Bi-Ident

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Dani
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dabei seit: 11.10.2011

*räusper*

Liebe Gemeinde... rofl..nee, keine Bange, keine Predigt..nur mal eine dumme Frage:

Fändet Ihr es nicht auch spannender ein Geschlecht zu definieren zwischen Mann und Frau?

Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich den Wechsel 'wollen möchte' (herrje, was für eine Formulierung, sry *augenroll*)
Ist doch viel spannender was Neues zu kreieren. Vielleicht sind wir einfach eine neue Spezies (Hurra, lang lebe die Evolution! lol)
Ich meine, wir tragen doch im Grunde das Beste von beiden Seiten in uns. Einen kräftigen, männlichen Körper, der sich im
*lach* Dschungel bewährt, als auch eine sensible Gefühlsseite, eine wunderbare Intuition und Sinn für das Schöne, Wahre und Gute.
 Evolutionstheoretisch 'perfekt' - meint ihr nicht? Warum beugen wir uns dem Schubladendenken?

Wir vereinen Oben und Unten, Jin und Yang.. ich finde, ein wunderschöner Gedanke. 

Okay, die andere Realität ist. Ich bin kein Guru ;o) und nicht erleuchtet und wenn ich meine Augen schließe und träume, was, wo und wie ich bin,
ist's die Frau... das kleine, eingekerkerte, süße Mädchen, dass ich seit Jahrzehnten an die Kette gelegt habe, dessen wimmerndes Weinen, mich
bisweilen in die Verzweiflung treibt. Gäbe mir einer von Euch einen Zauberstab ..klaro.. ich wäre schneller, als Ihr hinsehen könnt, dies Mädchen. 

Aber vielleicht ist auch das nur Angst. Wollen wir vielleicht nur deswegen den kompletten Tausch, und nichts dazwischen, weil wir genauso konventionell
sind, wie unsere ewigen Kritiker? Vielleicht sind wir homophob, wollen einen Mann, denken aber, dazu gehört eine Frau? Stattdessen haben wir uns 
aber irgendwann als Mann eine Frau gesucht und stecken jetzt in der Klemme. Wollen Frau sein und eine Frau behalten?... Also soviel zu den 'Konventionen'... 

UiUiii.. könnt ihr mir folgen?

Bin gespannt auf Eure Ideen, Vorstellungen und Erfahrungen.

Eure Dani :-* 

 

Das Leben meistert man lächelnd,

oder überhaupt nicht.

Petra-Susanne
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dabei seit: 21.10.2005

Hallo Dani,

da du ja auch in einem Parallelthread im Prinzip das gleiche Thema ansprichst, schreib ich jetzt hier mal was zu deinem Ansatz / deinen Themen.

Der erste Punkt: Jede(r) von uns ist ein Individuum, und das in sehr vielen Hinsichten. Insgesamt ergibt sich für jede(n) von uns eine Eigenschaftenzusammenstellung, die nicht in irgendein Stereotyp reinpasst - bestimmt nicht in das "einer Frau" oder "eines Mannes". Die Klischees, die du ansprichst, gibt's vielleicht bei RTL, nicht aber im echten Leben. Es gibt für jede erdenkliche Eigenschaft in jedem (biologischen) Geschlecht extreme Spannen, wobei in der Tat statistisch(!) leichte Unterschiede zwischen den Durchschnittswerten von Männlein und Weiblein zu erkennen sind. Die sagen aber über das Individuum überhaupt nix aus.

Ein zu kreierendes Neues sehe ich bei uns nicht, sondern nur die Möglichkeit, zum individuellen Gefühls- und Geschmacksmix zu stehen, der jede(n) von uns ausmacht und die Individualität verleiht. Wir werden wohl im Lauf der nächsten Jahre durch die immer besser werdenden bildgebenden Verfahren des Gehirnscannings immer häufiger auf das Faktum gestoßen werden, dass unsere Gehirne bei gleichem Grundaufbau einfach unterschiedlich geschaltet sind, also dieser individuelle Mix durch die emergente Struktur, nicht durch die Materie verursacht wird.

