Warum seid ihr Grufties?

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jasminchen
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Gabi* schrieb:

Die Musiker von Kiss waren auch alle geschminkt. Dass die nun weiblich wirkten oder auch wirken kann ich nun nicht gerade sagen.
Wenn ich mir mal meine beiden geschminkten Lieblingsmusiker aus der Goth-Szene ansehe....muss ich sowohl bei Alexander Veljanov (deineLakaien) als auch bei Tilo Wolf (LaCrimosa) sagen: Er schminkt sich, er trägt sein Haar lang und gestylt und er sieht aus wie ein Kerl.

Hallo Gabi,

ich sehe es eher als gewollte Provokation durch Androgynität. Androgynität kommt auch bei Bio-Frauen vor, bei TS wird es aber gnadenlos als Passingmangel ausgelegt. Dabei gibt es nicht die perfekte Frau, weder trans noch bio.

LG Jasmina

Jestem prawda, nie mam tajemnicy.

Extra Gottingam non est vita, et, si est, non est ita. Cogito ergo sum

Hrad přepevný jest Pan Bůh náš ….

 

http://en.wikipedia.org/wiki/Prime_Directive

 

Bianca-Bijou
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Johanna schrieb:
Bianca-Bijou schrieb:
Zitat:
Gute Abhärtung oder Vorübung zum Schrägangegucktwerden.

Mal eine Frage: macht es euch Spaß, als Gothic/Grufte schräg angekuckt zu werden, oder nehmt ihr das als notwendiges Übel in kauf?

Damals in der Schule (auf dem Lande als einziger Schwarzträger) dafür gehänselt und verprügelt zu werden war nicht so spassig. Die Mädels mochten mich aber die Jungs haben mich gehasst.

Mit 17 hab ich dann sogar die schwarzen Klamotten abgelegt und bin auf Grunge und Metal und äußerlich normal umgestiegen. Erst mit 27, als die Ehe bröckelte besann ich mich wieder aufs Schwarze und diesmal mit aller Konsequenz. Mit 30 kam die Trennung und ich hab die beste Entscheidung meines Lebens getroffen, zurück nach Hamburg (wo ich die glücklichsten Jahre meiner Kindheit hatte), weg von dem Landmief... und hier in Hamburg konnte ich dann ja auch etwas befreien was schon lange in mir schlummerte Wink

Es war da manchmal schon so etwas wie "Stolz" dabei, anders zu sein und dies auch zu zeigen. Das egalisiert sich aber mit weiter zunehmendem Alter. Heutzutage lauf ich eher unauffällig schwarz rum. Nen Iro-Haarschnitt hab ich auch nicht mehr *schnüff*. Man lernt, dass sich auch manchmal hinter Stino-Fassaden interessante Menschen finden mit denen man auch über tiefere Dinge als die neuesten Handymodelle spechen kann.

So, nu iss aber gut...

n/v
GabiStern
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dabei seit: 18.05.2005

jasminchen schrieb:
Gabi* schrieb:

Die Musiker von Kiss waren auch alle geschminkt. Dass die nun weiblich wirkten oder auch wirken kann ich nun nicht gerade sagen.
Wenn ich mir mal meine beiden geschminkten Lieblingsmusiker aus der Goth-Szene ansehe....muss ich sowohl bei Alexander Veljanov (deineLakaien) als auch bei Tilo Wolf (LaCrimosa) sagen: Er schminkt sich, er trägt sein Haar lang und gestylt und er sieht aus wie ein Kerl.

Hallo Gabi,

ich sehe es eher als gewollte Provokation durch Androgynität. Androgynität kommt auch bei Bio-Frauen vor, bei TS wird es aber gnadenlos als Passingmangel ausgelegt. Dabei gibt es nicht die perfekte Frau, weder trans noch bio.

LG Jasmina

Gewollte Provokation lass ich in Bezug auf Kiss gerne gelten... aber androgyn??? Kiss hab ich auch als 14-jährige als eher sehr herb männlich empfunden. Lass gut sein, Jamina, ich denke, dass wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen in dieser Beziehung.

