:
Ich lasse einfach die Euphorie weg - den Rest kann ich insoferne nachvollziehen, als wenig fällt, der wenig steigt

Diese Zügelung hat ja was von Selbstkasteiung.....im Grunde arbeiten wir alle mehr oder weniger mit am Ende untauglichen Strategien, nur um den "Schatten" zu beschwichtigen.

Eine echte Vision entwickelt ihr Eigenleben !