Wie diese zustandekommt, werden wir wohl auch im Lauf der Jahre immer besser verstehen. Das wird aber zumindest nach meiner Erwartung kein einfacher Ursache-Wirkungs-Mechanismus sein, sondern von vielen Faktoren abhängen und - mal wieder - individuell sehr unterschiedlich sein.

Mein Hauptplädoyer also: Keine Klischees, keine Vereinfachungen, keine Sortierung in sehr wenige Globalkisten wie Mann, Frau, Schwarz, Weiß, ...

Nähere dich deinem höchst individuellen gefühlten Bestzustand, indem du in den hunderten von täglichen Situationen und Interaktionsprozessen möglichst in jedem konkreten Einzelfall nachfühlst, ob du dich für dich stimmig verhalten hast. Wenn nicht, mach's beim nächsten Mal anders, aber verbuche das Geschehene als eine vorwärtsbringende Erfahrung. Das kann eben auch der (zunächst vorübergehende) Wechsel in das andere soziale Grundgeschlecht mit seinem typischen, aber individuell zu definierenden Mix aus Verhaltensvarianten und Selbstdarstellungen sein. Man kann z.B. auch als bartloser Mann ganz gut weiterleben, wenn man auf diese Weise merkt, dass ein kompletter Rollenwechsel zumindest zum gegebenen Zeitpunkt für einen selbst nicht richtig wäre. So bin ich z.B. derzeit unterwegs, ohne mich aber damit für alle Zukunft festgelegt zu haben oder festlegen zu wollen.

Wenn du für dich meinst, dass eine (mindestens nach außen gelebte) weibliche Sozialrolle besser passt, mach es. Wie du schon richtig geschrieben hast, ist dieser kleine Unterschied zwischen den Beinen das im Alltag wohl unwesentlichste Kriterium, das man wohl am besten eher zum Schluss angehen sollte, wenn alles Andere sich stimmig entschieden hat. Im Sinne des "Trial and Error"-Ansatzes sehe ich es allerdings als relativ wichtig an, bei einem empfundenen "Error" auch noch mal anders probieren zu können. Das Leben ist in der Regel recht lang, so dass du entsprechend Gelegenheit haben solltest, das auch zu machen.

Wir haben hier(!) und heute(!) den riesengroßen Vorteil, in einer ziemlich weitgehend "normenlosen" Gesellschaft zu leben: Schau dich mal auf den Straßen und sonst wo um, wieviel Handlungsspielräume für die Menschen individuell existieren. Wir können fast alles ausprobieren, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, auf der Stelle exekutiert oder lebenslang eingesperrt zu werden.

Daher: Sei du selbst. Versuche nicht, dich irgendwo in die Standardkisten einzusortieren, in die du nicht reinpasst. Geh deinen individuellen Weg mit Gefühl und (selbst-)reflektierend an. Aber mach bitte keine weitere "Normkiste" (im Sinne eines dritten Geschlechts oder was auch immer) auf, denn ich vermute, du wirst darin sehr einsam sein, weil sich wahrscheinlich kaum jemand Anderer in genau diese Kiste, die du damit definierst, ebenfalls einsortieren wird. Ich befürchte, alles Andere als gelebte Individualität macht Wesen unserer Art mit starken Interferenzen zwischen Biologie und Sozialverhalten nachhaltig unglücklich.

Lieben Gruß,

Petra

Mädels, traut euch raus, insbesondere in die anonyme Öffentlichkeit! Ich bin jedenfalls in den letzten 10 Jahren noch von niemandem gebissen worden!

Kalen
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dabei seit: 07.02.2007

Sei du selbst und finde dich, ist ein guter Rat.

Oft leichter gesagt als getan.