Grüße von

der absolut NICHT androgynen Bio-Frau die auch mal ganz gern provoziert

n/v
Alita-Saleema
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dabei seit: 19.11.2006

@Johanna: Gerne doch, kein Thema

Was die Androgynität betrifft, ists in der Szene mittlerweile nicht mehr so weit her. Echte lebende Kunstwerke sieht man leider immer weniger und wenn, dann sind diese tatsächlich weiblich. Den meisten "Otto-Normal-Gothen" reicht heutzutage schwarzer Lippenstift, Nagellack und etwas Kajal und das neueste aus dem X-Tra-X Laden. Die Kalkleisten sind tatsächlich weniger geworden und wenn, dann sind es diese Nasehoch und sowasvontrue-Eliten, wie es Bianca so schön formuliert hat.

Ronja S. EX
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Bianca-Bijou schrieb:
Damals in der Schule (auf dem Lande als einziger Schwarzträger) dafür gehänselt und verprügelt zu werden war nicht so spassig. Die Mädels mochten mich aber die Jungs haben mich gehasst.

Das ist oft so gewesen und ich hab es selbst erlebt. Damals bin ich noch "stino" gewesen, vor nicht ganz 20 Jahren. Und wenn da zum Tanz auf dem Dorf die schwarze Fraktion aufgetaucht ist, gabs prinzipiell Prügeleien von und mit der Dorfjugend. Die ja mit hochgestylten und schwarz gefärbten Haaren nicht so recht etwas anfangen konnte. Die Musik haben jene auch gehört, aber die Andersartigkeit mochten sie vermutlich nicht nachvollziehen oder tolerieren und nahmen diese zum willkommenen Anlaß.

Und da bin ich genau an der Stelle, zu schreiben, warum ich kein Gruftie bin! Weil ich halt keinen Sarg hab und es bei mir nicht nach Patchouli riecht. :mrgreen:

Gothic triffts genau, und meine Vorschreiberinnen haben eigentlich alles Wissenswerte schon dargelegt, was Gothic und seine Subkulturen anbelangt. Alles, was vorher schon geschrieben wurde, hab ich mir jetzt nicht gemerkt, also schreibe ich mal, was ich zu dem Thema denke und warum ich schwarz bin.

Zuallererst muß ich aber noch bemerken, dass es so viele Unterströmungen unter dem Begriff Gothic gibt, die vom Ursprung Punk bis zu LARP gehen. Es ist also alles offen.

Ich willl mich auch gleich mal auf den Anfangsbeitrag von Johanna beziehen...

Gekommen bin ich zu Gothic wie sicherlich die Meisten durch die Musik. Mitte der 90er fing die eine oder andere Scheibe von Deine Lakaien, Pitchfork oder Wolfsheim an, sich öfter und öfter zu drehen, dann kam Corvus Corax und In Extremo dazu... usw. usf.
Und diese damals für mich neue Musik der Folkrock- bzw. EBM-Szene hat mir einfach gefallen, ich liebe diese Musik!

Also bin ich dorthin gegangen, wo auch andere Leute solche Musik hörten und man hat sich kennengelernt, ausgetauscht, nicht nur über die Musik, sondern über alles mögliche.
Damals habe ich die Friedfertigkeit und Offenheit der Szene kennengelernt. Wie auch alljährlich, wenn das Fernsehen vom WGT berichtet, von erstaunten Korrespondenten angesprochen wird. Als wäre es Wunder, wenn -zig tausende Anhänger/innen der Szene ab Donnerstag eine Großstadt überfluten (ja, kann man wirklich so sagen!) und am Sonntag wie mit einem Fingerschnips wieder weg sind und alles friedlich geblieben ist. Schließlich sind wir keine Hooligans. Aber nicht alle sind so friedlich, Querschläger gibt es überall; hier erstaunlicherweise ganz wenige. Meine Erfahrung.

Angenehmer Nebeneffekt bei meinem ersten WGT: die neu erlebte Offenheit, die mir dann erlaubt hat, mit make-up (im Rahmen des dort üblichen Styles) heumzulaufen, ohne schief angesehen zu werden. Damals hätte ich übrigens mit keiner Silbe daran gedacht, heute diesen Beitrag zu schreiben. :mrgreen:

Mit dem Tragen der schwarzen Kleidung zeige ich, dass ich mich mit der Kultur bzw. der Szene zu identifiziere. Die Spielarten der Kleidung (wurde von Gabi glaube schon angesprochen) sind sehr vielfältig und ich glaube, relativ wenige BDSM-Outfits dort werden auch von einem echten solchen Anhänger getragen, denn vieles ist nur Show & Style.

Zum Thema Gothic-Style hab ich hier noch eine interessante Link:

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/channel/10/cat/4879

lg Ronja

Lebe Dein Leben wie du selbst, und Du wirst überrascht sein, was Du alles kannst.

Sandra1980
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dabei seit: 19.07.2008

Hallo und grüß Goth´... Wink

Für mich persönlich ist Gothic (ich mag den Begriff "Grufti" überhaupt nicht) ebenfalls eine Art der persönlichen Lebenseinstellung... Dies heißt allerdings nun nicht, dass ich *nur in schwarz* herum laufe oder dergleichen. Wink

Bewusst aufmerksam geworden bin auf die Szene im Frühjahr 2001. Zu diesem Zeitpunkt war ich eher noch in der Punk- und Hardrock-Fraktion/Szene angesiedelt... Aber so langsam überwogen doch mehr und mehr für die Vorteile einer Szene, die sich nicht durch (mal überspitzt gesagt) "Gewalt, Aufruhr und Alkoholkapaden" auszeichnet.

Besonders eine Tiefgründigkeit in Musiktexten, Poesie und anderen künstlerischen Darstellungen nahmen mich immer mehr und mehr in ihren Bann... Aber auch die Liebe zur Romantik, der Experimentierfreudigkeit auf vielen Ebenen und "morbide Theatralik/Optik" entzündeten ein neues Feuer der Leidenschaft in mir, das mich auf eine gewaltige Entdeckungsreise (auch zu mir selbst) nahm... und dies bis einschliesslich heute.

Sicherlich hat sich die Szene in den letzten Jahren auch gewandelt... Klar - einerseits werden wir alle älter und zum anderen ist die Kommerzialisierung dieser Szene eigentlich genau DAS GEGENTEIL von dem, was sie eigentlich immer sein wollte: nämlich frei und unabhängig.
Aber nun gut... In einer globalen Welt, wie wir sie heute haben, ist es auch verdammt schwer geworden irgendwo "bei und unter sich" zu bleiben. Denn alles was die "Jugend und Massen" irgendwie beeindruckt, wird im Handumdrehen zum neuen "Goldesel" hochstilisiert. Traurig, aber leider wahr...

Im Übrigen bin ich auch kein Freund dieser "sehen und gesehen werden" - Mentalität. Dieses arrogante und hochnäsige Gute ist mir komplett zu wider, weswegen ich mich persönlich auch eher zurück halte und nicht "in der Szenen-Masse" mitbewege.

Musikalisch habe ich mit (den "üblichen verdächtigen") Bands begonnen wie Umbra et Imago, Lacrimosa, The Cure, Goethes Erben, Blutengel, Untoten, Sisters of Mercy, Crematory, Nightwish, Terminal Choice, :Wumpscut: und Das Ich...
Ich mag elektronische Klänge (EBM, Noise, Dark- & Future Pop) genau so gerne wie melodischen Gothic Metal, Dark Wave, Industrial und 80er.

So... That´s it! Schön übrigens, dass es hier auch so eine Rubrik gibt (habe ich vorher noch nirgends in Communitys dieser Art gesehen)! Laughing out loud

Dark greetings,
Sandra

n/v
TVBianca36
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dabei seit: 16.02.2007

Hallo ich würde mich nicht direckt als Gothic bezeichnen aber mir gefällt einfach die Musik und das Styling. LG Bianca

tina666 EX
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Ehemaliges Mitgllied
dabei seit: 19.11.2009

Grufties gibt es für mich nicht, schwarze Hippies auch nicht.

Vielleicht Vamipre der Nacht ? oder Botschafter des teufels?

Neeeee ich lasse mich in keine kiste stecken,

Und zum Thema glaube, ich glaube an mich Selber und an mein Verstand.

Die Gothic Kutur ist eine Lebenseinstellung.........

Ich glaube an nichts nur an mich mich mich, und meine Kraft sachen zu bewegen.

Selbsverantwortung mit der Natur, Menschen sind nicht besser als Tiere.

Der Mensch ist ein Egoist, einer der schlimmsten tiere.

Liebe grüße

tina666

Romina Sophia
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dabei seit: 04.11.2016

Auch ich mag den Begriff "Grufti" so ganz und gar nicht!