Ich entdeckte für mich, wir waren von jeher ein Wesen der Mitte und hatten viele Namen. Der älteste Name den ich fand war Asuschunamir, ca. 2100 - 500 vor Christus.

Ich hab mir den Namen Two-Spirit bei den Nordamerikanischen Stämmen ausgeborgt, in Ermangelung einer Neukreation.

Two-Spirit passt sehr gut, für den Weg, welchen ich für mich gefunden habe, die Gefühle zu verstehen und zu interieren.

Für mich lebe ich diesen alten Weg in einer neuen Form.

Wir sind keine Stammeskulturen mehr. Der neue Begriff entstand in den 90er Jahren, weil die nordamerikanischen Indianer den Begriff Berdache austauschen wollten, den Forscher ihnen um 1700 gaben, weil sie nicht verstanden was sie sahen. In den Stämmen sind über 130 verschiedene Namen für unsere Art bekannt, je nach Stamm und Sprache.

Die Stämme haben die meiste Erfahrung mit Menschen wie uns und wir sind dort seit Jahrhunderten dokumentiert.

Was du gerade entdeckst, ist schon uuuralt. Wink

Und vielleicht doch wieder zeitgemäß,weil wir gerade entdecken und integrieren, was dort vor ewigen Zeiten geschah.

Gerade weil wir diese Mittler waren, galten (und gelten in einigen Ländern zum Teil immer noch) Menschen wie wir als heilig. Doch die Gesellschaft braucht sie meist nicht mehr.

Wir waren (und sind) oft Künstler, Berater, Schamanen, Medizinmänner, Heiler, Botschafter, Diplomaten ...

Ich traf vor kurzem eine Medizinfrau aus Chile, wo wir noch Teil der Kultur sind. Sie verbeugte sich und ehrte mich, weil Menschen wir ich in ihrem Land heilig sind. Das war ein seltsames Gefühl. Ganz anders als sonst oder früher wo meine äußere Erscheinung Frau war.

Wir sprachen einige Zeit und es hat mir viel Kraft gegeben und ich habe wieder etwas gelernt.

 

Finde dich, die Übergänge sind fließend von Einem zum Anderen, Gefühle wandeln sich, wenn wir sie nicht festhalten.

Big Hug

 

Ich befinde mich auf einer Reise www.transseelische-reise.de . Two-Spirit ein alter Weg, der gerade wiederentdeckt wird.Welchen Weg wir auch wählen, es wird der eigene individuelle Weg sein, wenn er aus uns "selbst" kommt.

Dani
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dabei seit: 11.10.2011

Danke :) 

Ich denke auch, es ist einfach wichtig, sich auf dieses Abenteuer in aller Tiefe, meint: bewusst, einzulassen.
Authentisch werden - Ist irgendwie als Traum sicher so alt, wie der Traum des Menschen vom Fliegen. 
Versprochen ;o) gebe Alles, nicht von einer 'Show' in die Nächste zu stürzen - bin mal gespannt, was übrig
bleibt, wenn die Show weg ist - noch bin ich weit davon entfernt, geb ich offen zu. Mal sehen, wie viele Schritte
ich brauche, bis der 'Wohlfühlfaktor' da ist. Und wenn's bis zu dieser schmalen Kiste unter der Erde dauert.
Ist der Weg das Ziel? *kopfschräglegundLippekau*

glg Dani 

 

Das Leben meistert man lächelnd,

oder überhaupt nicht.

Kalen
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dabei seit: 07.02.2007

Und wenn du dich wohlfühlst ... das Leben geht weiter.

Leben ist Veränderung. Wink

In den nächsten Jahren wirst du viel erleben Smile

 

Ich befinde mich auf einer Reise www.transseelische-reise.de . Two-Spirit ein alter Weg, der gerade wiederentdeckt wird.Welchen Weg wir auch wählen, es wird der eigene individuelle Weg sein, wenn er aus uns "selbst" kommt.