Für mich ist Gothic eine Lebensart, eine Lebenseinstellung, bei der eben auch die dunklen, düsteren Seiten des Lebens und der Welt ihren Platz haben. Morbides, vergängliches, bizarres ebenso wie die Nacht und der Tod. Das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit. Die Auseinandersetzung mit den Dingen, die ansonsten so gerne verdrängt werden.

In die Schwarze Szene bin ich über Umwege gekommen. Punk, Metal, das sind meine Wurzeln. Doch schon immer hatte ich diesen Hang zum Düsteren. Bereits mit zwölf las ich Bram Stoker, E. A. Poe, H. P. Lovecraft, S. King usw. Fühlte mich in der Nacht wohl und geborgen. Später bot sie mir Schutz vor denen, die meine Tage zur Qual machten. Weil ich anders war.

Mittlerweile trage ich, außer auf Arbeit, nur noch schwarz. Es passt zu mir. Es spiegelt mein Inneres wieder. Meine Verbundenheit zu meiner Mutter, der Nacht, denn ich sehe mich als Tochter der Nacht. Allerdings bin ich kein Freund von auffälliger "Kostümierung". Nein, ich mag es dezent, unauffällig. Einfache Hose, einfacher Rock, dazu eben T-Shirt oder Longshirt. Mehr muss nicht sein.

Musikalisch bevorzuge ich Post Punk, Cold Wave, Dark Wave. Bands wie Bauhaus, The Cure, um mal bekanntere zu nennen. Aber auch Sopor Aeternus oder Eisregen höre ich gerne. Dazu kommt noch eine Vielzahl kleinerer Bands, die hier aufzuzählen wenig Sinn machen würde.

 

Liebe Grüße, Romina Sophia

Nach außen Mann, doch in meinem Inneren bin ich eine Frau - und darauf bin ich stolz!

Amaryllis
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dabei seit: 09.11.2016

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Warum seid ihr Grufties?

* bin kein Gruftie, obwohl eine Nacht im Sarg auch ganz nett sein kann (auf gute Belüftung achten, sonst wird man darin noch zum Dauergast Wink ).

* Als Trans*frau war (und bin) ich schon immer irgendwie anders und ich habe es (irgendwie) schon immer gewusst!

* durch die Ablehnung, die ich immer wieder erfahren durfte und musste, obwohl ich zu dem Zeitpunkt gar nicht verstand warum ich von manchen eigentlich so abgelehnt wurde, kamen mir Gedanken über Tod, Vergänglichkeit, Sinn(losigkeit) : ich bin sehr positiv eingestellt, doch wie man es dreht und wendet: So wie die Toten nicht mehr dazu gehören, gehören auch wir oft nicht dazu. "Welche Schachtel hätten Sie denn gern: W oder M?", "Habe sie keine TF- oder TM-Schachtel?" "Nein wir haben nur W und M! Nein kein TF und auch kein TM. Was soll das eigentlich sein?"

* Ich mochte (schon immer?) die Dunkelheit: Sie schützt mit ihrem schwarzen Mantel und macht die Welt anders als am Tag: Man hört und fühlt, das An- und Aussehen macht wenig aus wenn es dunkel ist.

* Friedhöfe mochte ich (schon immer?): Dort sind die Leute auch zu unsereins netter, denn ihnen schwant (angesichts der offensichtlich da nieder liegenden Verwandten, Bekannten, Eltern, Kinder) was kommt und TOD macht keine Unterschiede:

  "HALLO ICH BIN TOD"

  "Wie? Oh, das tut mir leid!"

  "NEIN ICH BIN NICHT TOT ICH BIN TOD!" - "DER TOD!"

  "Ach, jaha ... wie .. ähm geht es denn so ... zufällig in der Gegend - nicht?!"

  "ICH BIN EXTRA HIER WEGEN DIR!"

  ... "Oh. Ist das auch kein Versehen? So ein Irrtum kommt ja schonmal vor. Ich wollte noch die Transe da drüben beschimpfen. Guck mal wie der aussieht?"

  "HMM ... HIER STEHT ...  NEIN ES IST KEIN VERSEHEN. DU KOMMST JETZT MIT! UND TRANSEN BESCHIMPFEN IST NICHT!"

  "aber, die ist doch ... das kann dir doch nicht gefallen!"

  "SIEHT DOCH GANZ NETT AUS!" - "FINDEST DU DASS ICH KOMISCH AUSSEHE?"

  "Öhm, nein, nein natürlich nicht. Also ganz toll! Die Sense, der schwarze Mantel, das zartknochige Gesicht und die wohlgeformten Handknochen..."

  "HM!" - "WIE AUCH IMMER! FÜR DICH IST JETZT SCHLUS"

  "Aber .."

  "Nix ABER! HIER UND JETZT IST SENSE!"  und denkt "SENSE WIE ICH DEN SPRUCH LIEBE! HOHO UND ICH SOLL KEINEN SPASS VERSTEHEN! HOHO!"

* Später kam die Musik dazu: tiefgründige anrührende mitreißende Klänge und Texte: für und über das Leben und den Tod. Sänger*innen die (auch) anders sind.

* Dann die Wunderschönen Menschen der Schwarzen Szene dazu: Offen, Selbstbewusst (dargestellt auch durch ihre Kleidung), Schräg, Anders, Nachdenklich und Tiefgründig, Unvoreingenommen, Entrückt, Kompliziert, Verloren, Humor, ...

* ... und die Klamotten ... Wow ... und so bunt : "schwarz", "dunkel schwarz", "samtschwarz", "nachtschwarz", "tintenschwarz", "mitternachtsschwarz" (meine Lieblingsfarbe) "lackschwarz", "glanzschwarz", "extra dunkel schwarz", "mattschwarz", "ziemlich schwarz" (das sagen die anderen schonmal, merken aber nicht dass es doch Mitternachtsschwarz ist Wink ) ... welches Schwarz auch immer

* man findet so viele Kleidungsstiele (und es ist nicht alles schwarz) von Rockoko bis Cyber ... guckt euch mal die Kleider von Lucardis Feist anhttp://www.feist-style.de/ Ich als Braut in einem dieser schönen Kleider! (... wenn alles feritg ist ...)

* "Mann" und "Frau" können sich dort ausprobieren - es wird keinem etwas übles passieren

* Man findet dort Männer in weibliche Klamotten mit Korsage genauso wie Frauen in Männerklamotten

* Man findet dort sehr herrenhaft angezogene Männer mit weibllicher "Schminkung" bei manchen ist es "nur" Aussehen, bei manchen "ein Bedürfnis" und bei wieder anderen "ein Bekenntnis"

* Man findet Frauen, so sehr weiblich, das man neidisch werden könnte

* Man findet Dicke und Dünne

* Man findet dort sehr bewusst auftretende True-Goth - sehr sehenswert ...

Wer wirklich das Lebensgefühl eines Goth hat wird früher oder später seine/ihre wahre Goth-Seite kennen lernen. Wer nur als "modisches Wow und True und Authentic" auftritt, wird - wie jede Mode - irgendwann sich nicht passend fühlen -

sehr sehr schade weil man dann vor lauter Echtsein das Echte gar nicht sein konnte.

Ich kann es nachvollziehen wenn man sich (zu Anfang) als besonders Goth-Styled vorstelt ... man hat ja, wenn man die Kleider auch im normalen Leben trägt, sich immer gegen dumme Bemerkungen bis gegen offene Feindschaft zu behaupten : kommt das hier jemandem bekannt vor?

Zum Gothsein kann man sich nicht immer entscheiden: Man hat vielleicht einen anderen Humor, kann nicht wirklich Mitlachen wenn's zu dumm wird, man fürchtet nicht den Tod und TOD schon gar nicht, man verehrt ihn gegebenenfalls, man sitzt mal trübsinnig in einer Ecke auf dem Schulhof und fühlt sich ganz wohl dabei, man möchte am Abend unbedingt den Friedhof besuchen - wegen der Stimmung und Atmosphäre, man möchte auch über ernste Dinge reden dürfen, man mag vielleicht Tom Burton-Filme (Corps Bride, Coraline, Nightmare before Christmas, Frankenweeni), man findet Menschen die anders sind viel interessanter als die die sonst eher so der Renner sind, ...

Hinter einem perfekten Goth-/Steampunk-/Lolita-Auftritt steckt oft monatelange Vorarbeit: Welche Schminke, Welchen Schmuck, Welche Stoffe, Welcher Freund/Freundin passt in Welchem Outfit, Was für Schuhe, Wie bekomme ich die Outfits heile und perfekt zum Gelände, Iwe kann ich mir das alles leisten, ... Man sieht dass dort oft regelrechte Kunstwerke herumlaufen

https://de.pinterest.com/pin/521995413039424407/ 

... alles sehr schön ... nur, wenn es das einzige ist, viel zu flach für tiefe Gefühle : No-Goth

* Kommerzialisierung : ist für die Szene kein Problem! Echt nicht! Es gibt mehr coole Klamotten für uns! Man kann viel Neues ausprobieren! Mit Konsum hat die Szene auch kein Problem: Manche lehnen Konsum total ab andere finden nichts dabei, sie wird davon aber auch nicht vereinnahmt, dafür besteht sie aus viel zu schrägen Individualist*innen, Menschen die nicht so sein können/wollen wie die anderen.

* Eine vorherrschende gesellschaftliche Schicht konnte ich nicht ausmachen, das interessiert aber die meisten auch nicht.

* Die jüngste, die selbst bewusst eine Goth ist und das wohl auch tapfer in der Schule durchhält, war etwa 12 Jahre alt. Die älteste war letztes Jahr auf dem Amphi, schätzungsweise 80++ mit Rollator. Ich habe erst einen Moment überlegt ob man Oma nicht nur so mitgenommen hatte, aber dafür kannte sie sich zu gut mit der Mukke aus und die Kleidung war doch etwas anders als so bei Omas üblich, und die Begleiter schauten sich ob der vielen Schwarzen Menschen etwas irritiert um: Oma hatte definitiv die beiden Begleiter mitgeschleppt, die kannten das Schwarze Volk zwar aus dem Fernsehen aber so mitten unter "denen".

* Die Schwarze Szene ist wirklich eine der ausgeglichensten Szenen, die ich so kenne, das liegt aber auch daran das sie so vielfältig ist.

* Von der Öffentlichkeit werden diese merkwürdigen Leute, mit ihren merkwürdigen Kostümen, ihrem merkwürdigem Aussehen, der merkwürdigen Musik, dem Bedrohlichen Schwarz (noch eine Farbe Laughing out loud ) sehr "vorsichtig" behandelt wenn sie in so großen Massen auftreten. Dem einen oder anderem bleibt da sicherlich auch die eine oder andere dereinst gemachte üble Bemerkung über/zu Einzelwesen dieser Art nachträglich im Halse stecken. Stellt euch vor wir machen ein Transen*Festival und da sind plötzlich 20000 die in einer (Klein)stadt auftauchen. Am Bahnhof, in den Zügen, in den Geschäften, auf Plätzen.

Wir würden zwar nicht so übermächtig schwarz (weil bunt-bunt) und bedrohlich wirken, tragen etwa keine T-Shirts mit Totenköpfen drauf, oder Ringe durch die Nase, Tatoos, Pircings, Tunnel, Plugs, ... aber dennoch. Richtig schön machen die meisten sich erst auf dem Gelände, denn manches kann man manchen Passanten nicht zumuten, der eine oder die andere könnte schonmal auf die Knie fallen und zu Gott beten, fluchtartig die Straßenseite wechseln oder ihre/seine Kinder in Sicherheit bringen, dem einen oder anderen Kind wird es gefallen - das wird doch wenn es größer ist nicht auch so rumlaufen? "Oh guck mal Mama eine Prinzessin ganz in schwarz!"

Wer sich für Gothic interessiert findet etwa Zugang durch Musik (die Liedtexte beachten!), die Kunst, die Kleidung, Szene Kneipen, Festivals. Es ist kein Zirkus der Außergewohnlichkeiten, keine Freakshow, wie man es oft in den Berichterstattungen über die Festivals sieht. Goth-Sein geht so wie Trans-Sein unter die Haut.Wem es nicht gefällt, wer sich nicht damit identifizieren kann ... was solls TOD ist es egal und den Goth auch.

https://www.youtube.com/watch?v=cWGRSmeA4t8

MukkeWithin Temptation, Nightwish, Tarya, Deine Lakeien, Blutengel, Faun, Anne Clark, Diary of Dreams, Poems for Laila, Illuminate, HIM, Lacrimaosa, Dir en grey, Subway To Sally, The Beauty of Gemina, Exittrace, Schneewittchen, Silke Bischoff, Engelsstaub, Nox Arcana, Epica,